- Behandlung
Vom Schweiß und Schwitzen
3 Minuten
Für den ersten Artikel des Schwerpunkts „Tabuthema Schwitzen“ haben wir die Form eines fiktiven Frage-Antwort-Spiels gewählt – das tatsächlich in der einen oder anderen Form zum Thema Schweiß und Schwitzen schon wiederholt stattgefunden hat.
Was ist eigentlich Schweiß?
Der Mensch bildet zwei unterschiedliche Arten von Schweiß, den ekkrinen und den apokrinen Schweiß – je nachdem, welche Drüsen ihn produzieren. Der von den ekkrinen Schweißdrüsen gebildete Schweiß ist normalerweise klar, farb- und geruchlos und besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Der apokrine Schweiß ist trüb, gelblich-weiß, geruchsintensiv und eher zähflüssig.
Wo sind die Schweißdrüsen?
Die ekkrinen Schweißdrüsen findet man in unterschiedlicher Dichte nahezu überall auf der Haut. Besonders dicht liegen sie auf den Handflächen, im Gesicht und in den Achselhöhlen. Die apokrinen Schweißdrüsen sind in der Achselhöhle, an den Brustwarzen und im Genital- und Analbereich. Die ekkrinen Schweißdrüsen nehmen ihre Tätigkeit gleich nach der Geburt auf; das Wachstum und die Aktivität der apokrinen Schweißdrüsen beginnt erst mit der Pubertät.
Wie viel Schweiß produzieren wir?
Die tägliche Schweißmenge der ekkrinen Schweißdrüsen schwankt zwischen einem halben Liter in Ruhe bei niedrigen Außentemperaturen und 10 bis 15 Litern am Tag bei Hitzearbeitern. In den Tropen kann der Mensch bis zu 3 Liter ekkrinen Schweiß in der Stunde bilden. Die tägliche Menge des apokrinen Schweißes ist verschwindend niedrig und liegt im unteren Milliliter-Bereich.
Warum schwitzt man eigentlich?
Hohe Außentemperaturen oder Muskelarbeit führen über einen Anstieg der Kerntemperatur im Körper zu einer physiologischen Antwort: generalisierte Schweißabsonderung vor allem am oberen Rumpf, an den oberen Gliedmaßen und am Kopf, an den Handflächen und Fußsohlen. Dabei beginnt die Schweißsekretion bei Hitze oder Körperbelastung an Stirn und Oberlippe und breitet sich auf den Körper und schließlich auf den Handteller aus. Dieses Schwitzen ist sehr wichtig für die Regulation der konstanten Körperkerntemperatur von 36,7 °C –man spricht vom thermoregulatorischen Schwitzen.
Vom emotionalen Schwitzen reden wir, wenn wir infolge nervöser Erregung (Angst, Aufregung, Schreck, Schmerz oder Wut) zu schwitzen anfangen. Bei emotionalem Stress beginnt die Schweißsekretion an den Handtellern und Fußsohlen, kann sich aber auch auf die Kopf- und Nackenregion ausbreiten. Wir alle können uns an die schwitzenden Hände vor dem ersten Rendezvous oder vor einer schweren Prüfung erinnern.
Wir wissen aber auch, dass wir nach sauren oder gewürzten Speisen (herber Wein, Senf, saure Äpfel, Essiggurken) schwitzen können: Dieses Geschmacks- oder gustatorische Schwitzen zeigt sich in der Regel nur diskret an Oberlippe, Nase, Stirn oder Wangen. Es kann aber im Ausnahmefall den ganzen Kopf- und Nackenbereich betreffen.
Vom Schwitzen im eigentlichen Sinne spricht man nur, wenn die ekkrinen Schweißdrüsen betroffen sind. Die apokrinen Schweißdrüsen sind nicht an der Regulation des Wärmehaushalts beteiligt. Möglicherweise sind sie beim emotionalen und gustatorischen Schwitzen durch Abgabe von Duftstoffen beteiligt.
Warum riecht der Schweiß?
Der Schweißgeruch ist nicht identisch mit Körpergeruch, auch wenn Geruchsstoffe im Schweiß wesentlich zum Geruchsprofil eines Menschen beitragen und beide schwer voneinander zu trennen sind. Der Körpergeruch umfasst die Gesamtheit aller Düfte, die ein Mensch absondert. Der apokrine wie auch der ekkrine Schweiß sind zunächst geruchslos.
Die bakterielle Zersetzung von Fettsubstanzen und Hormonen im apokrinen Sekret durch Bakterien der Hautoberfläche gilt als wesentlicher Faktor für das Entstehen von Schweißgeruch. Da die apokrinen Schweißdrüsen ihre Tätigkeit erst mit der Pubertät aufnehmen, wird verständlich, warum in dieser Phase man den Freund oder auch die Freundin plötzlich nicht mehr riechen kann … und das Deo ins Leben tritt.
Über die ekkrinen Schweißdrüsen werden viele Duftstoffe der Ernährung und der Eingeweide-Flora über die Haut abgegeben. Cholinhaltige Nahrungsmittel (z. B. Hühnereier, Fisch, Milch) können Fischgeruch verursachen. Ein Mitbürger, der sich vegan ernährt, duftet über seinen ekkrinen Schweiß anders als eine Person, die vorwiegend Fleisch bei ihren Mahlzeiten bevorzugt.
Vom Schweißgeruch ist der Geruch zu trennen, der durch mangelnde Hygiene entsteht. Er hat seine Ursache häufig in der bakteriellen Zersetzung der obersten abgeschilferten Hautschichten.
Sind Zahl und Größe der Schweißdrüsen bei allen Menschen gleich?
Die Zahl der ekkrinen Schweißdrüsen ist genetisch vorgegeben. Sie unterliegt keinen großen Schwankungen. Unterschiedlich ist die Größe der Ausführungsgänge der ekkrinen Schweißdrüsen. Dies macht verständlich, warum einzelne Menschen z. B. in der Sauna schneller und stärker schwitzen: Durch einen dickeren Strohhalm kann ich schneller Flüssigkeit aufnehmen oder auch wieder auspusten.
Wichtig ist in dem Zusammenhang aber, dass man durch Sport oder auch durch regelmäßige Saunagänge seine Schweißabgabe ökonomisieren kann. Was heißt das? Durch beide Maßnahmen sprechen die ekkrinen Schweißdrüsen schneller auf Wärmereize an und geben durch den vergrößerten Ausführungsgang kontinuierlich vermehrt Schweiß ab – der durch Verdunstung dem Körper Wärme entzieht. Dadurch wird ein unökonomisches Verströmen des Schweißes vermieden, der damit zur Kühlung der Hautoberfläche verlorengeht.
Dieses Phänomen kann jeder beobachten, der einmal die Tropen mit ihrer hohen Luftfeuchtigkeit besucht hat: Nach einiger Zeit lässt das anfänglich verstärkte Schwitzen wie von Zauberhand nach; die ekkrinen Schweißdrüsen haben sich der neuen Lage angepasst oder buchstäblich ökonomisiert. Und jetzt werden Sie auch verstehen, warum wir in einem weiteren Artikel dieses Titelthemas Sport und Sauna als Therapie des vermehrten Schwitzens oder der Hyperhidrosis ausdrücklich empfehlen.
- Vom Schweiß und Schwitzen
- Drei Fälle: Wer schwitzt warum?
- Wenn der Schweiß tropft
- Vor den Erfolg setzen die Götter den Schweiß
von Prof. Dr. med. Reinhard Zick
Medicover Osnabrück
Möserstraße. 4a
49074 Osnabrück
der.chef@mac.com
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (1) Seite 20-23
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 4 Tagen, 6 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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jasminj postete ein Update vor 4 Tagen, 14 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 4 Tagen, 6 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 4 Tagen, 6 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 4 Tagen, 5 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 4 Tagen, 4 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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gregor-hess antwortete vor 3 Tagen, 10 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 2 Tagen, 20 Stunden
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jasminj antwortete vor 2 Tagen, 19 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
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galu postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂