- Aus der Community
Wenn die Zuckerwerte beim Langlaufski auf Talfahrt gehen…
5 Minuten
Mein Mann Christoph und ich hatten schon lange vorgehabt, einmal Skilanglauf auszuprobieren. Irgendwo in Norwegen oder im Harz vielleicht. Doch dann ergab sich mit einem Schnupperwochenende der IDAA Mitte März die tolle Gelegenheit, in Oberwiesenthal (Erzgebirge) das Skifahren in der Loipe auszuprobieren. Noch dazu zusammen mit einer Gruppe anderer Typ-1-er und unter Anleitung des Top-Skilangläufers Arne Reichelt (20 Jahre alt), der eigentlich gern in der Sportfördergruppe der Bundeswehr an seiner Profi-Karriere gebastelt hätte – wenn ihm 2015 nicht die Diagnose Typ-1-Diabetes einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Wer sich für Arnes Geschichte interessiert, dem möchte ich seine Blogbeiträge bei diabetiker.info ans Herz legen, in denen er ausführlich über seine Diagnose und die Integration des Diabetes in sein Training berichtet. Doch zurück zu unserem IDAA-Wochenende: Mit so einem Coach kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder?
Hilfe, es geht bergab! Bremsen mit Schneepflug oder Bauchlandung
Arne hatte es an dem IDAA-Wochenende mit einem guten Dutzend Menschen mit Diabetes vom Typ 1 und Typ F zu tun, die größtenteils noch nie auf Langlaufskiern gestanden hatten. Doch wir stellten uns recht passabel an und glitten am Samstagvormittag nach einer kurzen Einweisung schon bald ohne Fremdhilfe durch die Loipen des perfekt verschneiten Fichtelbergs. In der Loipe fühlte ich mich schon recht bald sicher, doch dummerweise sind auch Langlaufstrecken nicht ausschließlich flach, sondern führen gelegentlich mal ein Stück bergab. Ich musste also üben, bei kleinen Abfahrten mit dem klassischen Schneepflug zu bremsen. Das klappte lange Zeit nicht, wenn ich es allein probierte und schon gar nicht, wenn Christoph in der Nähe war und mir vermeintlich hilfreiche Tipps gab. Wenn es mir zu schnell bergab ging und ich stoppen wollte, sah ich als einzige Option, mich irgendwie seitlich in den Schnee fallen zu lassen. Mit einem Schneepflug kam ich nur dann zum Stehen, wenn Arne direkt vor mir rückwärts den Berg herunterfuhr und mir gut zuredete. Er machte seinen Job als Trainer wirklich klasse und strahlte so viel Ruhe und Sicherheit aus, dass meine Panik vor der Abfahrt irgendwann verflog.

Unsere IDAA-Skitruppe kurz vor dem ersten Training. Unser Trainer Arne ist der einzige, der seine Skier noch nicht angeschnallt hat
Halte dich nie für einen Diabetesprofil, nur weil es einmal gut läuft!
Unsere erste Trainingseinheit dauerte etwa zwei Stunden, in denen sich mein Diabetes tatsächlich mustergültig verhielt. Ich hatte am Abend zuvor mein Basalinsulin vorsorglich ein wenig reduziert und war mit einem Gewebezuckerwert von etwas über 150 mg/dl gestartet, der im Laufe des äußerst schweißtreibenden Trainings ohne zusätzliche Kohlenhydrate nur auf 119 mg/dl absackte. Zum Glück machten trotz der Minusgrade weder mein Sensor, noch das Lesegerät des Freestyle Libre schlapp und ich konnte zwischendurch immer einmal checken, welche Richtung die Glukosekurve nimmt. Und sie sah toll aus. Bingo. Doch es ist nie schlau, sich für einen Diabetesprofi zu halten, nur weil die Zuckerwerte sich mal einen Vormittag lang äußerst kooperativ gezeigt haben. Als wir am Samstagnachmittag unsere zweite Trainingseinheit dranhängten, kannte mein Zucker nämlich nur noch eine Richtung: steil bergab.

Stolz nach der ersten Trainingseinheit: Ich habe mich nicht komplett ungeschickt angestellt, und der Zucker benahm sich mustergültig.
Ursachenforschung: Wenn die Speicher leer sind, sinkt der Zucker schneller
Vermutlich hatte es am Vormittag so gut geklappt, weil zwei Stunden Sport durchaus häufiger mal in meinem Alltag vorkommen – eine derartige Belastung ist mein Körper also gewohnt und findet in den Glykogenspeichern schnell genug Stoff um den Blutzuckerspiegel halbwegs stabil zu halten. Doch eine zweite Trainingseinheit kommt bei mir an normalen Tagen nun einmal nicht vor. Außerdem hatte ich in der Mittagspause ein leckeres Stück Torte verputzt, dessen Insulin trotz des reduzierten Bolus noch ein wenig nachwirkte. Was auch immer dahintersteckte: Ich brauchte bei unserer nachmittäglichen Tour zwei Duplo-Riegel und etliche Plättchen Traubenzucker, um meinen Glukosewert wieder stabil auf über 80 mg/dl zu befördern. Doch das Schöne am Training mit anderen Typ-1-Diabetikern ist: Wenn einer eine Hypo hat, dann bleibt ein anderer in seiner Nähe und wartet einfach mit, bis der Zucker wieder ansteigt. Ganz ohne großes Aufhebens, Vorwürfe oder Fragen nach dem Warum und Weshalb. Es ist halt manchmal so mit dem Zucker.
Trotz reduziertem Bolus nur mit Mühe ein sporttaugliches Glukoselevel erreicht
Auch am Sonntagmorgen, als wir unsere letzte gemeinsam Trainingseinheit als Gruppe absolvierten, hatte ich trotz meines reduzierten Frückstücksbolus Mühe, meinen Glukosewert auf ein sporttaugliches Level zu befördern. Was sicherlich am Zeitpunkt unseres Trainings lag. Im Normalfall würde ich nicht unmittelbar nach dem Frühstück mit noch wirkendem Bolus eine Sporteinheit starten, doch außer Christoph und mir wollten die meisten schon am Sonntag abreisen und vorher unbedingt noch einmal Skifahren. Also musste es irgendwie gehen. Wenn man bei einem IDAA-Event verschiedene Typ-1-er fragt, wie sie diabetestechnisch mit einer solchen Herausforderung umgehen, bekommt man die unterschiedlichsten Antworten: Der eine hat vor dem Start einer Sporteinheit am liebsten mit einem Blutzuckerwert von über 300 mg/dl, weil das für ihn am besten funktioniert – auch wenn man ein solches Vorgehen niemandem ernstlich zur Nachahmung empfehlen kann und jeder Diabetologe entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Die andere hält den Zucker im Zaum und kippt lieber vor dem Start eine kleine Flasche Cola in sich hinein. Ich finde es spannend, mich von diesen verschiedenen Erfahrungswerten inspirieren zu lassen, doch letztlich muss ich immer meinen eigenen Weg finden, wie ich meinen Diabetes im Zusammenhang mit sportlicher Belastung manage. In diesem Fall lautete die Antwort: Cola, Gummibärchen, Duplo-Riegel und Erzgebirgstorte.

Ein mögliches Zaubermittel gegen Hypos beim Skilanglauf: Original-Erzgebirgstorte, wie sie nur in Oberwiesenthal gebacken wird
Skilanglauf macht Spaß, trainiert die Ausdauer und zieht ordentlich Zucker
Christoph und ich hängten nach dem Wochenende in der Gruppe noch einen weiteren Langlauf-Tag dran und machten uns am Montag zu zweit noch einmal mit Langlaufskiern auf den Weg. Die letzte Tour führte uns durch einen idyllisch verschneiten Wald, in dem uns nur gelegentlich andere Skilangläufer begegneten. Außer dem schabenden Geräusch der Skier in der Loipe und der Skistöcke beim Abdrücken war nichts zu hören. Sehr schön und deutlich naturverbundener als der Pistenrummel beim Abfahrtski. Mein Fazit: Skilanglauf macht enorm viel Spaß, ist ein anstrengendes Ausdauertraining und zieht eine Menge Zucker. Ich freue mich schon jetzt auf das Skilanglauf-Wochenende der IDAA, das im nächsten Jahr ungefähr um dieselbe Zeit stattfinden soll. Und falls ihr ebenfalls sportbegeistert seid und euch gern regelmäßig mit gleichgesinnten Typ-1-ern austauschen mögt, dann schaut euch doch einmal auf der Internetseite der IDAA (www.idaa.de) um. Möglicherweise bekommt ihr dort den Eindruck, dass diesem Verein vor allem Extremsportler und Hochleistungsathleten angehört – doch ich kann euch versichern, dass dieser Eindruck trügt. Der beste Beweis: Auch ich bin schließlich Mitglied und fühle mich absolut wohl in der Truppe.
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Tag, 7 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 2 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße