- Bewegung
Laufquartett statt Audi quattro
3 Minuten
Hockenheimring oder Nürburgring – kaum eine Automobilrennstrecke auf der Welt, die Jürgen Rostek noch nicht gesehen hat. Der selbständige Automobilkaufmann und Besitzer eines eigenen Rennteams lebt für den Automobilsport. Seit gut einem Jahr hat der Diabetiker aber eine neue Leidenschaft entdeckt: das Laufen.
Seltene Diabetesform
Seit 2002 hat Jürgen Rostek Diabetes. Ausgerechnet auf dem Weg zu einem Autorennen auf dem Salzburgring löste ein eingeklemmter Gallenstein mit nachfolgender Bauchspeicheldrüsenentzündung den Diabetes aus; Experten sprechen hier von Typ-3-Diabetes, zu dem alle Diabetesformen gehören, die nicht dem Typ-1-, Typ-2- oder Schwangerschaftsdiabetes zuzurechnen sind. Seit der Diagnose spritzt Jürgen Rostek 4-mal täglich Insulin.
Warum die Laufschuhe statt Reifen?
Was bewegt einen Automobilfan, der mit den Größen des Automobilsports wie Keke Rosberg oder Heinz-Harald Frentzen auf Du und Du ist, statt Rennreifen aufzuziehen Laufschuhe anzuziehen? “Die Fitness fehlte, zudem sind Gewicht und Insulinbedarf ständig gestiegen, es musste einfach etwas passieren”, so Jürgen Rostek zu seinen Motiven.
„Diabetes Programm Deutschland“ kam gerade recht
Da kam das Diabetes Programm Deutschland, ein deutschlandweites Laufprojekt für Diabetiker, genau zum richtigen Zeitpunkt. “Wenn ich daran zurückdenke, wie wir zunächst von Baum zu Baum gelaufen sind”, schmunzelt Rostek heute – wenn er über seine “ersten Laufschritte” im Mai 2013 berichtet.
Zumindest 5 km im Rahmen des Köln-Marathons im Oktober 2013 – eine damals schier unerreichbare Zielvorgabe von Lauftrainer Theodor Block für die 20 Diabetiker, die gemeinsam mit Jürgen Rostek trainierten. “Zu Anfang hat wohl nur Theo an uns geglaubt”, erinnert sich die Gruppe.
Ganz persönlicher Sieg: 10 km beim Köln-Marathon
Am Ende hat Block sie alle fit bekommen – und die meisten aus der Mindener Laufgruppe waren beim Köln-Marathon 2013 dabei: 5 km, 10 km oder sogar die 42 km sind sie gelaufen. Partystimmung in Köln bei 13 °C und Nieselregen; Rostek läuft die 10 km.
Am gleichen Tag gewinnt Sebastian Vettel den Großen Preis von Japan auf dem Suzuka International Racing Course: “Es war ein sehr lohnender Sieg heute – ein großartiges Gefühl. Ich liebe diese Strecke, und es ist fantastisch, hier zu gewinnen”, so Vettel nach dem Sieg. Auch Automobilsportler Jürgen Rostek schwärmt noch heute von seinem ganz persönlichen Sieg an diesem Tag – nicht in Suzuka, sondern auf der Rennstrecke in Köln.
Der nächste Lauf steht schon auf dem Programm
Die meisten sind dabeigeblieben, trainieren weiter in kleinen Gruppen. Für Rostek heißt das Motto jetzt Laufquartett statt Audi quattro. Gemeinsam mit Christoph Grimme, Dieter Lampe und Detlev Meyer (alle Diabetiker, s. Abb. 2) trifft er sich zum Training weiter regelmäßig, man nimmt an regionalen Laufveranstaltungen teil.
Natürlich steht auch der Köln-Marathon 2014 ganz oben auf dem Programm. Typ-1-, Typ-2- und Typ-3-Diabetiker in einem Laufquartett vereint – wo findet man das schon? Christoph Grimme und Dieter Lampe haben einen Typ-2-Diabetes, Detlev Meyer einen Typ-1-Diabetes.
Spaß und Freude am Laufen
So unterschiedlich Diabetestyp und Diabetestherapie sind – eines vereint die vier Freunde mit Diabetes, seit sie regelmäßig laufen: gute Fitness, gebessertes Wohlbefinden und natürlich Spaß und Freude am Laufen.
Und was macht der Automobilsport? Er ist dann doch noch ein bisschen “wichtiger” – der geplante Fototermin für diesen Artikel musste wegen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft auf dem Hockenheimring verschoben werden.
Fitness-Tipps
Atmung als Belastungssteuerung
Anfänger neigen dazu, mit zu hoher Geschwindigkeit zu laufen, und verlieren dadurch leicht den Spaß daran. Um die angemessene Laufgeschwindigkeit zu finden, kann die Beobachtung der Atmung helfen. Lässt das Lauftempo eine Unterhaltung in ganzen Sätzen zu, ist die Belastung richtig.
Weil Sauerstoffaufnahme und Herzfrequenz beim Ausdauerlauf nahezu proportional ansteigen, kann mit etwas Übung von der Atem- auf die Herzschlagfrequenz geschlossen werden.
Den richtigen Fußaufsatz erspüren
Stoßbelastungen beim Laufen können reduziert werden, wenn nicht mit der Ferse, sondern mit dem Mittelfuß aufgesetzt wird. Eigen- oder Fremdbeobachtung gestalten sich bei dieser Lauftechnik schwierig. Beim Rückwärtsgehen und -laufen werden Sinneszellen für das Berührungsempfinden angesprochen, was dem Läufer die Kontrolle des Mittelfußaufsatzes ermöglicht.
Die Grobform dieser Lauftechnik erlernt man durch wechselndes Vorwärts- und Rückwärtslaufen von wenigen Schritten.
Temperaturregulation beim Laufen
Die Auswahl von Funktionsbekleidung zum Laufen richtet sich zunächst nach der Außentemperatur. Liegt diese bei Bewölkung unter 15 °C, ist leichtes Frösteln zu Beginn des Trainings ein Zeichen für die richtige Wahl der Kleidung. Mit dem Zwiebelprinzip hält man sich mehrere Optionen offen.
Bei Temperaturen ab 15 °C aufwärts können kurze Hose und T-Shirt ausreichen. Ist es sehr warm und scheint die Sonne intensiv, kann das Kühlen des Kopfes mit Wasser hilfreich sein.
von Dr. Meinolf Behrens
Diabetologe DDG, Facharzt für Sportmedizin und Ernährungsmedizin, Diabeteszentrum Minden
Kontakt:
Bismarckstraße 43, 32427 Minden, Telefon 0571-840999, E-Mail: mb@diabetes-minden.de
, Internet: www.diabetes-minden.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (7) Seite 80-81
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 22 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 22 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
