- Aus der Community
Diabetes kann auch motivieren
3 Minuten

Michael Denkinger berichtet, wie sein Sohn Luca den Diabetes akzeptieren lernte und ihm mittlerweile sogar manchmal positive Seiten abgewinnen kann.
Diabetes im Leben integriert
Ein Leben ohne Diabetes kann ich mir gar nicht vorstellen.” Mit diesem Satz hat mich Luca neulich doch sehr überrascht. Sechs Jahre nach der Typ-1-Diagnose hat sich der bald Elfjährige nicht nur mit seinem Handicap abgefunden, sondern es vielmehr fest in sein Leben integriert. In einem Gespräch hat er mir jüngst mit leuchtenden Augen erzählt, an was er sich noch alles erinnern kann, wie er sich die Zukunft vorstellt und was ihn besonders motiviert.
“Als die Mama mit mir ins Krankenhaus fahren wollte, habe ich mich unter dem Bett versteckt, das weiß ich noch genau”, sagt der Bub auf die Frage, was er noch vom 19. Mai 2008 wisse – dem Tag der Diagnose. “Und schreib‘ hin Papa, dass der Aufzieher der ersten Spritze rot und das Essen ziemlich gut war”, legt er nach und freut sich über sein gutes Erinnerungsvermögen.
Bei 900 mg/dl noch bei vollem Bewusstsein
Sogar an den diagnostizierten Blutzuckerwert bei der Einlieferung erinnert er sich: “Ich glaube 900.” Stimmt – fast 900 mg/dl (50 mmol/l) stellte der erstbehandelnde Arzt an jenem Montagnachmittag seinerzeit fest und konnte es kaum glauben, dass das schreiende und schimpfende Kind bei vollem Bewusstsein war.
Am meisten habe er damals jene Momente genossen, als er spürte, dass es ihm nach der ersten Insulinzufuhr besser ging und er nach mehreren Behandlungstagen im Klinikum endlich hinaus in den sonnigen Krankenhausgarten durfte.
Zwei Unterzuckerungen bleiben in Erinnerung
Zwei Unterzucker-Attacken in den vergangenen Jahren sind ebenfalls allgegenwärtig geblieben. “Beim Radfahren bin ich einmal in den Zaun gefahren, weil mir schwindelig war; beim Mittagessen bin ich fast vom Stuhl gefallen. Und dass der flüssige Traubenzucker ekelhaft schmeckt, habe ich auch nicht vergessen.” Den flößten wir unserem Sohn vor einigen Jahren ein, als er beim Mittagessen infolge einer starken Hypoglykämie plötzlich in sich zusammensackte.
Meine Frau und ich hatten damals kurz gerätselt, wie das passieren konnte, ehe uns beim Blick auf Lucas Teller die Erleuchtung kam: Er hatte zunächst nur den Salat und das Grillwürstchen verzehrt und die als Gegenpol zur Insulinzufuhr nötigen Kartoffeln nicht angerührt.
Sehr zufrieden mit der Pumpe
In den ersten Jahren injizierte sich Luca das Insulin per Spritze, ehe die Umstellung auf den Pen erfolgte. Seit rund einem Jahr trägt der Gymnasiast eine schlauchlose Insulinpumpe und ist sehr zufrieden damit: “Ich finde das toll, dass ich schneller Insulin abgeben kann als früher und schneller essen kann”, sagt er. Wohlwissend, dass der Mini-Computer ab und zu zur Nachlässigkeit verleitet. “Ich weiß schon, dass ich manchmal etwas genauer sein muss.”
Dennoch ist Luca, der sich sehr für Fußball und Technik interessiert, zufrieden mit der aktuellen Situation. Einen weiteren medizinischen Fortschritt kann er sich im Moment überhaupt nicht vorstellen. “Ich kann doch alles genauso machen wie andere.” Dass er es beim Fußballspielen oder in der Schule in den vergangenen Jahren zum Teil besser gemacht hat als andere, ist – so komisch sich das anhören mag – ein positiver Nebeneffekt der Diabetesdiagnose vom Mai 2008.
Faszinierende Einstellung
Es motiviere ihn sehr, so sagt er, “trotz Diabetes mindestens gleich gut oder besser zu sein als die anderen Kinder”. Eine Einstellung, die uns als Eltern fasziniert und ebenfalls motiviert und die hoffentlich auch andere Kinder oder Jugendliche mit Typ-1-Diabetes anspornt.
Im Kommentarbereich unterhalb der Kolumne können Sie das Gelesene kommentieren, eigene Erfahrungen schildern, mitreden …
von Michael Denkinger
Michael Denkinger (43) lebt mit seiner Familie nahe Memmingen und hat drei Kinder: Luca (10 Jahre), Angelina (13) und Timo (6). Er ist Inhaber der PR-Agentur Denkinger Kommunikation.
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2014; 7 (2) Seite 34
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lena-schmidt postete ein Update vor 19 Stunden, 48 Minuten
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 4 Wochen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße