- Aus der Community
Immer schön cool bleiben!
4 Minuten

„Bei keiner anderen Methode bin ich so bei mir“, sagt Michi (Michael Krauser) mit glänzenden Augen und einem strahlenden Gesichtsausdruck. Ich bin verblüfft, denn noch nie habe ich jemanden so begeistert über kalte Duschen reden sehen. Kalte Duschen, ach, was sag ich denn – von Eisbädern ist die Rede. Vom Leistungssport her war mir die sogenannte Eistonne zwar bekannt. Dabei baden Sportler ihren vom Training geschundenen Körper in einer Wanne oder Tonne, die mit kaltem Wasser gefüllt und mit einer Masse an Eiswürfeln garniert ist. Das soll die Durchblutung fördern und die Regeneration anregen. Doch als beliebtes Ritual habe ich dies keinesfalls in Erinnerung. Eher habe ich das mit Worten wie „Na, dann muss das halt auch noch sein“ im Gedächtnis. Umso mehr wundert es mich, dass ich jemandem in meinem Laptop-Bildschirm sehe, der sich als Fan des eiskalten Wassers outet. Für mich als bekennende Warmduscherin, die selbst im Hochsommer kaum einen Fuß ins kalte Wasser wagt, wirkt das recht ungewöhnlich. Meine Neugier ist geweckt und ich frage genauer nach.

Die Wim-Hof-Methode – mehr als nur kalt duschen
Für Michi geht es um viel mehr als nur eine kalte Dusche am Morgen. Er probiert seit etwa einem Monat die sogenannte Wim-Hof-Methode aus. Diese Methode hat der Extremsportler Wim Hof erfunden. Sie besteht aus Atemübungen, Baden in kaltem Wasser und Konzentration auf den eigenen Körper. Ziel der Kombination aus diesen drei Elementen ist es, den eigenen Körper und Geist besser kontrollieren zu können. Auf der Website von Wim Hof ist unter anderem die Rede von besserem Schlaf, einem stärkeren Immunsystem und einer Reduzierung von Stress. Michi hat die Methode während seines Studiums „Bewegung und Gesundheit“ an der Universität Gießen kennen und schätzen gelernt. Seitdem hat er mehr und mehr über die Wim-Hof-Methode und über die Wirkung von Kälte und Atemübungen gelesen. Bei einem Betriebsausflug hatte er dann die Chance, die Methode gemeinsam mit Kollegen angeleitet von einem „Instructor“ selbst auszuprobieren. „Es war toll“, schwärmt Michi von diesem Event.

Einfach mal den Kopf frei machen
Michi will mit dieser Methode seinem Körper etwas Gutes tun und seinen Kopf frei machen. Das Diabetes-Management verlangt, ständig mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf zu behalten: Kohlenhydrate berechnen, Material bestellen, Blutzucker messen, Sensor wechseln und mehr – alles zusätzlich zum normalen Arbeitsalltag. Da ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich ab und an auch mal eine Auszeit zu gönnen. Für Michi sind die Atemübungen und das kalte Wasser etwas, bei dem er sofort alles vergessen kann und sich ganz auf sich konzentrieren kann. Im Alltag sieht das so aus: „Duschen müssen wir sowieso jeden Morgen. Ich mache das eben mit kaltem Wasser. Abends mache ich dann noch vor dem Schlafen die Atemübung“, erklärt er. Diese läuft dabei wie folgt ab: Zuerst etwa 30 bis 40 tiefe Atemzüge, dann die Luft anhalten, so lange es geht. Anschließend wieder tief einatmen, erneut die Luft etwa 15 Sekunden anhalten und dann all die Luft rauslassen. Das Ganze wird drei bis vier Mal wiederholt. Das dauert etwa eine halbe Stunde und wirkt bei Michi wie eine Art Meditation. „Eine Kollegin hatte nach einer Stunde Atemübung enorme Glücksgefühle verspürt“, erzählt Michi von seinem Betriebsausflug. „Bei mir ist es mehr eine tiefe Zufriedenheit und dann lächle ich“, berichtet er von seinen Erfahrungen mit der Atemübung.
Alles reine Kopfsache
Seit einem Monat duscht Michi schon kalt. Überwindung braucht er dazu kaum. „Bisher tut mir das sehr gut. Ich fühle mich weniger müde, fitter und entspannter“, so seine bisherigen Beobachtungen. Hauptsache, er kann einen kühlen Kopf behalten. Dabei bewundert er Wim Hof. Der Extremsportler hat schon einige Rekorde aufgestellt, darunter ein Marathon barfuß über dem Polarkreis, eine Besteigung des Mount Everest in Shorts und ein Lauf durch die Wüste Namib ohne Wasser. Mit seinen extremen Leistungen will Wim Hof wohl beweisen, dass vieles möglich ist und alles reine Kopfsache ist. Michis Interesse ist jedenfalls geweckt. Er will die Methode weiter ausprobieren. Doch die kalten Duschen am Morgen werden ihm allmählich zu warm. „Mich reizt mal wieder ein Eisbad“, erklärt er. Mittlerweile hat er sich dazu ausgestattet: 30 Kilogramm Eis lagern in seiner Gefriertruhe und im Garten steht eine Tonne gefüllt mit Wasser aus dem Gartenschlauch. Ich komme aus dem Staunen nicht raus. Michi hingegen kann es kaum abwarten, unser Telefonat zu beenden. Denn dann wird er rausgehen, das Wasser in der Tonne mit 18 Kilogramm Eis auf 5 Grad Celsius herunterkühlen und mit Freude hineingehen. Da bleibt mir nur, viel Spaß zu wünschen.
Quelle: Michi Krauser
Achtung: Langsam anfangen, Eisbäder nur mit Erfahrung!
Doch eine Frage habe ich noch: Was ist, wenn ich das auch ausprobieren will? Langsam schwappt die Begeisterung und Motivation von Michi auf mich über. Doch Michi warnt vor zu starkem Ehrgeiz: „Jeder reagiert anders auf die Kälte und die Atemübungen. Eisbäder sollten nur mit einem erfahrenen Instructor getätigt werden und man sollte stets auf den eigenen Körper hören. Lieber langsam und vorsichtig den Körper an kaltes Wasser gewöhnen und lieber erst einen Kurs machen“, empfiehlt Michi. Schließlich gehe es bei der Wim-Hof-Methode nicht um Wettbewerbe und Kälterekorde, sondern darum, seinem Körper etwas Gutes zu tun. Also immer schön den kühlen Kopf behalten.
Mehr von Stephanie gibt es zum Beispiel in ihrem Artikel „9 Tipps für ein- und mehrtägige Wanderungen im Gebirge“ zu lesen.
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Begleit-Erkrankungen
- Behandlung

8 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße