Von Bad Kreuznach nach Berlin in einer Woche

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Von Bad Kreuznach nach Berlin in einer Woche

Mit dem Rad durch die Hitze, auf Schotterwegen, mit Gegenwind, 700 Kilo­meter – und das jedes Jahr: „Warum machst Du das?“, wird unser Autor Gustav Kannwischer aus Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) öfter gefragt. Lesen Sie hier seine Antworten und seinen Bericht über die zurückliegende Sommertour nach Berlin, über leere Wasserflaschen und über Eindrücke von Natur, Landschaft, Mensch.

Ich bin 68 Jahre alt, habe seit 40 Jahren Typ-1-Diabetes. Eine längere Fahrradtour einmal im Jahr gehört zu meinen Eigenarten. So fuhr ich schon von Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz), wo ich wohne, mit dem Fahrrad nach Hamburg (ca. 700 km). Und im Jahr 2020 war es nun Berlin, eine Fahrt von Süd-West nach Nord-Ost. Auch diese Strecke ist mit dem Fahrrad ca. 700 km lang, ich bin sie im August (4. bis 12.) gefahren …

Die Besonderheit 2020 war, dass ich eine Hitzephase erwischte, die Temperatur lag täglich bei 30 bis 35 Grad Celsius – und das bei vielen Wegen ohne Schatten. Mein Worst-Case-Szenario sah so aus: stechende Sonne, kein Schatten, permanente Steigung, Schotter- und Sandwege, Wasser leer, Wind von vorne, ratternde Schaltung, Unterzuckerung. Aber auch das war irgendwann geschafft.

Die Planung

Meine Planung beginnt immer mit der groben Festlegung der Route – und zwar möglichst entlang vieler Flüsse, da dort die meisten Wege relativ eben sind. Jedoch sind es nicht alle, da die Radwege längst nicht überall direkt an den Flüssen verlaufen. Im Detail plane ich dann die Route anhand von Radfahrkarten – und ganz genau von Tag zu Tag vor Ort. Somit kann ich individuell die Strecken nach den örtlichen Ausschilderungen (und der Schönheit) bestimmen – und werde nicht über eine App geführt auf Wege, die ich eigentlich gar nicht fahren will.

Da alles undefiniert ist, auch, wie weit ich am Tag fahre, suche ich mir jeweils in dem Ort, in dem ich übernachten will, ein Hotel oder eine Pension, manchmal auch ca. 10 km vorher, wobei ich dann das Hotel mittels HRS oder einer anderen Internet-Plattform buche.

Die Route

Meine Route führte von Bad Kreuznach bis Bingen (Nahe), dann bis Koblenz (Rhein), Übernachtung in Boppard. Weiterfahrt über Lahnstein bis Limburg (Übernachtung) und weiter bis Gießen (Lahn). Danach bin ich die Strecke bis Kassel mit dem Zug gefahren und dann weiter über Hann. Münden bis Göttingen (Fulda und Weser). Weiter über Northeim, Einbeck bis Salzgitter (teils entlang der Leine).

Weiterfahrt über Eisleben (kaum Flüsse, ein Stück an der Schrote) bis Magdeburg. Nächster Tag zunächst auf Elbe-Radweg und am Elbe-­Havel-Kanal, später Fahrt durch waldige, sandige Wege bis Rogäsen (Nähe Brandenburg). Am nächsten Tag über Lehnin und Petzow bis Podsdam und am letzten Tag bis Berlin (Havel und Wannsee).

Da ich auch sonst täglich Fahrrad fahre, hatte ich nicht besonders trainiert und fuhr die Tour problemlos mit einem normalen Stadtrad ohne elektronische Unterstützung, täglich 65 bis 125 km. Dabei hatte ich am Fahrrad keine Satteltaschen, sondern nur Körbe, wo hinten mein Rucksack und vorne Ess- und Wertsachen geparkt waren. So konnte ich problemlos meinen Rucksack aufnehmen und den vorderen Korb in die Hand, wenn ich das Fahrrad allein stehen lassen musste.

Anpassung: das A und O

Im Hinblick auf meinen Diabetes musste ich natürlich einiges anpassen: So war es erforderlich, dass ich mich permanent teste, also etwa stündlich, was mit meinem FreeStyle-­Libre-2-System kein Problem war, selbst beim Fahren. Den Sensor trage ich am Oberarm. Es war nicht möglich, zu warten, bis das System einen Warnton abgibt (bei mir auf 70 mg/dl [3,9 mmol/l] eingestellt), denn dann war ich schnell noch tiefer gerutscht. Also musste ich bereits bei Werten um 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und fallendem Trendpfeil etwas essen, natürlich ohne zu spritzen.

Das hatte zur Konsequenz, dass ich stündlich etwas aß, meist Obst (vom Wegrand) oder Müsliriegel. Wenn man das nicht beachtet, hilft nur noch Traubenzucker! Den habe ich natürlich immer in Mengen dabei.

Mittags aß ich nur mitgebrachte Brote – und abends meist auch nichts anderes, und das Essens-Insulin (Humalog) musste ich reduzieren (alles im permanenten Anpassungsversuch). Am Nachmittag konnte ich mir regelmäßig einen Eiskaffee gönnen – und zwar ohne zu spritzen. Auch meine Basaldosis (ich spritze zurzeit abends 13 Einheiten Tresiba) musste ich anpassen, bis auf 10 Einheiten.

Bei diesen Temperaturen war Wasser das Wichtigste. Meine zwei Plastikflaschen, je 0,5 l, musste ich mehrfach auffüllen, und zwar mit Leitungswasser. Bei langen Strecken durch einsame Dörfer ohne Gaststätten oder Eisdielen war das manchmal problematisch. Ich sprach dann Leute an, die ich an ihren Häusern sah – die mir dann gern meine Flaschen am Wasserhahn auffüllten. Wichtig für mich war auch, Magnesium zu mir zu nehmen. Ich nahm jeden Abend eine Kapsel mit 300 mg und führte außerdem während der Fahrt Finger- und Armbewegungen aus. Damit habe ich Krämpfe verhindert.

„Warum machst Du das?“

Manche Menschen fragen mich: Warum machst Du so was, auch noch allein? Wegen der Auszeit aus dem Alltag, wegen des Erlebens der Landschaft, der Unabhängigkeit, des Abenteuers, der körperlichen Leistung, der Herausforderung, schwierige Situationen zu bewältigen, des Aushaltens der Ungewissheit bezüglich Weg und Übernachtung und der Erfahrung, dass es immer klappt – und der Möglichkeit, völlig selbstbestimmt nachdenken und Gedanken entwickeln zu können. Vielleicht können Sie das nachvollziehen? Ihnen alles Gute für 2021!


von Gustav Kannwischer
E-Mail: architekt.kannwischer@t-online.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (1) Seite 40-41

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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