Weltherztag: Unklare Herzschmerzen – oft stecken die kleinen Gefäße des Herzens dahinter

4 Minuten

© tashechka - stock.adobe.com
Weltherztag: Unklare Herzschmerzen – oft stecken die kleinen Gefäße des Herzens dahinter

Zum Weltherztag macht die Herzstiftung auf Gefäßerkrankungen des Herzens aufmerksam und weist gleichzeitig darauf hin, wie man sich vor ihnen schützt. In diesem Jahr legt die Herzstiftung den Fokus auf Erkrankungen der kleinen Herzgefäße (Mikrogefäße). Hauptursache des Herzinfarkts bleibt jedoch die koronare Herzkrankheit (KHK).,

Erkrankungen des Herzens, die durch eine verminderte Blutzufuhr und den dadurch entstehenden Sauerstoff- und Nährstoffmangel verursacht werden, sind die mit Abstand häufigste Herzerkrankung. Der Herzinfarkt ist darunter die fatalste Erscheinung mit all seinen schwerwiegenden Folgen wie Herzschwäche oder plötzlicher Herztod, darauf weist die Herzstiftung in einer Presse-Information hin. Diesem Ereignis geht allerdings oft jahrzehntelang unbemerkt die koronare Herzkrankheit (KHK) voraus.

Hierbei verengen typischerweise Ablagerungen aus Cholesterin, Kalk, Entzündungszellen und Bindegewebe zunehmend die Blutgefäße, vor allem die Koronararterien im Herzmuskel (Arteriosklerose/„Arterienverkalkung“). „Besonders wichtig ist deshalb, dass jeder seine persönlichen Gesundheitswerte wie LDL-Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck kennen sollte, um sein individuelles Herzinfarkt-Risiko zu verringern“, sagt Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen. Herzstiftung.

Bei Herzinfarkt-Verdacht sofort den Rettungsdienst alarmieren!

„Ebenso wichtig ist, die Anzeichen einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, die sich bereits lange vor dem Infarkt unter körperlicher Belastung mit Symptomen wie Atemnot, Brustenge und Brustschmerzen bemerkbar machen können, gut zu kennen“, so der Kardiologe anlässlich des Weltherztags unter dem Motto „Schütze Deine Gefäße!“. Hierzu stellt die Herzstiftung ein umfangreiches Infopaket auf ihrer Website zur Verfügung.

„Wer einen Herzinfarkt erleidet, kann sein Herz vor irreparablen Schäden und Komplikationen bis hin zum Tod nur schützen, indem er oder sie bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort den Rettungsdienst mit dem Notruf 112 alarmiert“, warnt Voigtländer, der Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses in Frankfurt am Main ist. Denn beim Herzinfarkt zählt jede Minute, weil der Infarkt jederzeit in bösartige Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern übergehen kann, die zum Herzstillstand führen und nach wenigen Minuten den Tod bedeuten.

Herzinfarkte ereignen sich meist zu Hause. Daher ist es auch wichtig, bei Bewusstlosigkeit und fehlender Atmung bereits dort mit der Wiederbelebung zu beginnen. Das über den Notruf 112 herbeigerufene Rettungsteam kann dann mit einem Defibrillator das flimmernde Herz wieder in seinen normalen Rhythmus und den Patienten anschließend sofort in die nächstgelegene Klinik zur Infarktversorgung bringen.

Ursache für Brustschmerzen nicht selten trotz Katheteruntersuchung ungeklärt

Nach Expertenschätzungen liegen bei 50 Prozent der Patienten mit Verdacht auf KHK und Angina Pectoris-Symptomen (Brustschmerzen), die eine Herzkatheteruntersuchung erhalten, allerdings nicht die typischen Verengungen der Herzkranzgefäße vor, sondern andere Ursachen.

Zunehmend rücken hierbei Engstellen der ganz kleinen Herzgefäße in den Fokus, die durch eine Fehlfunktion zu Herzschmerzen und einer deutlich eingeschränkten Belastbarkeit der Patienten führen. Eine solche koronare mikrovaskuläre Dysfunktion (CMD) oder mikrovaskuläre Angina ist durch eine eingeschränkte Dehnbarkeit oder eine verstärkte Verkrampfungsneigung (Koronarspasmen) der kleinen und kleinsten Herzgefäße gekennzeichnet.

Info-Service zum Weltherztag

„Betroffene mit Symptomen der mikrovaskulären Angina wie Brustschmerzen, Brustenge und Atemnot schon bei geringer körperlicher Belastung unterliegen einem hohen Leidensdruck. Häufig wird aufgrund des fehlenden Befunds in den großen Herzkranzgefäßen auch auf eine psychische Erklärung ausgewichen“, berichtet Prof. Voigtländer und betont: „Besonders wichtig ist daher eine weitergehende Diagnostik, damit die eigentliche Ursache – nämlich eine mögliche Fehlfunktion der kleinen und kleinsten Herzkranzgefäße gefunden wird.“

Nur so könne auch rasch die passende Therapie gefunden werden. „Wie bei der KHK, liegen den Erkrankungen der Mikrogefäße des Herzens Risiken wie Bluthochdruck, hohes LDL-Cholesterin, Diabetes oder genetische Faktoren zugrunde, die eine entsprechende Behandlung mit Medikamenten und Veränderungen des Lebensstils erfordern“, erklärt der Kardiologe.

Frauen sind aufgrund hormoneller Unterschiede und der unterschiedlichen Herzanatomie (im Schnitt kleineres Herz, kleinere Gefäße) häufiger von mikrovaskulärer Angina betroffen als Männer. Zum Weltherztag informiert die Herzstiftung über die CMD im Herzstiftungs-Podcast.

Diagnose „mikrovaskuläre Angina“ meist erst nach Odyssee durch Arztpraxen

Bis es mit Hilfe bildgebender Verfahren (Herz-Ultraschall, MRT oder Positronenemissionstomographie/PET) zur Diagnose einer mikrovaskulären Angina kommt, haben Betroffene häufig eine Odyssee durch eine Vielzahl an (Fach-)Arztpraxen hinter sich. Entsprechend hoch ist der Leidensdruck, weil die Belastbarkeit im Alltag aufgrund der immer wieder auftretenden Beschwerden Atemnot und Brustschmerzen eingeschränkt ist.

Kardiologen wie Prof. Dr. med. Peter Ong, Oberarzt der Abteilung für Kardiologie und Angiologie des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart, spezialisiert auf die Erforschung und kardiologische Versorgung von Patienten mit einer mikrovaskulären Angina, fordern einen „ganzheitlichen Blick auf die Herzdurchblutung“. Denn diese kleinen und kleinsten feinverzweigten Blutgefäße im Herzmuskel regeln 80 bis 90 Prozent der Durchblutung und sind damit die Hauptversorger des Herzens mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Doch noch liege – auch in der Diagnostik – der Blick vor allem auf den großen Herzgefäßen, die jedoch nur wie große Leitungsrohre das Blut zur eigentlichen Verteilerstelle lieferten. „Gerade bei Patienten, die über zwei bis drei Jahre über anhaltende Beschwerden im Brustkorb klagen, aber keine Diagnose vorliegt, sollte man deshalb unbedingt auch an eine mikrovaskuläre Angina denken und dazu die vorhandenen modernen Untersuchungsverfahren einsetzen“, betont Prof. Ong.

Gut therapiebar mit Medikamenten

Nach aktueller Studienlage ist laut Professor Ong das Risiko für schwere Ereignisse wie Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall durch eine mikrovaskuläre Angina zwar geringer als bei Patienten, die eine KHK mit Stenosen (Verengungen) der großen Herzgefäße haben. Dennoch bestehe ein nicht zu unterschätzendes Risiko für diese Ereignisse. Eine medikamentöse Behandlung senkt dieses Risiko und verbessert vor allem die Lebensqualität deutlich. Oft lindere bereits die medikamentöse Therapie von Bluthochdruck, Diabetes und hohem LDL-Cholesterin die Beschwerden.

Individuell kommen für die Betroffenen darüber hinaus – je nach Ursache der mikrovaskulären Angina – weitere Medikamente in Frage: Patienten mit Koronarspasmen profitieren zum Beispiel häufig von Kalziumantagonisten und Nitratpräparaten, bei akuten Beschwerden vor allem von einem Nitrospray. Patienten mit einer eingeschränkten Erweiterungsfähigkeit der Gefäße profitieren wiederum sehr häufig von Betablockern. „Ist erst einmal die Diagnose bei diesen Patienten gestellt, können wir ihnen mit Medikamenten effektiv helfen und dazu beitragen, ihre Belastbarkeit im Alltag und ihre Prognose zu verbessern“, bestätigt Kardiologe Professor Ong.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien der Deutschen Herzstiftung e.V./ Deutsche Stiftung für Herzforschung

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten
Ob Früherkennung von Netzhautschäden, Unterstützung bei der Insulindosierung oder Vorhersage von Unterzuckerungen: Künstliche Intelligenz spielt in der Diabetes-Behandlung eine zunehmend wichtige Rolle.
Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten | Foto: sirichai – stock.adobe.com

2 Minuten

Fachverbände vermissen in geplantem Digital-Gesetz für den Gesundheitsbereich Regelungen fürs digitale DMP
Ein neues Digital-Gesetz soll für den Gesundheitsbereich ein datengestütztes Ökosystem ermöglichen. DDG und BVND begrüßen die angestrebte digitale Transformation. Sie vermissen allerdings Regelungen für das digitale Disease-Management-Programm (DMP) und wünschen sich Nachbesserungen.
Medizinische Fachkraft in Schutzkleidung hält ein Tablet; darüber sind digitale Darstellungen von Organen, Blut- und DNA-Tests sowie weiteren Gesundheitsdaten eingeblendet.

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Monat

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße