Kinder aus ärmeren Familien sind auch bei Diabetes-Therapie im Nachteil

2 Minuten

© Gorodenkoff – stock.adobe.com
Kinder aus ärmeren Familien sind auch bei Diabetes-Therapie im Nachteil

Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien nutzen seltener technische Hilfsmittel für ihre Diabetes-Therapie. Zudem haben sie oftmals höhere HbA1c-Werte. Darauf weisen Gaby und Lutz Heinemann in ihrem Newsletter „DiaTec weekly“ hin. Sie beziehen sich dabei auf eine Studie, die vor einiger Zeit im Journal ‚Diabetes Care‘ veröffentlicht wurde.

Die Studie trägt den Titel Ein Jahrzehnt der Ungleichheiten bei der Nutzung von Diabetestechnologien und HbA1c bei pädiatrischem Typ-1-Diabetes. Die Daten wurden aus dem amerikanischen Register Type 1 Diabetes Exchange und aus dem deutschen Register zu Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation entnommen. Insgesamt standen für die Auswertung Vergleichsdaten von 56.293 Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Untersucht wurden der sozialökonomische Status der Familien, die Nutzung von Diabetes-Technologie und dem HbA1c-Wert als Parameter für die Güte des Outcomes, berichten die Heinemanns.

Es zeigte sich, dass grundsätzlich in Bevölkerungsschichten mit niedrigerem Einkommen auch weniger Technologie (Insulinpumpen, CGM-Systeme und AID-Systeme) eingesetzt wird, während dort gleichzeitig der HbA1c-Wert der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes am höchsten ist. In den USA liegen Gründe hierfür auf der Hand, denn dort haben ärmere Familien häufig keinen Zugang zu einer Krankenversicherung.

Mögliche Gründe für Benachteiligung in Deutschland

In Deutschland hingegen ist die Ursachenforschung schwieriger, da die Kosten für Technologie in der Regel unabhängig vom sozioökonomischen Status erstattet werden. Mögliche Gründe könnten grundsätzliche Barrieren für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung sein, aber auch das generelle Gesundheitsverhalten der Betroffenen wie körperliche Aktivität, Ernährung und Einhaltung von Diabetes-Therapien. Denkbar sei auch eine Voreingenommenheit von Gesundheitsdienstleistern, heißt es im DiaTec-Newsletter.

„Angesichts der Fortschritte im Diabetes-Management und der Verbreitung von Diabetes-Technologie geben Studien wie diese hier Anlass zur Sorge“, finden die Heinemanns. „Wir züchten uns also eine von Beginn an benachteiligte Gruppe heran, und das wird sich im Laufe deren Leben auch kaum noch verändern lassen“, lautet ihre Befürchtung. Fazit: Dass Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien oft auch höhere Blutzuckerwerte haben, sollte nicht einfach hingenommen werden. Der unabdingbare Zugang zu Technologie-Schulungen und zu adäquater Betreuung und Begleitung durch qualifizierte Diabetes-Teams sollte für alle Kinder und Jugendlichen selbstverständlich sein.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien von DiaTec weekly

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Diabetes und psychische Flexibilität – mit Psychologin Laura Klinker
Ein unerwarteter Wert, eine Unterzuckerung – und plötzlich ist der Frust da. Im Diabetes-Anker-Podcast erklärt Psychologin Laura Klinker, warum unterdrückte Gefühle solche Situationen oft verschärfen und wie psychische Flexibilität im Alltag mit Diabetes gelingen kann.
Porträt der lachenden Psychologin Laura Klinker vor hellblauem Hintergrund, mit langen braunen Haaren und gemustertem Pullover; oben rechts das Logo des Diabetes-Anker-Podcasts.

2 Minuten

Präventionsoffensive: Auftakt zum breiten Angriff auf chronische Krankheiten?
Noch wird um die genaue Ausgestaltung der „Zuckersteuer“ gerungen. Mit einer „Präventionsoffensive“ will das Bundesgesundheitsministerium dafür sorgen, dass diese Abgabe kein Strohfeuer im Kampf gegen Typ-2-Diabetes und andere chronische Krankheiten bleibt.
Zwei Fußballspielerinnen in schwarzen und blauen Trikots laufen auf einem grünen Rasen einem Fußball hinterher. Die Aufnahme aus der Vogelperspektive symbolisiert Bewegung und Prävention.

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 2 Tagen, 22 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂