Volles Programm beim Diabetes Kongress 2023 in Berlin

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© Verlag Kirchheim/Katrin Kraatz
Volles Programm beim Diabetes Kongress 2023 in Berlin

Ein volles Programm mit 88 Symposien und 19 Workshops in 4 Tagen: Das war der Diabetes Kongress vom 17. bis zum 20. Mai 2023 im CityCube in Berlin. Rund 6500 Diabetes-Profis waren der Einladung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) gefolgt und nutzten die Zeit für Fortbildung und Vernetzung – ganz im Sinne des Kongress-Mottos “Vielfalt & Individualität – Diabetes neu denken”.

In der Presse-Konferenz im Rahmen des Kongresses stellten die Referentinnen und Referenten einige der wichtigen Themen aus dem Programm vor. Es ging unter anderem um die Remission des Typ-2-Diabetes, es ging um ein Diabetes-Medikament, das auch beim Abnehmen hilft, und um Bewegung als Medikament.

Gewicht abnehmen, Werte normalisieren

“Wir haben gesehen, dass Remission möglich ist”, sagte Kongress-Präsident Prof. Dr. Matthias Blüher, ergänzte aber sofort: “Wir können weder den Typ-1- noch den Typ-2-Diabetes heilen.” Man könne zwar zum Beispiel durch Operationen eine starke Gewichtsabnahme erreichen und so die Blutzuckerwerte ohne jede Therapie im Normalbereich halten. “Aber auch da zeigt sich, dass bei der Mehrzahl der operierten Patienten nicht nur das Gewicht wieder ansteigt, sondern auch der Diabetes Typ 2 wiederkehrt. Bei manchen ist das erst nach 15 bis 20 Jahren (…), aber er ist immer noch in mir drin, er geht quasi nicht weg dadurch.”

Auch neuere Medikamente aus dem Bereich der Darmhormone wie die Wirkstoffe Semaglutid und Tirzepatid können zu einer deutlichen Gewichtsabnahme beitragen, wie aktuell beim Kongress präsentierte Studien zeigen, erläuterte der Diabetes-Experte aus Leipzig.

Diabetes-Medikament unzulässig eingesetzt

Semaglutid ist derzeit auch außerhalb des Diabetes-Bereichs aktuell oft in den Medien zu finden: als Lifestyle-Präparat zur Gewichts-Reduktion. “Wir als DDG sehen das Thema mit einer gewissen Sorge und einer gewissen Kritik”, sagte Prof. Dr. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG. Die GLP-1-Rezeptor-Agonisten, zu denen Semaglutid gehört, verlangsamen die Passage der Nahrung in Magen und Darm und führen außerdem zu einem Gefühl der Sättigung im Gehirn – was zusammen eine Reduktion des Körpergewichts unterstützt.

Der Wirkstoff Liraglutid ist in Deutschland auch allein zum Abnehmen zugelassen, Semaglutid aber noch nicht, so Gallwitz. “Was wir ganz klar ablehnen, ist, wenn Menschen, die vielleicht nur ganz geringes, leichtes Übergewicht haben, aus Lifestyle-Gründen versuchen, an sehr wirkungsvolle und sehr gute Medikamente wie Semaglutid heranzukommen (…).” Das habe dazu geführt, dass es derzeit in Deuschland Lieferschwierigkeiten gebe, sagte der Tübinger Diabetologe. “Das behindert den Alltag in der Versorgung von unseren Patienten durchaus und ist (…) für die Patientinnen und Patienten eine große Belastung.”

Auf die Frage, welche Ärzte dieses Medikament Menschen ohne Typ-2-Diabetes verordnen, sagte Gallwitz: “Wir sind dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, dem BfArM, sehr, sehr dankbar (…), dass es den Verordnungshinweis, der eine gesetzliche Regelung ist, jetzt herausgegeben hat – und man kann diese Medikamente jetzt eben bei Typ-2-Diabetes verordnen. Punkt. Ich denke, zu ärztlichem Handeln (…) gehört auch immer dazu, dass man sich eben auch regelkonform und leitlinienkonform verhält.”

“Vergessenes Medikament” Bewegung

Die neuen Therapie-Formen können auch dazu führen, “dass die Säule noch mehr vergessen wird, und das ist irgendwann keine Säule mehr, sondern ein Kieselstein, der irgendwo noch durchs Getriebe rattert”. Mit der Säule gemeint ist das “vergessene Medikament” Bewegung.

Prof. Dr. Dr. Christine Joisten von der Deutschen Sporthochschule Köln machte noch einmal deutlich: “Jeder Schritt zählt, den man mehr macht!” Für etwa 1000 Schritte braucht man etwa 10 Minuten. Eine Sorge, die viele Menschen mit Diabetes, vor allem Typ 1, im Hinblick auf Bewegung umtreibt, sind Unterzuckerungen. Begegnen kann man dieser Sorge mit adäquater Schulung, so die Medizinerin und Sportwissenschaftlerin. Um mehr Menschen in Bewegung zu bringen, spielen auch die Möglichkeiten dafür eine Rolle, zum Beispiel im Umfeld der Arbeit. “Die Bewegungs-Förderung im Arbeits-Alltag ist eine unendlich wichtige”, betonte Joisten.

Im Präventions-Gesetz ist die betriebliche Gesundheitsförderung eigentlich besser ausgestattet worden als andere Präventions-Maßnahmen – aber “es ist immer eine Frage des Kümmerers vor Ort”: Gibt es zum Beispiel Umkleideräume, Duschen und Abstell-Möglichkeiten für Fahrräder? “Wir brauchen die Verhältnisse, wir brauchen auch die Ideen.”

Weitere Berichte vom Diabetes Kongress gibt es auch in der nächsten Ausgabe des Diabetes-Journals.


von Dr. med. Katrin Kraatz

Dr. med. Katrin Kraatz ist Ärztin, Medizin-Redakteurin und lebt seit ihrer Kindheit mit Typ-1-Diabetes. Sie arbeitet seit über 20 Jahren mit am Diabetes-Anker (vormals Diabetes-Journal) und ist seit 2021 zusammen mit Prof. Haak Chefredakteurin der Zeitschrift. Darüber hinaus schreibt Dr. Kraatz auch für weitere Diabetes-Medien aus dem Hause MedTriX.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (7) Seite 10-11

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  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Tagen, 14 Stunden

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/