Wörtlich genommen

2 Minuten

Wörtlich genommen

Dr. Hans Langer ist ein erfahrener Diabetologe, der Seit Jahren in einer Klinik tätig ist. Doch selbst er erlebt noch immer Geschichten, die schier unglaublich sind. Beispielsweise das abstruse Ergebnis, als ein Patient einen Arzt zu wörtlich genommen hatte.

Es gibt Dinge, von denen glaubt man gar nicht, dass es sie in der Tat wirklich gibt. Manchmal sind sie zum Lachen, manchmal aber auch zum Weinen – und manchmal regen sie einem auch zum Nachdenken an. Mir persönlich ging das wieder einmal letzte Woche so …

Ein schier unglaublicher Fall eines Patienten

Ich machte gerade Visite mit meiner jungen Kollegin, und sie berichtete mir von einem schier unglaublichen Fall eines Patienten: Sein behandelnder Arzt hatte ihm die Funktionsweise eines neuen Auto-Pens erklärt; das sind Pens, die alles selbständig machen. Man muss nur den Auslöseknopf drücken, dann fährt die Kanüle raus und drückt das Medikament in das Gewebe.

Also zeigte er ihm, dass man den Pen erst entriegeln muss, dass man selbstverständlich die Kappe abnimmt – und dann demonstrierte der behandelnde Arzt offenbar an seiner eigenen Hand, wie der Pen auf die Bauchdecke aufgesetzt werden muss. Dabei sollte wohl die linke Hand den Bauch simulieren, während die rechte Hand den Pen hielt.

Und genau dieses kleine Detail, nämlich dass die linke Hand den Bauch simulieren sollte, hatte er entweder nicht richtig erklärt oder sein Patient hatte es nicht so verstanden. Wie ging es also weiter? Der Patient spritzte sich drei Monate lang nicht in den Bauch, sondern in die linke Hand! Zum Glück kam die Hand nicht zu Schaden, aber natürlich wirkte das Arzneimittel auch nicht.

„Langer, pass auf, dass man dich nicht wörtlich nimmt!“

Was lernen wir aus dieser Geschichte? Zum einen, dass Dinge, die für uns Ärzte selbstverständlich sind, noch lange nicht vom Patienten als selbstverständlich angesehen werden müssen. Dann: Beide Seiten sollten sich vergewissern, ob sie richtig erklärt bzw. richtig verstanden haben! Und: Eine solche Geschichte sollte eine Lehre fürs Leben sein.

Obwohl ich innerlich wirklich lachen musste, so ist die Geschichte doch auch traurig. Nicht nur, dass der Patient Schmerzen hatte, es hätte auch wirklich viel passieren können. Deswegen gilt für mich jetzt ein neuer innerlicher Leitspruch – und der heißt: „Langer, pass auf, dass man dich nicht wörtlich nimmt!“


von Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (11) Seite 94

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Zum Tod von Bastian Hauck: Eine Stimme für die Menschen mit Diabetes ist verstummt
Die Stimme der Menschen mit Diabetes im Konzert mit den Diabetes-Expertinnen und -Experten erklingen lassen: Das war der Lebenstraum von Bastian Hauck. Nun ist seine Stimme darin verstummt. Am 31. Mai verlor er seinen jahrelangen, intensiven und auch sehr emotionalen Kampf gegen den Krebs.
Zum Tod von Bastian Hauck: Eine Stimme für die Menschen mit Diabetes ist verstummt | Foto: #dedoc°

2 Minuten

Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen
Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes trauen sich aus Angst vor Vorurteilen nicht, sich öffentlich zu zeigen – nicht so Annika Ziercke, wie sie im Interview erzählt. Sie spricht offen über ihren Alltag mit Typ-2-Diabetes, kämpft gegen Stigmatisierung und macht anderen Mut.
Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

13 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 6 Tagen, 14 Stunden

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände