Arzt-Patienten-Seminar (APS) 2023: Von der Wissenschaft zum Gipfelkreuz

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Arzt-Patienten-Seminar (APS) 2023: Von der Wissenschaft zum Gipfelkreuz

Der Anspruch an das 27. Arzt-Patienten-Seminar (APS) der Arbeitsgemeinschaft Diabetes, Sport und Bewegung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Ende August und Anfang September 2023 in Saulgrub war hoch nach dem großartigen Seminar im letzten Jahr. Dieses zu toppen, war der unausgesprochene Wunsch des Seminarleiters Dr. Peter Zimmer. Diesen Wunsch hegten auch die 25 Teilnehmenden.

Alles easy? Nein! Ein Unwetter in der Region stürzte den friedlichen Nachbarort Bad Bayersoien ins Chaos. Das hatte auch Auswirkungen auf die Vorbereitungen des Seminars. Nichtsdestotrotz entwickelte sich das Seminar zu einer harmonischen Einheit mit vielen Highlights, wie die Stimmen zum APS unschwer erkennen ließen.

Donnerstag, 31. August 2023

Punkt 12.30 Uhr eröffnete der Seminarleiter unter den Klängen der Allgäuer Kuhglocke – der Tradition folgend – das 27. APS. In seiner Ansprache würdigte er die perfekte Organisation durch Birgit Hansel, das großzügige Sponsoring der Unternehmen Abbott, Lilly, Medtronic, Sanofi, Insulet, VitalAire, DiaExpert und des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands (BVS) Bayern sowie das großartige Engagement der Betreuer.

Nach dem Mittagessen und einer Vorstellungsrunde schafften es die Tennislehrer, Spaß mit der gelben Filzkugel zu verbreiten, während zeitgleich eine kleine Gruppe nicht ambitionierter Ballsportler den Froschhauser See umrundete.

Therapie mit Fußangeln

Anschließend ging es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und erstmalig auch aus Tirol nach Saulgrub zum Einchecken. Anschließend wurden die Sensoren zur kontinuierlichen Gewebezucker-Messung (CGM) angelegt.

Um 20 Uhr versammelten sich die Seminar-Teilnehmenden zu einem ersten Highlight dieses Kurses: dem Vortrag von Prof. Dr. Othmar Moser vom Bayreuther Zentrum für Sportwissenschaft. Othmar Moser führte die begeisterte Zuhörerschaft zu den Fußangeln der Insulintherapie mit resultierenden Hypo- bzw. Hyperglykämien, also Unter- und Überzuckerungen, die für so manchen Menschen mit Typ-1-Diabetes den Verzicht auf körperliche Betätigung bedeutet hatten.

Eine von Othmar Mosers Institut geplante App soll das in Zukunft verhindern, indem der Insulin- und Kohlenhydrat-Bedarf, abhängig vom Glukose-Ausgangswert und von der Sportart, vorhergesehen wird. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion, die noch im Bierstüberl fortgesetzt wurde.

Freitag, 1. September 2023

Der Tag begann mit einer Frühgymnastik, gestaltet von Christine Katzenbogen aus Ingolstadt, die trotz der frühen Stunde gut besucht war. Bestens gelockert machten sich zwei Gruppen auf zum aktiven Sport: Die Radel-Gruppe mit Andrea und Peter Hainzinger vom Diabeteszentrum in Ingolstadt begab sich auf den anspruchsvollen Parcours zum Staffelsee und Murnauer Moor und konnte 23 Kilometer und 400 Höhenmeter vorweisen.

Dank entsprechender Insulin-Reduktion und etlichen Sport-Kohlenhydraten kam es zu keinen Hypoglykämien – allerdings gab es einen platten Reifen. Die Wandernden unter dem spontan engagierten Führer des Aura-Hotels schafften immerhin jeweils 12 000 Schritte. Die Anmerkungen zur dortigen Fauna und Flora erweiterten die Wanderung zu einer interessanten biologischen Exkursion.

AID-Systeme gaben Anlass zu vielen Fragen

Der Nachmittag war dem aktuellen Thema AID (automatisierte Insulin-Dosierung) gewidmet. Dr. Corinna Sieh, ebenfalls vom Diabeteszentrum in Ingolstadt, lieferte, unterstützt von ihren Mitarbeiterinnen Nadja Wilhelm und Andrea Hainzinger, die nötigen Hintergrund-Informationen zu den aktuell verfügbaren Kombinationen von Insulinpumpen, Glukose-Sensoren und Algorithmen. Die neue Technik gab Anlass zu vielen Fragen hinsichtlich Anwendung, Verordnung und möglichen Ausfällen bei den drei beteiligten Komponenten. Parallel fand die Industrie-Ausstellung statt. Viele Fragen zu den ausgestellten Produkten konnten beantwortet und neue Kontakte geknüpft werden.

Night Session: vieles im Argen bei der Versorgung

Die Night Session war ein weiteres Highlight dieses Seminars. Sowohl das Thema “Wie zufrieden sind Menschen mit Typ-1-Diabetes mit der ambulanten/stationären Versorgung?” als auch die Art der Kommunikation als Talk-Runde versprachen eine lebhafte Diskussion: Die Moderation übernahm Dr. Peter Borchert aus Augsburg, den Einführungsvortrag der Diabetologe Dr. Johann Völkl aus Fahrenzhausen.

Quintessenz war, dass bei der Versorgung im Krankenhaus so manches im Argen liegt, z. B. kein Diabetologe im Haus, geschlossene Diabetes-Einrichtungen, Unkenntnis bezüglich Insulinpumpen u. v. m. Das Fazit kann durchaus als Antrag an die Politik verstanden werden, nämlich: die Infrastruktur der stationären Einrichtungen schnell und effizient zu verbessern.

Samstag, 2. September 2023

Wieder perfektes Wanderwetter – geradezu ideal, um den nahe gelegenen Berg, das Hörndl, zu erstürmen. Angepasst an die Fitness der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden drei Gruppen zusammengestellt: eine schnelle, eine langsamere und eine “Sesselbahngruppe”. Vom Gipfel des Hörndls genossen alle den phantastischen Blick ins Voralpengebiet und die Jause im Berggasthof.

Mit dem Alpenglühen im Rücken und der Befriedigung, diese Herausforderung bezüglich Fitness und Insulin-Management gut gemeistert zu haben, versammelte man sich zu einem stimmungsvollen Grillabend bei bayerischer Musik mit zwei Musikanten, die wegen der enormen Hagelschäden im Nachbarort Bad Bayersoien ohne Gage musizierten. Die anschließende Sammlung ergab immerhin 400 Euro als Spende für den Hilfsfonds. Bei offenem Feuer im Feuerkorb saßen alle noch lange, bis die nächtliche Kälte die letzten Gäste um 1 Uhr in die Betten scheuchte.

Sonntag, 3. September 2023

Am letzten Tag des Seminars stand etwas Wehmut in den Gesichtern. Noch aber gab es eine Pflichtveranstaltung zu meistern: die Analyse der CGM-Kurven und Protokolle der letzten drei Tage. Die Interpretation der Kurven durch die begleitenden Ärztinnen und Ärzte war für alle lehrreich und führte zu manch einer Verbesserung der Stoffwechsel-Situation. Um 11.30 Uhr war das APS 2023 zu Ende. Viele hätten gern eine Verlängerung gehabt, aber die Gedanken an das Erlebte haben die Herzen erfüllt und tragen sicher dazu bei, die Wintersaison besser zu überstehen.


von Dr. Peter Zimmer

Dr. Peter Zimmer ist Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe. Er ist emeritierter Oberarzt der Klinik Ingolstadt. Er war 15 Jahre Vorsitzender der AG „Diabetes und Sport“ der DDG, Landessportarzt in Bayern und ist Träger der Gerhardt‑Katsch‑Medaille.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (11) Seite 48-49

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  • uho1 postete ein Update vor 4 Tagen, 17 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂