- Eltern und Kind
Die Grundlagen der Nährstoffberechnung
4 Minuten
Kinder und Jugendliche brauchen Nährstoffe zum Wachsen, Spielen, Toben, Sporttreiben, Lernen und für die Stärkung des Immunsystems – das gilt selbstverständlich für Kinder mit und ohne Diabetes. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Sie Ihren Kindern über eine ausgewogene Lebensmittelauswahl ein ausreichendes Angebot machen können.
Nährstoffe sind die Grundbestandteile unserer Nahrung. Mehr als 30 verschiedene Nährstoffe sind die nötigen „Treibstoffe“, die sicherstellen, dass der menschliche Organismus rundläuft.
Die Aufgaben der Nährstoffe
Je nach Art des Nährstoffs wird Energie geliefert und/oder Baumaterial. Nährstoffe werden zudem als Co-Faktoren für den ordnungsgemäßen Ablauf einer Vielzahl von Stoffwechselvorgängen benötigt. Kohlenhydrate, Proteine und Fette sowie das Genussmittel Alkohol liefern Energie. Proteine versorgen den Körper zusätzlich mit unverzichtbaren essentiellen Aminosäuren. Fette, besonders pflanzliche Fette, liefern die unverzichtbaren essentiellen Fettsäuren.
Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe) werden als Baustoffe benötigt und/oder sind unerlässlich an den permanent stattfindenden Auf- und Abbauprozessen des Organismus beteiligt sowie als Radikalfänger (Antioxidanzien) Schutzstoffe für die Körperzellen. Funktionelle Ballaststoffe fördern eine gesunde Besiedlung des Darms mit guten Mikroorganismen, stärken zudem das Immunsystem und unterstützen indirekt viele Stoffwechselprozesse.
Die deutschsprachigen Fachgesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben für die verschiedenen Altersgruppen gemeinsame Referenzwerte für die empfehlenswerte Zufuhr an Nährstoffen formuliert. Darüber können Sie sich kostenfrei unter dge.de/wissenschaft/referenzwerte informieren.
Energieliefernde Nährstoffe
Kohlenhydrate: 4 kcal/g
Organische Säuren: 3 kcal/g
Proteine: 4 kcal/g
Fette: 9 kcal/g
Genussstoff Alkohol: 7 kcal/g
Die Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) umfasst von unten nach oben betrachtet die Lebensmittelgruppen Wasser, Gemüsegruppe/Obstgruppe, Getreidegruppe/Kartoffeln, Milch und Milchprodukte, die heterogene Gruppe der sonstigen Proteinquellen mit Hülsenfrüchten und tierischen Lebensmitteln (ein zusätzliches Milchprodukt, Fisch, Geflügel oder Fleisch) sowie die Gruppe der Fette und Öle. Eine kleine Menge an „Extras“ (etwa 10 % der Gesamtkalorien) darf dazukommen.
Jede einzelne Gruppe hat ein besonderes Potenzial für bestimmte Nährstoffe und lässt sich daher nur eingeschränkt durch eine andere Gruppe ersetzen.
Das 6-5-4-3-2-1-Prinzip
Neben der Einteilung zeigt die Pyramide nach dem 6-5-4-3-2-1-Prinzip, wie häufig man täglich aus den einzelnen Gruppen wählen soll. Die Ernährungspyramide wurde so konzipiert, dass eine ausreichende Nährstoffversorgung erzielt werden kann.
© Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Die Farbwahl nach dem Ampelprinzip verdeutlicht zusätzlich die Priorität bei der Auswahl der Lebensmittelgruppen. Dabei steht grün für reichlich/großzügig, gelb für mäßig/regelmäßig/ bewusst und rot für sparsam genießen/ mit Bedacht. Die Ernährungspyramide ist dadurch ein gutes Werkzeug für die alltagstaugliche Umsetzung der wissenschaftlichen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr.
Individueller Nährstoffbedarf
Abhängig von Alter, Geschlecht und körperlicher Aktivität ergibt sich ein individueller Bedarf an Nährstoffen. Um dem Anspruch an Individualität gerecht zu werden, kann ganz praktisch zur Bestimmung der Pyramidenportionen das Handmaß eingesetzt werden – denn die Größe der Hände passt zur Körpergröße (kleine Kinder – kleine Hände, große Kinder – große Hände).

Die orientierenden Empfehlungen für die Energiezufuhr der Fachgesellschaften basieren auf den Referenzwerten von Körpergröße und Körpergewicht (Tab. 1). Für Kinder und Jugendliche entsprechen sie der 50. Perzentile der Referenzperzentile für anthropometrische Maßzahlen aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS; 2003 – 2006). Angegeben sind jeweils die Werte für die Mitte des Altersbereichs (2,5; 5,5; 8,5; 11,5; 14 und 17 Jahre), Quelle: dge.de/wissenschaft/referenzwerte/energie/
Empfehlungen zu Tagesmengen dienen der ersten Orientierung
Auf Basis der Energieempfehlungen für die verschiedenen Altersgruppen finden Sie http://hiereineTabellemitPortionsangabenzudenLebensmittelgruppen
. Bitte beachten Sie, dass die Empfehlungen zu Tagesmengen an Energie lediglich einer ersten Orientierung dienen können. Sie basieren auf den Referenz-werten für Körpergröße und Körpergewicht und nehmen als Maß für die körperliche Aktivität einen moderaten PAL (physical activity level, dt.: Pegel der körperlichen Tätigkeit; ein Maß für die körperliche Aktivität) von 1,4 an.
- Gemüse: geringe Mengen Energie, Mikronährstoffe (kein Vitamin B12), Ballaststoffe
- Früchte: Zucker, Mikronährstoffe (kein Vitamin B12), Ballaststoffe
- Vollkorngetreide: Stärke, Mikronährstoffe (Vitamin B1, Folsäure, Eisen, kein Vitamin B12), Ballaststoffe
- Kartoffeln: Stärke, Mikronährstoffe (Kalium, kein Vitamin B12)
- Milch und Milchprodukte, Käse: Proteine, Mikronährstoffe (Vitamine B2, B12, Kalzium, Magnesium), Milch und Sauermilchprodukte zusätzlich Milchzucker
- Gruppe sonstiger Proteinquellen | Hülsenfrüchte: Proteine, hohe Qualität in Kombination mit anderen Proteinen, Stärke, Mikronährstoffe (kein Vitamin B12), Ballaststoffe
- Ei: Proteine, Mikronährstoffe
- Fisch: Proteine, Omega-3-Fettsäuren, Mikronährstoffe (B-Vitamine; Seefisch: Jod)
- Fleisch: Proteine, Mikronährstoffe (B-Vitamine, Eisen)
- Fettquellen | Pflanzliche Fette: ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E
- Nüsse, Samen: Proteine, ungesättigte Fettsäuren, Mikronährstoffe (kein Vitamin B12)
Kinder und Jugendliche, die mit Körpergröße und Gewicht von den Referenz-werten und/oder dem PAL abweichen, benötigen entsprechend eine individuelle Anpassung der Energiemengen. Lassen Sie sich hierbei kinderärztlich oder auch ernährungstherapeutisch unterstützen.
Noch etwas Wichtiges zum Schluss
Bei allem Wunsch nach einer optimalen Nährstoffversorgung unserer Kinder und Jugendlichen sollten Sie immer bedenken: Diese optimale Nährstoffversorgung soll lediglich der gesunde Nebeneffekt leckerer Mahlzeiten sein.
Die Quellen der benötigten Nährstoffe sind unsere Lebensmittel. Beziehen Sie Ihre Kinder und Jugendlichen so weit als möglich in die Essensplanung, den Einkauf und die Nahrungszubereitung ein. Wählen Sie möglichst häufig schmackhafte, regionale, saisonale und wenig verarbeitete Lebensmittel aus und machen Sie durch die kreative Zubereitung das Essen zu einem köstlichen Erlebnis.
Autorin:
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Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (1) Seite 12-14
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 4 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
