Zu hohen Blutdruck natürlich senken

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Zu hohen Blutdruck natürlich senken

Die Behandlung des Bluthochdrucks ist bei Menschen mit Diabetes mindestens genauso wichtig wie das Senken des erhöhten Blutzuckerspiegels. Gegen hohen Blutdruck gibt es sehr wirksame Medikamente. Aber auch Gewichtsabnahme bei Übergewicht, mehr körperliche Bewegung, eine Verminderung des Salzkonsums und Nichtrauchen können zum Erfolg der Behandlung des Bluthochdrucks beitragen.

Heute stehen Medikamente zum Senken eines erhöhten Blutdrucks (fachsprachlich: einer arteriellen Hypertonie) zur Verfügung, die in großen Studien gezeigt haben, dass Herz- und Kreislauf-Krankheiten deutlich seltener auftreten, wenn man diese Medikamente einnimmt. Wie steht es aber mit der Wirksamkeit der nichtmedikamentösen Maßnahmen bei der Behandlung der Hypertonie? Sind die Wirkungen gesichert? Was kann man damit erreichen?

Wer mit dem Rauchen aufhört, lebt viele Jahre länger

Akut steigert Nikotin den Blutdruck, aber es sind die Langzeitfolgen des Rauchens, die das Leben erheblich verkürzen. Eine der größten Untersuchungen dazu wurde 2013 im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Die Studie wurde an über 200 000 Menschen durchgeführt. Männer, die nie geraucht hatten, lebten 12 Jahre länger als Raucher, bei Frauen waren es 11 verlorene Lebensjahre.

Die gute Nachricht aus dieser Untersuchung ist: Es lohnt sich sehr, mit dem Rauchen aufzuhören – je früher, desto besser. Wer im Alter zwischen 25 und 34 Jahren mit dem Rauchen aufhört, lebt zehn Jahre länger, wer zwischen 35 und 44 Jahren aufhört, gewinnt neun Lebensjahre, nach Rauchstopp zwischen 45 und 54 Jahren sind es immer noch sechs Jahre. Selbst wenn man später mit dem Rauchen aufhört, ist immer noch ein Vorteil zu beobachten.

Wenn Sie rauchen und bei Ihnen sowohl ein erhöhter Blutdruck als auch ein Diabetes bestehen, ist die Aufgabe des Rauchens die mit großem Abstand wirksamste Möglichkeit, Ihr Leben um viele Jahre zu verlängern!

Gewichtsabnahme senkt den Blutdruck?

Alle Studien zu dieser Frage wurden 2013 von Prof. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch aus Graz im Rahmen einer Cochrane Untersuchung ausgewertet. Die Cochrane Initiative ist für ihre kritische Beurteilung medizinischer Studien weltweit anerkannt. Prof. Siebenhofer fand acht aussagekräftige Studien mit insgesamt über 2 000 Teilnehmern, die im Mittel vier Kilogramm abgenommen hatten. Der obere, systolische Blutdruckwert sank im Mittel um 4,4 mmHg.

Das scheint wenig, aber wir wissen aus vielen Studien mit Medikamenten, dass schon eine Blutdrucksenkung in diesem Ausmaß die schlimmen Folgen der Hypertonie vermindern kann. Also: bei Übergewicht und Hypertonie diese Chance nutzen – nach deutlicher Gewichtsabnahme sind manchmal keine blutdrucksenkenden Medikamente mehr nötig. Einer der Autoren dieses Artikels braucht nach sieben Kilo Gewichtsabnahme in einem Jahr jetzt keine Hochdrucktabletten mehr.

Weniger Kochsalz bei hohem Blutdruck?

Seit Jahrzehnten wird unter Bluthochdruck-Experten über die Salzfrage gestritten. Früher wurde bei hohem Blutdruck eine extrem salzarme Kost empfohlen, in manchen Ländern gab es dafür sogar salzloses Brot zu kaufen. Heute weiß man, dass verschiedene Menschen auf Kochsalzzufuhr unterschiedlich reagieren. Mittlerweile sind die Empfehlungen nicht mehr so drastisch wie früher – man rät jetzt bei Hypertonie, nicht mehr als 6 g Kochsalz am Tag zu sich zu nehmen. Das lässt sich leicht durch Verzicht auf besonders salzhaltige Nahrungsmittel erreichen.

Aber was bringt das? Studien, die belegt hätten, dass man durch weniger Kochsalz im Essen länger lebt oder weniger Herzinfarkte bekommt, gibt es nicht. Auch zu dieser Frage wurden von Cochrane 34 Studien mit über 3 000 Teilnehmern ausgewertet. Im Mittel sank der systolische Blutdruck um 5 mmHg, der unter, diastolische Wert um 3 mmHg.

Es kann sich also lohnen, weniger Kochsalz zu essen, um den Blutdruck zu senken. Weniger salziges Essen schmeckt auch besser! Gemüse in Dosen enthält viel Salz, frisches Gemüse deutlich weniger. Auch die meisten tiefgefrorenen Lebensmittel sind mehr gesalzen als frische. Eine Suppe aus frischen Tomaten schmeckt unvergleichlich besser als eine Suppe aus Dose oder Tüte.

Was bringen Bewegung und Sport?

Zunächst kann körperliche Anstrengung den Blutdruck erhöhen. Ungünstig sind bei Hypertonie Kraftsportarten, die mit wenig Bewegung einhergehen, aber viel Pressdruck erzeugen wie Gewichtheben, Ringen, Liegestütz, Klimmzüge. Aber was ist mit Wandern, Laufen oder Schwimmen? Auch hierzu hat man alle verfügbaren Untersuchungen ausgewertet. Man fand acht kontrollierte Studien mit insgesamt 800 Teilnehmern, die bis zu einem Jahr lang untersucht wurden.

Dabei gab es Studien, in denen drei- bis siebenmal pro Woche Ausdauertraining betrieben wurde, die anderen Studien beinhalteten eine Schulung mit dem Ziel vermehrter Bewegung. Der Blutdruck sank nach bis zu einem Jahr im Mittel um 5 bis 8 mmHg systolisch. In so kleinen und über kurze Zeiträume laufenden Studien kann natürlich nicht gezeigt werden, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Bewegung seltener auftreten oder gar die Lebenserwartung besser wird.

Es gibt dazu keine kontrollierten Studien mit entsprechenden Vergleichsgruppen, aber es gibt überzeugende Beobachtungsstudien, die zeigen, wie gesund es ist, sich mehr zu bewegen. Amerikanische Forscher haben Daten an 650 000 Menschen erhoben: Wer sich 2,5 Stunden pro Woche bewegte, lebte 3,4 Jahre länger. Es braucht kein Fitnessstudio: Mäßige, aber regelmäßige Bewegung hat in Beobachtungsstudien das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindert und das Leben verlängert. 30 Minuten Spazierengehen pro Tag kann reichen.

Sie sehen: Bei Hypertonie kann man selbst viel tun, um den Blutdruck zu senken, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermindern und sein Leben zu verlängern.


von Dr. med. Viktor Jörgens und Dr. rer. nat. Nicolle Müller
Dr-Viktor-Joergens@t-online.de
,
nicolle.mueller@med.uni-jena.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (8) Seite 26-27

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  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 14 Stunden

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

  • renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag

    gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?

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