Das Leben in einer Diabetes-Einrichtung

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Community-Beitrag
Das Leben in einer Diabetes-Einrichtung

Hier im Heim hatten wir letztens eine Unterhaltung unter den etwas älteren Bewohnern (15-18 Jahre), was passiert wäre, wenn wir nicht hier in der Einrichtung gelandet wären.

Viele wären nun entweder tot oder lägen dauerhaft im Krankenhaus. Denn in einem sind wir uns sicher: Allein hätten wir das mit dem Diabetes nicht geschafft! Auch wenn es viele harte Regeln gibt, strenge Strukturen und viele Verbote, die in unseren Augen vielleicht etwas sinnlos erscheinen, hier hat man (mir zumindest) mein Leben zurückgegeben!

Einige dieser Regeln und Strukturen möchte ich hier heute vorstellen, um einen kleinen Einblick in das Heimleben zu geben.

Das Essen

Da das hier eine Diabetes-Einrichtung ist und der Großteil hier ist, um zu lernen, mit dem Diabetes zu leben, gibt es hier strenge Regeln, was das Essen betrifft. Zum Beispiel ist Naschen hier nur an 3 Tagen die Woche (vor drei Wochen sogar nur an 2) erlaubt, jeweils 50 Gramm. Zudem sind die Naschis verschlossen. Genauso wie die Speisekammer, sodass kein Kind auf die Idee kommt, sich etwas heimlich zu holen, und so der Blutzucker wieder steigt. Zum Frühstück und zum Abendbrot gibt es höchstens 3 Scheiben Brot (bei kleineren Exemplaren auch mal 4). Zum Frühstück unter der Woche gibt es neben dem normalen Aufschnitt Marmelade (ganz genau auf 20 Gramm abgewogen), am Wochenende Nutella (natürlich auch abgewogen auf 20 Gramm). Zum Mittag wird auch alles abgewogen. Damit nicht jeder sich einfach wahllos etwas reinschaufelt und unter den Jungs kein Wettessen entsteht, wird da auch geguckt, dass es nicht über eine bestimmte Grammzahl wiegt, allerdings je aufs Essen abgestimmt (z.B. Nudeln nicht mehr als 300 Gramm etc.). Kaffee und Kuchen gibt es nur an Feiertagen (wie Geburtstagen, Ostern, Weihnachten oder wenn jemand Führerschein bestanden hat J ). Für Außenstehende hört sich das vielleicht sehr extrem an, doch 1. hilft uns das, besser mit dem Diabetes klarzukommen, und 2. gewöhnt man sich an alles!:)

Fernsehen, Smartphones und Konsolen

Fernsehen gibt es jeden Abend im Wohnzimmer. Die Betreuer schreiben einen Fernsehplan für die Woche, damit es keinen Streit gibt. Die Kleinen (9-11 Jahre) gucken meist nach dem Abendbrot (18:45 Uhr bis 20:00 Uhr). Um 20:15 Uhr dürfen dann die Großen (12-18 Jahre) schauen. Ab 14 Jahren darf man dann einen Fernseher auf dem Zimmer haben. Ab dem Alter darf man hier auch ein Handy haben. Allerdings gibt es hier Handyzeiten (15:00 Uhr bis 21:30 Uhr). Die Bewohner, die im Apartment leben, dürfen ihr Handy 24 Stunden 7 Tage die Woche behalten. Bei den Konsolen gibt es auch feste Zeiten, die sich dem Alter anpassen. Zum Beispiel darf einer der Kleinen 1 Stunde am Tag Nintendo Ds spielen und ein Großer hat „PSP-Zeit“ von 19:15 Uhr bis 20:15Uhr. Auch diese Regeln hören sich extrem an und immer, wenn ich Bekannten von diesen Regeln erzähle, dann höre ich immer sowas wie : „Das könnte ich nicht“ oder „Das Handy brauch ich aber den ganzen Tag!“ Aber wie schon erwähnt, man gewöhnt sich an alles.

Familie und Zuhause?

Oft werde ich gefragt: „Und was ist mit deiner Familie? Darfst du denn auch mal nach Hause?“

Die erste Frage bezieht sich meist darauf, dass ich im Heim wohne. Dann erzähle ich der Person immer, dass ich ja freiwillig ins Heim gezogen bin, dass es die Entscheidung meiner Eltern und mir war und dass meine Eltern mich trotzdem lieben und ich sie genauso! Aber hätten wir die Entscheidung damals nicht getroffen, wäre ich gestorben. Nach Hause darf ich alle 2 Wochenenden und die Hälfte der Ferien (also in den Sommerferien 3 Wochen, in den Herbstferien 1 Woche etc.).

Ämter, Aufräumen und Putzen

Jedes Kind hier hat jeden Tag ein Amt. Das ist in jedem Trakt anders. Die Kleinen haben zum Beispiel Müll rausbringen, Wohnzimmer saugen, Treppe abfegen, Bad putzen und Schuhregal ausfegen und aufräumen. Die Kinder im Mitteltrakt haben dann noch etwas Anspruchsvolleres wie Bad putzen, Flur, Treppe und Hauswirtschaftsräume saugen und feudeln, Esszimmer/Küche/großes Wohnzimmer (das ist ein riesiger Raum, in dem gegessen, gekocht, gespielt und Sachen besprochen werden) saugen oder Küche (also Tisch decken, helfen beim Kochen etc.). Und wir ganz Großen im Wohn-Training (also den Apartments) haben Küche und Bad. Jeder muss einmal die Woche die Treppe sauber machen und am Sonntag müssen Bad und Küche komplett abgewischt werden und überall gesaugt und gefeudelt werden. Jedes Kind hier im Heim muss jeden Donnerstag sein eigenes Zimmer komplett ordentlich aufräumen und saugen. Jeden ersten Donnerstag im Monat dann auch noch wischen (was bei den meisten Kindern Missmut hervorruft 😉 )

Diabetes

8 von 12 Kindern hier in der Einrichtung haben Diabetes mellitus Typ 1. 2 davon Zöliakie.

Auf Grund dessen werden Mahlzeiten, Fernsehzeiten und auch die Zu-Bettgeh-Zeiten auf den Diabetes abgestimmt. In der Küche gibt es eine „Messstation“. Jedes Kind, was in der Gruppe wohnt, hat dort einen Korb, in dem Pens, Messgerät, Nadeln und die Blutzucker-Tagebücher liegen. Dort wird alle 2 Stunden gemessen und gegebenenfalls Korrektur gespritzt oder in der Küche ein Saft abgewogen.

2

Ein normaler Tag in der Gruppe beginnt (wenn man schulfrei hat, aber es in der Woche ist) um 8 Uhr. Um 8:20 Uhr ist dann Frühstück. Also um 8 messen, um 11 und um 13 Uhr gibt es Mittag. Um 15 Uhr treffen sich alle, der Großteil misst den Blutzucker und dann setzen sich alle an den großen Esstisch und es wird besprochen, was am Nachmittag so ansteht. Das nächste Mal Messen ist dann um 18 Uhr und um 20 Uhr, bevor es zum Fernsehen geht. Um 21:30 Uhr ist dann erneut Messen, da dann Schicht im Schacht ist (Handy Abgabe und dann ab ins Bett für die, die sich gegen TV-Schauen entschlossen haben. Die Fernseh-Gucker messen dann kurz darauf, wenn der Film zu Ende ist, und gehen dann ins Bett. Die Bewohner des Apartments zeigen um 21:30 ihre Blutzucker-Tagebücher vor und gehen dann wieder rüber.

Alle 3 Monate fährt der Heimchef oder einer der Betreuer mit uns in die Klinik. Natürlich nicht alle gleichzeitig, das wären viel zu viele 😀 Meist haben 2 Kinder zusammen bzw. hintereinander einen Termin in der Uniklinik.

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • calvin240 antwortete vor 1 Woche

      @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Monat

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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