“Wasser” im Körper: Ursachen erkennen

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“Wasser” im Körper: Ursachen erkennen

Wasseransammlungen, sprich Ödeme im Körper können an verschiedenen Stellen auftreten und viele Ursachen haben. Sie können ganz unbedenklich sein – oder gefährliche Erkrankungen anzeigen. Hier erfahren Sie alles Wichtige.

Der Fall
Peter M. ist übergewichtig (110 kg), hat viel Stress (Rettungssanitäter) und seit 6 Monaten Typ-2-Diabetes. Er nimmt seitdem zwei verschiedene Medikamente dagegen ein: Metformin und einen DPP-4-Hemmer (Wirkstoff “Sitagliptin”). Der Hausarzt hat ihm wegen eines Bluthochdrucks (170/100 mmHg) zusätzlich versuchsweise einen Kalzium-Antagonisten (“Amlodipin”) und einen AT1-Blocker (“Candesartan”) verschrieben.

Obwohl er seitdem deutlich mehr Sport treibt und bewusst isst, hat er 3 kg zugenommen. Ihm fällt auf, dass er abends immer geschwollene Unterschenkel und Knöchel hat und die Socken richtige Abdrücke hinterlassen. Aus Angst vor einer möglichen Herzschwäche – er weiß durch seinen Beruf, dass eine rasche Gewichtszunahme darauf hinweisen könnte – konsultierte er erneut den Hausarzt: Der tauschte nach ein paar Untersuchungen das Blutdruckmittel gegen ein anderes aus … und ließ ihn wieder gehen.

Tatsächlich waren die Ödeme am Knöchel nach etwa 14 Tagen weg und der Blutdruck trotzdem fast normal (145/90 mmHg); außerdem hatte er schon wieder 2 kg abgenommen. Meist lassen sich Ödeme leider nicht so schnell behandeln!

Wo findet man Wasseransammlungen im Körper? Am augenfälligsten sind Ödeme an den Schienbeinkanten nach langem Stehen oder Sitzen, im Bereich der Knöchel oder des Unterschenkels, häufig auch bei Frauen kurz vor der Menstruation (prämenstruelles Ödem). Generalisierte, also den ganzen Körper betreffende, Ödeme finden sich meist an den “abhängigen Körperpartien”: im Stehen symmetrisch in der Knöchelregion und der Schienbeinregion, beim liegenden Menschen im Bereich des Steißbeins.

Rechtzeitiges Erkennen ist oft entscheidend

Erkrankungen mit Ödemen nennt man hydropische Erkrankungen. Sie zählen zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland, in Form der Herzschwäche oder Herzinsuffizienz auch zu den gefährlichsten und teuersten – mit regelmäßigen, häufigen Krankenhausaufenthalten und nicht selten raschem Tod: Rund 50 Prozent der Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sterben innerhalb von 5 Jahren. Außerdem ist sie eine der Folgen des Diabetes – mit der höchsten Sterberate.

Das rechtzeitige Erkennen der eigentlichen Ursache des Ödems ist für den weiteren Verlauf einer Erkrankung oft entscheidend – aber in Deutschland werden immer noch Menschen mit Beschwerden, die zu einem beginnenden Lymphödem bzw. Lipo-Lymphödem gehören, oft nicht ernst genommen. Sie müssen um entsprechende Therapien wie Lymphdrainage (bzw. Entstauungstherapie) und Kompressionsstrümpfe bzw. -hosen kämpfen.

Komplikationen könnte man verhindern

Viele Patienten mit einem Zustand nach einer Venenthrombose oder Zeichen einer chronischen Venenschwäche und begleitendem Ödem könnten durch eine rechtzeitige und konsequente Therapie vor der Entwicklung von Unterschenkelgeschwüren mit entsprechenden Komplikationen bis hin zur Amputation bewahrt werden. Die rechtzeitige und konsequente Behandlung einer Herzschwäche mit Wasseransammlung an den Beinen bzw. Zeichen einer Lungenstauung mit Luftnot könnte vielen Menschen einen immer wiederkehrenden Krankenhausaufenthalt ersparen.

Der Hintergrund

In den arteriellen Blutgefäßen herrscht ein Druck (bekannt als Blutdruck), der dafür sorgt, dass das Blut in die entlegendsten Regionen des Körpers fließt bis in die kleinsten Gefäße (Kapillaren). Aus diesen werden täglich etwa 20 Liter Flüssigkeit filtriert. Dies entspricht nur 0,5 Prozent des Plasmavolumens (Blutflüssigkeit ohne Blutkörperchen). Das Plasma und in ihm gelöste Stoffe gelangen, bis auf sehr große Eiweißmoleküle, in einen Raum zwischen den Zellen (Interstitium) – so werden die einzelnen Zellen mit Nährstoffen versorgt.

Dem Blutdruck entgegengerichtet ist ein Druck, der durch die großen Eiweißmoleküle (kolloidosmotischer Druck) im Blut selbst entsteht. Er bewirkt, dass Flüssigkeit, die vorher aus den arteriellen Kapillaren ins Interstitium abgepresst wurde, wieder zurück in die Kapillaren fließt. So werden etwa 90 Prozent des zuvor ausgepressten Volumens (etwa 18 Liter) wieder zurück ins Blut befördert (in die venösen Kapillaren). Von dort wird es weiter in die Venen und schließlich zur rechten Herzhälfte zurückgepumpt.

Zwei Liter Zwischengewebs-Flüssigkeit bleiben also übrig und sammeln sich im Lymphsystem.

Die Ursachen für Wasseransammlungen im Körper (Ödeme) sind vielfältig:

1. Nierenschwäche

2. Herzschwäche

3. nach Venenthrombosen mit Stauung an den Beinen

4. Eiweißmangel:

  • Eiweißverlust über die Niere z. B. beim nephrotischen Syndrom
  • verminderte Eiweißaufnahme im Darm (bei entzündlichen Darmerkrankungen)
  • Hungerzustände mit verminderter Eiweißaufnahme (keine eiweißreiche Nahrung)
  • Leberzirrhose (verminderte Produktion von Eiweiß durch Leberfunktionsstörung kann zu Bauchwasser führen)

5. Blutgefäße lassen Flüssigkeit vermehrt austreten z. B. bei:

  • bestimmten Nierenerkrankungen (z. B. Glomerulonephritis)
  • Ödem der Gefäßwände (Angioödem) mit Gefahr des Erstickens
  • allergischem, entzündlichem Ödem

6. Ödeme durch Medikamente verursacht:

  • Kalzium-Antagonisten (z. B. Amlodipin)
  • “Rheumamittel” wie Voltaren, Ibuprofen etc.
  • Glukokortikoide (Kortison, Kortisol; z. B. Decortin H, Solu-Decortin, Ultracorten etc.)
  • Anti-Baby-Pille/Hormone (z. B. Östrogene etc.)
  • Antidepressiva

Für die Aufrechterhaltung des Eiweißdrucks in den Arterien ist vor allem ein Bluteiweiß, das Albumin, verantwortlich. Plasma besteht aus etwa 100 verschiedenen Eiweißen. Ein Verlust an Albumin z. B. durch Unterernährung oder Eiweißverlust über die Niere führt also zu einem Abfall dieses “Eiweiß-Drucks” in den Blutgefäßen und so zum Entstehen von Ödemen, sprich Wasseransammlungen im Gewebe.

Wichtige Untersuchungen und Fragen

Folgende wichtige Punkte bzw. Fragen sollten Sie sich stellen – und anschließend mit Ihrem Arzt (Untersuchung!) gemeinsam klären, damit er die Ursachen für Wasseransammlungen im Körper erkennen kann – die potenziell gefährlich sein können:

1. Ödeme durch Herzerkrankungen?

  • Haben Sie rasch an Gewicht zugenommen?
  • Haben Sie Luftnot schon bei geringer körperlicher Belastung/Anstrengung?
  • Haben Sie Wasseransammlungen an den Knöcheln/Unterschenkeln? Drücken die Schuhe? Schnüren die Socken ein? Gehen Dellen bei Druck nicht mehr weg?
  • Müssen Sie häufig nachts wasserlassen (auch an Prostata beim Mann als Ursache denken bzw. Blasensenkung bei Frauen!)?

Bei solchen Anzeichen sollten Sie sofort zum Arzt gehen!Dieser wird folgende Untersuchungen veranlassen bzw. durchführen:

  • – Herz-Ultraschall (Echokardiographie),
  • EKG,
  • – Röntgen der Lunge,
  • – Blutuntersuchungen, Blutdruck, Medikamente überprüfen, Gewicht kontrollieren.

2. Lymphödem?

  • Wie lange ist das Ödem schon vorhanden? Erst z. B. nach einer Hüftoperation, Brustoperation, Leistenoperation aufgetreten? Dann handelt es sich um ein sekundäres Lymphödem.
  • Besteht es seit der Pubertät? Dann hat es hormonelle Gründe, eventuell ist es vererbt.
  • Typische Zeichen sind:
  • – Die Hautfalte über den Zehen lässt sich nicht abheben.
  • – Die Schwellung ist nicht schmerzhaft.
  • – Das Ödem tritt asymmetrisch auf (z. B. nur ein Arm oder ein Bein).

3. Lipödem? (Fett-Ödem)

  • Es tritt immer symmetrisch an beiden Armen und/oder Beinen auf.
  • Meist besteht ein schlanker Oberkörper – deutliche “Fettpolster” sind an den Hüften, Oberschenkeln, Innenseiten der Knie und Oberarmen (hinten/unten).
  • Manchmal treten zusätzlich Wasseransammlungen (gemischte Ödeme) auf.
  • Oft entstehen Blutergüsse nach leichten Stößen.

4. Venöse Wasseransammlungen?

  • Es bestehen sichtbare Wasseransammlungen bei ausgeprägten Krampfadern, die oft im Stehen erkennbar sind.
  • Bei Zustand nach Thrombose gibt es typische Hautveränderungen an den Unterschenkeln (bräunliche Flecken etc.).
  • Zusätzlich wird eine Ultraschall-Doppler-Untersuchung (Duplex-Sonographie) durchgeführt, eventuell auch eine Venendarstellung mittels Röntgen (Venographie).

5. Bauchwasser?

  • Ist eine schwere Lebererkrankung bekannt, z. B. eine Leberzirrhose durch Alkohol, Leberentzündung (z. B. Hepatitis B, C oder andere Infektionserkrankungen der Leber) oder ein Tumor?
  • Hat der Bauchumfang rasch zugenommen?

Untersuchungen hier:

  • – Ultraschall des Bauches (Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse): Ist Wasser im Bauch erkennbar?,
  • – Blutwerte (Leberwerte, Gerinnungswerte etc.),
  • – eventuell Computertomographie (CT)/Magnetresonanztomographie (MRT)/Bauchspiegelung, ggf. mit Leberpunktion zur Gewebegewinnung.

Zusammenfassung

Wasseransammlungen im menschlichen Körper kommen tagtäglich vor und haben, je nach Ursache, eine geringe bis extrem hohe Bedeutung. Wasseransammlungen können bei herzkranken Menschen innerhalb weniger Stunden zum Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge) und so zum Tod führen.

Chronische Ödeme an den Beinen, z. B. venöse Ödeme, können durch eine rechtzeitige Kompressionsbehandlung (z. B. mittels Kompressionsstrümpfen) völlig ohne Folgen für den Betreffenden sein. Allerdings ist es manchmal mühsam, sich dazu zu zwingen, die Strümpfe jeden Tag zu tragen – dieses sollten Sie aber tun!

Bei vielen Erkrankungen mit Wasseransammlungen müssen zeitweise oder auf Dauer Medikamente eingenommen werden. Ein guter Hausarzt, der Sie begleitet, und auch ein Facharzt von Zeit zu Zeit sind unbedingt empfehlenswert.


Autor:

Dr. Gerhard-W. Schmeisl
Internist, Angiologe, Diabetologe und Sozialmediziner
Lehrbeauftragter der Universität Würzburg
Chefarzt Deegenbergklinik
Burgstraße 21, 97688 Bad Kissingen

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (7) Seite 30-33

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 6 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 23 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
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