Testosteron: Antworten

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Testosteron: Antworten

Für den ersten Artikel des Schwerpunkts „Testosteronmangel“ haben wir die Form eines fiktiven Frage-Antwort-Spiels gewählt – das tatsächlich in der einen oder anderen Form zum Thema Testosteron schon wiederholt stattgefunden hat.

Was ist Testosteron und wo wird es gebildet?

Testosteron ist das wichtigste Sexualhormon des Mannes, das in den Leydig-Zwischenzellen der Hoden gebildet wird. Aber auch bei der Frau werden kleine Mengen dieses Hormons in der Nebenniere und in den Eierstöcken synthetisiert.

Wie wird die Produktion von Testosteron gesteuert – und ist diese vom Alter und der Tageszeit abhängig?

Zwischen dem Gehirn und der Testosteronproduktion im Hoden besteht eine negative biologische Rückkopplung: In zwei Hirnarealen, einem Teil des Zwischenhirns (Hypothalamus) und der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), wird kontinuierlich die Konzentration von Testosteron im Blut gemessen; bei niedrigen Konzentrationen stellen Hypothalamus und Hypophyse Botenstoffe (Gonadotropine) bereit, um die Testosteronproduktion im Hoden anzukurbeln.

Im umgekehrten Fall wird die Produktion dieser Gonadotropine gedrosselt. Diese negative biologische Rückkopplung erwacht erst mit Einsetzen der Pubertät, in der Regel ab dem 10. Lebensjahr. Die äußeren Zeichen der Umstellung sind Wachstum von Hoden, Scham- und Axillarbehaarung sowie das Auftreten von Akne und Stimmbruch.

Im Laufe des Lebens schwächt sich diese negative biologische Rückkopplung ab, so dass beim Mann ab dem 40. Lebensjahr die Testosteronspiegel um ca. 1 Prozent im Jahr abfallen (Abbildung linke Seite unten). An dem altersbedingten Abfall der Testosteronspiegel sind sowohl eine versiegende Produktion von Testosteron in den Leydig-Zellen des Hodens als auch eine Änderung der Ausschüttungs-Häufigkeit und -Menge der Gonadotropine beteiligt.

Niedrige Testosteronwerte können im voranschreitenden Alter einhergehen mit Libidoverlust, muskulärer Schwäche, deutlichem Übergewicht, vermehrter Traurigkeit, Konzentrationsmangel, Schwitzen, Erektionsstörungen, Osteoporose und Blutarmut.

Bei der Beurteilung von Testosteronwerten im Serum müssen die Tagesschwankungen berücksichtigt werden, da die Testosteron-Konzentration in den Morgenstunden um 20 bis 40 Prozent höher als am Abend ist. Höchste Werte finden sich zwischen 6 und 10 Uhr und niedrigste zwischen 17 und 21 Uhr (Abbildung rechts oben).

Wie wird das Testosteron im Blut transportiert, und was passiert mit ihm in den Zielzellen?

Im Blut wird Testosteron an verschiedene Transporteiweiße gebunden, vor allem an das sexualhormonbindende Globulin (SHBG). Nur etwa 1 bis 2 Prozent des zirkulierenden Testosterons sind ungebunden und als freies Testosteron tatsächlich biologisch aktiv. In den Zellen wird Testosteron zu dem biologisch noch aktiveren Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt.

Die Fettzellen besitzen jedoch auch die Möglichkeit, Testosteron in das wichtigste weibliche Sexualhormon, das Östradiol, umzuwandeln und damit einen Mann in gewisser Weise zu verweiblichen und der Wirkung von Testosteron entgegenzuwirken.

Wie wird das Testosteron im Blut gemessen?

Da das freie Testosteron normalerweise gut mit dem Gesamttestosteron übereinstimmt, ist die Bestimmung des freien Testosterons, die methodisch sehr aufwendig ist, nicht Standard und entbehrlich. Ändern sich jedoch die Konzentrationen an dem SHBG, werden entweder erhöhte oder erniedrigte Gesamttestosteronwerte gemessen, obwohl der freie oder biologisch aktive Anteil des Testosterons weitgehend normal geblieben ist:

So kommt es typischerweise bei einer Unterfunktion der Schilddrüse, bei einer Behandlung z. B. mit Kortison und bei einer ausgeprägten Adipositas zu einem deutlichen Abfall des SHBG und des Gesamttestosterons, so dass fälschlicherweise die Diagnose eines Testosteronmangels gestellt werden kann. Die zusätzliche Bestimmung des freien Androgen-Index (FAI), bei dem ein Quotient von Gesamttestosteron und SHBG gebildet wird, kann helfen, eine Fehleinschätzung hinsichtlich eines Testosteronmangels zu vermeiden.

Beeinflussen körperliche Aktivität, Krankheiten und Medikamente den Testosteronspiegel?

Kurze, intensive körperliche Belastung kann zu einem Anstieg des Testosterons führen, langdauernde muskuläre Aktivität und Hochleistungssport dagegen zum Abfall des Testosterons. Fast alle chronischen Erkrankungen, insbesondere der Leber, der Nieren und des Herzens, sowie Stress, Narkosen und viele Medikamente können einen Abfall des Testosterons bewirken.

Beispielhaft seien die Anabolika genannt, die auch von Freizeitsportlern zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zur vermeintlichen Optimierung der körperlichen Erscheinung angewendet werden: Diese Substanzen hemmen die Botenstoffe in Hypothalamus und Hypophyse – und damit die Testosteronproduktion in den Hoden.

Da ein ausreichender Testosteronspiegel auch für die Ausreifung der Spermien in den Sertoli-Zellen des Hodens unumgänglich ist, kommt es auch zu einem Abfall der Spermienzahl und damit zur Unfruchtbarkeit. Zum Glück ist diese ungewollte Unfruchtbarkeit nach Absetzen der Anabolika in der Regel wieder umkehrbar. Auch eine Erhöhung des Prolaktins kann bei Männern zu einem Absinken der Testosteronspiegel und der Spermienzahl führen, da dieses Hormon der Hypophyse auch die Ausschüttung der Botenstoffe hemmt; bekannt ist dieses Hormon vor allem als Stillhormon der Frau.

Aber auch beim Mann können unterschiedliche Medikamente (vor allem Psychopharmaka) oder ein fast immer gutartiger Tumor der Hypophyse einen Prolaktinanstieg im Blut auslösen und zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit mit Testosteron- und Spermienmangel führen. Nicht selten kommen diese Männer zu uns, weil sich die Stillwirkung dieses Hormons bei ihnen gezeigt hat: Es ist zur Ausbildung von echten Brustdrüsengewebe oder Gynäkomastie gekommen. Zum Glück sind diese Veränderungen durch Medikamente oder eine operative Entfernung des Hypophysen-Tumors rückführbar.

Was sollte man bei der Bestimmung des Testosterons im Blut berücksichtigen?

Wir hoffen, dass Sie jetzt nachvollziehen können, warum aus einer alleinigen Testosteronbestimmung ein Testosteronmangel nicht abgeleitet werden kann. Wichtig ist, dass die Blutentnahmen an zwei Tagen in den Morgenstunden, am besten zwischen 8 und 10 Uhr, durchgeführt werden.

Zur Beurteilung der Testosteronwerte sind unumgänglich: Gewichtsangabe, Medikamentenangaben, Daten zu Vor- oder Begleiterkrankungen, Informationen zur aktuellen Lebenssituation und die zusätzliche Bestimmung der Gonadotropine, des SHBG und des Prolaktins, wie oben erläutert. Ansonsten können Aussagen zum Vorliegen eines Testosteronmangels auch den Weissagungen aus der berühmten Glaskugel gleichen.


Von Prof. Dr. med. Reinhard Zick
Medicover MVZ, Osnabrück,
E-Mail: der.chef@mac.com

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (7) Seite 14-16

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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