- Eltern und Kind
Das Sonnenhormon
5 Minuten
Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung gesunder Knochen. Neue Studien weisen allerdings darauf hin, dass es eventuell auch für die Entstehung und den Verlauf von Typ-1-Diabetes von Bedeutung ist.
Die Entdeckung von Vitamin D, dem sogenannten Sonnen-Vitamin, ist mit der Suche nach einem Heilmittel für Rachitis verknüpft. Rachitis ist eine Erkrankung des wachsenden Knochens bei Kindern.
Die Entdeckung
Im Jahr 1919, als in fast allen europäischen industrialisierten Städten diese Erkrankung die häufigste Ursache für Skelettverformungen und Wachstumsverspätung darstellte, zeigten Sir Edward Mellanby und seine Nachfolger, dass es möglich ist, Rachitis durch Bestrahlung mit künstlich erzeugtem UV-Licht zu heilen. Zwei Jahre später wurde nachgewiesen, dass dies auch durch Bestrahlung mit normalem Sonnenlicht möglich ist.
Das Behandlungskonzept der Rachitispatienten mittels Bestrahlung und später auch durch Nahrungsmittel führte Schritt für Schritt zur Entdeckung von Vitamin D und zur Anreicherung vieler Nahrungsmittel (Milch, Bier) mit dem neuen “Heilvitamin”. Dies führte dazu, dass die Rachitis bei Säuglingen und kleinen Kindern dramatisch zurückging.
Mit der Nahrung aufnehmen oder selbst herstellen
Unter der Bezeichnung Vitamin D sind eigentlich zwei Formen von Vitamin D zusammengefasst: Vitamin D2 und Vitamin D3. Vitamin D2 ist pflanzlicher Herkunft, und wir können es ausschließlich über die Nahrung aufnehmen. Vitamin D3 kann bei ausreichener Sonnenbestrahlung auch von unserem Körper selbst gebildet werden.
Versorgung oft schwierig
Nur 5 Prozent unseres täglichen Vitamin-D-Bedarfs können wir über die Nahrung abdecken. Die Nahrungsmittel, die eine ausreichende Vitamin-D-Quelle darstellen, werden unterschiedlich konsumiert, so dass sie keine zuverlässige Vitamin-D-Versorgung sicherstellen. Ein adäquater Vitamin-D-Spiegel in nördlichen Ländern und während des Winters ist oft schwierig zu erreichen.
Vitamin oder Hormon?
Definitionsgemäß sind Vitamine Substanzen, die der Körper selbst nicht herstellen kann, aber zum Leben benötigt. Sie müssen daher über die Nahrung zugeführt werden.
Die Vorstufen von Vitamin D werden aber vom Körper selbst hergestellt. Das Pro-Vitamin (in Schichten der Oberhaut) wird durch UVB-Bestrahlung in Prä-Vitamin D und weiter in Vitamin D überführt. Vitamin D wird also aus historischen Gründen als Vitamin bezeichnet, ist aber eigentlich ein Hormon.
Vitamin D und Kalzium
Um seine Wirkung zu entfalten, muss Vitamin D in die Leber und danach in die Niere transportiert und dort zweimal umgebaut werden, um die endgültige aktive Form zu bilden.
Auch im Kalziumstoffwechsel spielt das Vitamin eine wichtige Rolle: Vitamin D und Parathormon (ein Hormon, das von den Nebenschilddrüsen produziert wird) sind hier die zwei wichtigsten Steuerfaktoren.
Die Hauptwirkungen von Vitamin D bestehen darin, die Kalzium- und Phosphataufnahme im Darm zu steigern, die Mineralisierung der Knochen zu fördern und die Kalzium- und Phosphatausscheidung der Niere zu hemmen.
Gut für die Knochen
Aufgrund dieser Wirkungen und Eigenschaften wird Vitamin D seit vielen Jahren zur Vorbeugung und Behandlung von Vitamin-D-Mangelzuständen und in der Therapie der Osteoporose eingesetzt, entweder alleine oder auch in Kombination mit Kalzium.
So reduziert beispielsweise eine Einnahme von 700 bis 1.000 Internationalen Einheiten (IE) die Knochenbruchrate um 19 Prozent.
Unterversorgung: Risikofaktor für Erkrankungen
Eine Unterversorgung mit Vitamin D scheint nach bisherigen Untersuchungen ein Risikofaktor für viele Erkrankungen zu sein:
- Autoimmunkrankheiten, wie Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Typ-1-Diabetes, Systemischer Lupus erythematodes
- Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose oder Atemwegsinfekte
- Viele Krebsarten, wie Brustkrebs, Leukämie, Nierenkrebs, Ovarialkarzinom, Pankreaskarzinom
- Osteoporose
- Kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonie
- Neurologische Erkrankungen, wie Demenz und Parkinson-Krankheit
Studien haben gezeigt, dass bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen ein Vitamin-D-Mangel signifikant häufiger auftritt.
Nächste Seite: Aktuelle Forschungsarbeiten befassen sich mit der Fragestellung, ob sich zukünftig mit einer hochdosierten Vitamin-D-Therapie der Typ-1-Diabetes vorbeugen, aufhalten oder hinauszögern lässt.
Typ-1-Diabetes vorbeugen?
Ein Vitamin-D-Mangel, definiert durch einen Serumspiegel von weniger als 20 ng/ml, wies in Studien eine signifikante negative Korrelation zur Inzidenz des Typ-1-Diabetes auf. Mit anderen Worten: Bei Menschen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln trat Typ-1-Diabetes häufiger auf als bei solchen mit hohen Spiegeln. Dieser Zusammenhang bedeutet jedoch nicht, dass das eine das andere bewirkt.
Temperatur, geografische Höhe und Breite sowie Dauer und Qualität der Sonnenbestrahlung sind Parameter, die durch einen direkten Einfluss auf den Vitamin-D-Spiegel für ca. 40 Prozent der Typ-1-Diabetes-Variation verantwortlich sein können.
Studien zeigen das Potential von Vitamin D
In einer großen Studie in Finnland wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen einer Vitamin-D-Gabe in der Kindheit (2.000 IE pro Tag) und einem ca. 80 Prozent reduzierten Risiko für Typ-1-Diabetes bei Säuglingen gesehen. Beteiligt waren ca. 12.000 Schwangere; die Kinder wurden 31 Jahre lang beobachtet. Eine Vitamin-D-Gabe in der Kindheit könnte also Typ-1-Diabetes vorbeugen.
Eine andere Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass die Gabe eines Vitamin-D-Analogons bei Kindern mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes den Verlauf der Erkrankung abmildern konnte. In der untersuchten Gruppe zeigte sich eine eindrucksvolle Verlängerung der sogenannten Honeymoon-Phase, eine verbesserte Betazellfunktion und eine bessere Insulin-Restsekretion. Der Studie zufolge hat der tägliche Insulinbedarf dieser Kinder, bezogen auf das Körpergewicht, deutlich abgenommen.
Honeymoon-Phase
Mit der Honeymoon-Phase verhält es sich so: Nach Beginn der Insulintherapie werden die durchschnittlichen Blutzuckerwerte wieder niedriger. Der Betroffene fühlt sich gut, und die vorher sehr “angestrengte” Bauchspeicheldrüse kann sich etwas erholen. Bei zirka zwei Dritteln der Kinder merkt man sogar, dass die anfänglich gespritzte Insulinmenge deutlich reduziert werden kann und sie dabei trotzdem gute und stabile Blutzuckerwerte haben. Das ist die Remissionsphase, im Englischen spricht man von der honeymoon phase, den Flitterwochen.
Ein schützende Wirkung wies Vitamin D in einer ähnlich strukturierten Studie bei erwachsenen Typ-1-Diabetikern auf, und zwar auf immunologische Entzündungsmarker sowie Parameter der Diabeteseinstellung, wie HbA1c-Wert und Tagesinsulinbedarf.
Aktuelle Studie (ViDDA-1)
Im Rahmen unserer wissenschaftlichen Arbeit zum Vitamin-D-Stoffwechsel führen wir seit Oktober 2011 bis Dezember 2013 im Schwerpunkt Endokrinologie & Diabetologie der Medizinischen Klinik 1 des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main, eine Studie (ViDDA-1) durch, mit der die Wirkung einer höheren Dosis Vitamin D auf das Immunsystem bei Typ-1-Diabetikern untersucht wird.
Im Einzelnen wird die Durchführbarkeit, Verträglichkeit und Wirksamkeit einer hochdosierten Vitamin-D-Behandlung von 4 000 IE pro Tag untersucht, unter anderem bezüglich einer besseren Diabeteseinstellung bzw. eines reduzierten Insulintagesbedarfs. Die Dosierung von 4 000 IE entspricht in etwa der körpereigenen Produktion nach einem Sonnenbad.
Im Rahmen dieser Studie untersuchen wir neben immunologischen Effekten das Verhältnis zwischen täglichem Insulinbedarf, bestehend aus dem basalen und prandialen Insulinbedarf, und dem Vitamin-D-Spiegel sowie andere Stoffwechselparameter der Diabeteseinstellung. Die Studie wird im Dezember abgeschlossen und im Januar 2014 ausgewertet werden.
Derzeitiger Stand und Zukunftsvisionen
Ein Vitamin-D-Mangel tritt bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes weitaus häufiger auf als bei Gesunden. Niedrigere Vitamin-D-Werte stehen im Zusammenhang mit einer reduzierten Insulinsensitivität, erhöhter Nüchternglukose, einem höheren Insulinbedarf und einem höheren HbA1c.
Wenn diese Studien erfolgreich sind, kann möglicherweise in der Zukunft eine hochdosierte Vitamin-D-Therapie eingesetzt werden, um in der Frühphase von Autoimmunerkrankungen ein Fortschreiten zu verzögern oder den klinischen Verlauf positiv zu beeinflussen.
Weitere Informationen zu Vitamin D bietet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung unter www.dge.de: einfach Vitamin D ins Suchfeld eingeben.
Was Vitamin D von allen anderen Vitaminen unterscheidet, ist die körpereigene Bildung in der Haut – dank Sonnenlicht. Einerseits wird der Körper also über eine überschaubare Menge an Lebensmitteln und andererseits über Sonnenstrahlen auf der Haut versorgt. Wie hoch die körpereigene Bildung ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Ein Mangel tritt bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes häufiger auf als bei gesunden. Zum Thema Diabetes und Vitamin D gibt es vielversprechende Studien. Eventuell kann man bald durch eine hochdosierte Vitamin-D-Therapie das Fortschreiten verzögern oder den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
von Dimitra Bogdanou und Prof. Dr. Klaus Badenhoop
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main
Kontakt:
E-Mail: badenhoop@em.uni-frankfurt.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 6 (4) Seite 8-10
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 6 Tagen, 23 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 4 Wochen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 4 Wochen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 4 Wochen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße