- Bewegung
Von Bad Kreuznach nach Berlin in einer Woche
3 Minuten

Mit dem Rad durch die Hitze, auf Schotterwegen, mit Gegenwind, 700 Kilometer – und das jedes Jahr: „Warum machst Du das?“, wird unser Autor Gustav Kannwischer aus Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) öfter gefragt. Lesen Sie hier seine Antworten und seinen Bericht über die zurückliegende Sommertour nach Berlin, über leere Wasserflaschen und über Eindrücke von Natur, Landschaft, Mensch.
Ich bin 68 Jahre alt, habe seit 40 Jahren Typ-1-Diabetes. Eine längere Fahrradtour einmal im Jahr gehört zu meinen Eigenarten. So fuhr ich schon von Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz), wo ich wohne, mit dem Fahrrad nach Hamburg (ca. 700 km). Und im Jahr 2020 war es nun Berlin, eine Fahrt von Süd-West nach Nord-Ost. Auch diese Strecke ist mit dem Fahrrad ca. 700 km lang, ich bin sie im August (4. bis 12.) gefahren …

Die Besonderheit 2020 war, dass ich eine Hitzephase erwischte, die Temperatur lag täglich bei 30 bis 35 Grad Celsius – und das bei vielen Wegen ohne Schatten. Mein Worst-Case-Szenario sah so aus: stechende Sonne, kein Schatten, permanente Steigung, Schotter- und Sandwege, Wasser leer, Wind von vorne, ratternde Schaltung, Unterzuckerung. Aber auch das war irgendwann geschafft.
Die Planung
Meine Planung beginnt immer mit der groben Festlegung der Route – und zwar möglichst entlang vieler Flüsse, da dort die meisten Wege relativ eben sind. Jedoch sind es nicht alle, da die Radwege längst nicht überall direkt an den Flüssen verlaufen. Im Detail plane ich dann die Route anhand von Radfahrkarten – und ganz genau von Tag zu Tag vor Ort. Somit kann ich individuell die Strecken nach den örtlichen Ausschilderungen (und der Schönheit) bestimmen – und werde nicht über eine App geführt auf Wege, die ich eigentlich gar nicht fahren will.
Da alles undefiniert ist, auch, wie weit ich am Tag fahre, suche ich mir jeweils in dem Ort, in dem ich übernachten will, ein Hotel oder eine Pension, manchmal auch ca. 10 km vorher, wobei ich dann das Hotel mittels HRS oder einer anderen Internet-Plattform buche.
Die Route
Meine Route führte von Bad Kreuznach bis Bingen (Nahe), dann bis Koblenz (Rhein), Übernachtung in Boppard. Weiterfahrt über Lahnstein bis Limburg (Übernachtung) und weiter bis Gießen (Lahn). Danach bin ich die Strecke bis Kassel mit dem Zug gefahren und dann weiter über Hann. Münden bis Göttingen (Fulda und Weser). Weiter über Northeim, Einbeck bis Salzgitter (teils entlang der Leine).
Weiterfahrt über Eisleben (kaum Flüsse, ein Stück an der Schrote) bis Magdeburg. Nächster Tag zunächst auf Elbe-Radweg und am Elbe-Havel-Kanal, später Fahrt durch waldige, sandige Wege bis Rogäsen (Nähe Brandenburg). Am nächsten Tag über Lehnin und Petzow bis Podsdam und am letzten Tag bis Berlin (Havel und Wannsee).
Da ich auch sonst täglich Fahrrad fahre, hatte ich nicht besonders trainiert und fuhr die Tour problemlos mit einem normalen Stadtrad ohne elektronische Unterstützung, täglich 65 bis 125 km. Dabei hatte ich am Fahrrad keine Satteltaschen, sondern nur Körbe, wo hinten mein Rucksack und vorne Ess- und Wertsachen geparkt waren. So konnte ich problemlos meinen Rucksack aufnehmen und den vorderen Korb in die Hand, wenn ich das Fahrrad allein stehen lassen musste.
Anpassung: das A und O
Im Hinblick auf meinen Diabetes musste ich natürlich einiges anpassen: So war es erforderlich, dass ich mich permanent teste, also etwa stündlich, was mit meinem FreeStyle-Libre-2-System kein Problem war, selbst beim Fahren. Den Sensor trage ich am Oberarm. Es war nicht möglich, zu warten, bis das System einen Warnton abgibt (bei mir auf 70 mg/dl [3,9 mmol/l] eingestellt), denn dann war ich schnell noch tiefer gerutscht. Also musste ich bereits bei Werten um 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und fallendem Trendpfeil etwas essen, natürlich ohne zu spritzen.
Das hatte zur Konsequenz, dass ich stündlich etwas aß, meist Obst (vom Wegrand) oder Müsliriegel. Wenn man das nicht beachtet, hilft nur noch Traubenzucker! Den habe ich natürlich immer in Mengen dabei.
Mittags aß ich nur mitgebrachte Brote – und abends meist auch nichts anderes, und das Essens-Insulin (Humalog) musste ich reduzieren (alles im permanenten Anpassungsversuch). Am Nachmittag konnte ich mir regelmäßig einen Eiskaffee gönnen – und zwar ohne zu spritzen. Auch meine Basaldosis (ich spritze zurzeit abends 13 Einheiten Tresiba) musste ich anpassen, bis auf 10 Einheiten.
Bei diesen Temperaturen war Wasser das Wichtigste. Meine zwei Plastikflaschen, je 0,5 l, musste ich mehrfach auffüllen, und zwar mit Leitungswasser. Bei langen Strecken durch einsame Dörfer ohne Gaststätten oder Eisdielen war das manchmal problematisch. Ich sprach dann Leute an, die ich an ihren Häusern sah – die mir dann gern meine Flaschen am Wasserhahn auffüllten. Wichtig für mich war auch, Magnesium zu mir zu nehmen. Ich nahm jeden Abend eine Kapsel mit 300 mg und führte außerdem während der Fahrt Finger- und Armbewegungen aus. Damit habe ich Krämpfe verhindert.
„Warum machst Du das?“
Manche Menschen fragen mich: Warum machst Du so was, auch noch allein? Wegen der Auszeit aus dem Alltag, wegen des Erlebens der Landschaft, der Unabhängigkeit, des Abenteuers, der körperlichen Leistung, der Herausforderung, schwierige Situationen zu bewältigen, des Aushaltens der Ungewissheit bezüglich Weg und Übernachtung und der Erfahrung, dass es immer klappt – und der Möglichkeit, völlig selbstbestimmt nachdenken und Gedanken entwickeln zu können. Vielleicht können Sie das nachvollziehen? Ihnen alles Gute für 2021!
von Gustav Kannwischer
E-Mail: architekt.kannwischer@t-online.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (1) Seite 40-41
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kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen
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Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?





Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück