Rein in die Wanderschuhe!

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Rein in die Wanderschuhe!

Raus aus dem Haus – rein in die Wanderschuhe: Steht das auch bei Ihnen auf dem Programm? Der Spätsommer und der Herbstanfang bieten oft ideales Wanderwetter. Mit unseren Tipps fürs Diabetes-Management sind Sie dabei auf der sicheren Seite – und auch alle, die sich auf andere Art mehr bewegen, profitieren davon.

Mehr Bewegung, mehr Sport – ist das auch Ihr Ziel? Bewegung kann ja ganz unterschiedliche Formen annehmen: Wandern, viel Gartenarbeit, Schwimmbad – oder etwas ganz anderes. Viele Menschen mit Diabetes spritzen Insulin oder nehmen blutzuckersenkende Medikamente und fragen sich: Wie wirkt sich mehr Bewegung auf meinen Blutzucker aus? Was sollte ich beachten, wenn ich mich mehr bewege als sonst?

Die Therapie anpassen

Bei Bewegung oder Sport benötigt der Körper mehr Kohlenhydrate, die aus den Speicherdepots der Muskulatur und der Leber freigesetzt werden. Die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen ist gesteigert; daher wird weniger Insulin benötigt und/oder es müssen zusätzlich Kohlenhydrate aufgenommen werden.

Wie genau sich die körperliche Aktivität auf den Stoffwechsel auswirkt, ist bei jedem anders und hängt von vielen Faktoren ab. Es gibt kein Patentrezept, wie Insulin oder Tabletten (orale Antidiabetika) an die jeweilige Aktivität angepasst werden müssen – am besten passt learning by doing.

Zuerst Blutzucker messen

Vor Bewegung und Sport sollte der Blutzucker bestimmt werden – vor allem dann, wenn eine Insulintherapie oder eine Behandlung mit oralen Antidiabetika (z. B. mit Sulfonylharnstoffen wie Glibenclamid oder Glimepirid) erfolgt, die zu Unterzuckerungen führen können. Wer sich lange körperlich bewegt, sollte alle 1 bis 2 Stunden den Blutzucker kontrollieren, um die Therapie anpassen zu können.

Der Ausgangsblutzuckerwert vor körperlicher Aktivität sollte bei einer Insulintherapie bzw. einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen zwischen 150 und 180 mg/dl (8,3 und 10 mmol/l) liegen. Wird im Urlaub eine Sportart betrieben, mit der man bis dahin keine Erfahrung hatte und deren Wirkung auf den Blutzucker nicht genau eingeschätzt werden kann, ist ein Blutzuckerwert zwischen 180 und 200 mg/dl (10 und 11,1 mmol/l) sinnvoll.

Hypoglykämie? Sofort aufhören!

Wer beim Sport unterzuckert, sollte sofort aufhören. Jetzt heißt es, erst einmal schnellwirksame Kohlenhydrate zuzuführen, mindestens 20 g Kohlenhydrate in Form von Apfelsaft, Cola, Traubenzucker oder eines Glukose-Gels. Dabei gilt: Erst essen, dann messen! Anschließend sind zur Sicherheit noch 20 bis 40 g langwirksame Kohlenhydrate (Müsliriegel, Brot) erforderlich, um den Blutzucker hoch zu halten.

Es sollte in der Regel eine Verschnaufpause von 30 Minuten erfolgen, bevor es mit der körperlichen Aktivität weitergeht. Steigt der Blutzucker nach der Pause nicht deutlich an, sollten lieber noch weitere 30 Minuten abgewartet und zusätzliche Kohlenhydrate gegessen werden.

Auch nach einem bewegungsreichen Tag muss noch an den Diabetes gedacht werden: Denn nach der körperlichen Aktivität sind die Zuckerdepots der Leber und Muskulatur leer. Dem Blut wird verstärkt Zucker entzogen, um die Depots aufzufüllen; die Gefahr zu unterzuckern besteht – dieser Muskelauffülleffekt kann einige Stunden bis tief in die Nacht dauern. Die Dosis der Insulingabe zur Nacht muss daher häufig reduziert werden. Eine zusätzliche nächtliche Blutzuckerkontrolle bringt Sicherheit.

5 Tipps gegen eine Unterzuckerung beim Sport
Damit es beim nächsten Mal ohne Unterzuckerung klappt, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
Wie hoch war der Ausgangsblutzuckerwert?
Hat noch eine (zu) hohe Menge Insulin gewirkt?
Habe ich die Intensität der Bewegung unterschätzt?
Hat die vorherige Berechnung der Mahlzeit gepasst?
Wurde Alkohol getrunken?

Alkohol und Bewegung

Erholt oben an der Berghütte angekommen, liegt es vielleicht nahe, sich ein Bierchen zu gönnen, um den Tag ausklingen zu lassen …

Die Leber schüttet in der Regel ständig Zucker aus; durch Alkohol wird die kontinuierliche Zuckerausschüttung gehemmt, der Blutzucker kann absinken. Deshalb ist es besser, bei Sport auf Alkohol zu verzichten. Falls nicht, gilt: Unbedingt die Insulindosis anpassen und/oder vermehrt Kohlenhydrate zuführen, um Unterzuckerungen zu vermeiden.

Was Sie immer dabeihaben sollten – die Checkliste
Blutzuckermessgerät: ausreichend Teststreifen, evtl. Ersatzbatterie(n), Stechhilfe, Lanzetten
Spritzen und Pens: ausreichend Insulin
Glukagon-Notfallset, wenn vorhanden
Ausreichend Kohlenhydrate: schnelle Kohlenhydrate (Apfelsaft, Cola, Glukosegel, Traubenzucker) und langwirksame Kohlenhydrate (Brot, Müsliriegel, Kekse)
Ausreichend Flüssigkeit (Wasser)
Bei Typ-1-Diabtes: Ketonteststreifen
Insulinpumpe: Ersatzbatterie, Ersatzkatheter
Bei Typ-2-Diabetes: ausreichend Tabletten

Trinken Sie genügend …

Wenn der Durst da ist, ist es schon zu spät. Durch die Schweißproduktion des Körpers kommt es bei körperlicher Aktivität zu einem Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust. Die Muskelzellen müssen ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, dafür ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme entscheidend.

… auch wegen höherer Werte!

Zusätzlich muss beachtet werden, dass vor der körperlichen Aktivität ein höherer Blutzuckerwert toleriert wird: Das bedeutet unter Umständen, dass die Blutzuckerwerte über der Nierenschwelle liegen; dadurch wird vermehrt Urin über die Niere ausgeschieden, was zusätzlich ausgeglichen werden muss. Auch vor dem Sport sollten Sie schon ein großes Glas Mineralwasser trinken.

Geeignete Getränke sind vor allem kalorien- und alkoholfreie Getränke wie Mineralwasser. Während des Sports reicht es aus, kleine Mengen an Flüssigkeit aufzunehmen. Um die Blutzuckerwerte während der Aktivität stabil zu halten, können Saftschorlen hilfreich sein; gut geeignet sind 100-%-Fruchtsäfte im Mischverhältnis 1:3 bis 1:1 (Kohlenhydratanteil von 30 bis 60 g pro Liter). Der größte Teil des Flüssigkeitsverlustes sollte nach dem Sport ausgeglichen werden. Die Menge richtet sich nach Intensität und Belastung.

Welche Getränke sind geeignet?

Ein zusätzlicher Ausgleich von Mineralstoffen ist nicht notwendig – eine gesunde, ausgewogene Ernährung reicht aus. Zuckerhaltige Getränke wie Cola oder pure Fruchtsäfte sind für einen schnellen Flüssigkeitsausgleich genauso ungeeignet wie koffeinhaltige oder alkoholische Getränke.

Auf Sportlergetränke, isotonische Getränke, kann in der Regel verzichtet werden. Eine Fruchtsaftschorle im oben genannten Verhältnis bietet einen genauso guten Flüssigkeits- und Mineralstoffersatz. Zusätzlich zum Flüssigkeitsausgleich bei körperlicher Aktivität sollte die Trinkmenge bei mindestens 1,5 Litern kalorienfreier Flüssigkeit pro Tag liegen.

Tipp: Sollten die Blutzuckerwerte nach körperlicher Aktivität erhöht sein, gleichen Sie erst einmal das Flüssigkeitsdefizit aus. Häufig gehen die Blutzuckerwerte so nach rund 30 Minuten von allein herunter.

Die Voraussetzungen

Es ist wichtig, für die geplante Sportart und Intensität der Belastung fit zu sein. Wer länger nicht aktiv war oder die Sportart wechselt, sollte sich vom behandelnden Diabetesteam beraten lassen.


von Kerstin Sielemann
Diätassistentin/Diabetesberaterin DDG und Übungsleiterin Rehabilitation

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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