Wer entscheidet über meine Therapie?

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Wer entscheidet über meine Therapie?

Bei der Beantragung der Kostenübernahme für Therapie-Hilfsmittel kann es passieren, dass man Bekanntschaft mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung macht. Und mitunter mischt sich dieser ein in die Therapie-Entscheidung, die Arzt und Patient getroffen haben. Doch ist dieses Vorgehen noch zeitgemäß, fragt Jana Einser…

Wenn ich krank bin, gehe ich zu einem Arzt, spreche mit ihm, er untersucht mich. Daraus ergeben sich meist eine Diagnose und eine Therapieempfehlung. Genau das gilt auch für meinen Typ-1-Diabetes: Hier steht die Diagnose zwar seit langem, aber Gesprächsbedarf besteht regelmäßig, und Therapieüberlegungen stellen wir auch regelmäßig gemeinsam an.

MDK-Arzt: Einmischung in ein Vertrauensverhältnis

Warum darf sich in dieses Vertrauensverhältnis ein weiterer Arzt einmischen, dessen Identität ich normalerweise nicht kenne? Ich meine hier den Arzt des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Denn wenn mein Arzt und ich die Entscheidung treffen, dass ich ein bestimmtes Hilfsmittel für meine Therapie benötige, beruht das ja auf medizinischen Überlegungen, und nicht auf Luftschlössern.

Dennoch nimmt sich der Arzt des MDK das Recht, meist ausschließlich auf Aktengrundlage, diese Entscheidung zu hinterfragen und oft genug in seinem Gutachten als falsch zu bewerten – das heißt, dass er der jeweiligen Krankenkasse empfiehlt, das benötigte Hilfsmittel nicht zu finanzieren. Und in der Regel wird die Krankenkasse dem Gutachten folgen, denn welche Berechtigung hätte sonst der MDK?

MDK-Entscheidungen: wirklich unabhängig?

Rechtlich steht der MDK auf der sicheren Seite. Er schreibt auf seiner Internetseite: “Die Entscheidung über eine Leistung liegt bei den Kranken- und Pflegekassen. Die Gutachterinnen und Gutachter des MDK greifen nicht in die ärztliche Behandlung oder pflegerische Versorgung ein.”

Praktisch aber sieht es anders aus: Was aufgrund des MDK-Gutachtens nicht bezahlt wird, kann ich nicht verwenden. Auch die Unabhängigkeit der MDK-Entscheidungen wird betont, aber: “Die Medizinischen Dienste werden von ihren Trägern, also den Kranken- und Pflegekassen auf Landesebene, finanziert.” Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, heißt es doch so schön in einer Redensart.

Medizinische Entscheidung ausschließlich aufgrund von Akten treffen?

Hinzu kommt: Ich habe in meiner Diabeteslaufbahn bezüglich meiner Anträge – mal positiv beschieden, mal negativ – noch nie mit einem MDK-Gutachter gesprochen. Kann man eine medizinische Entscheidung ausschließlich aufgrund von Akten treffen? Ich denke nicht. Nicht umsonst gilt in Deutschland das Verbot der Fernbehandlung ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien. Mir stellt sich die Frage: Ist der MDK noch zeitgemäß?


von Jana Einser

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (6) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Woche

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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