Früherkennungsuntersuchung: Ein kleiner Piks und ein “Ja” für die Diabetes-Forschung

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Früherkennungsuntersuchung: Ein kleiner Piks und ein “Ja” für die Diabetes-Forschung

Bei einer Früherkennungsuntersuchung im Rahmen der Fr1da-Studie wurde bei der damals zweijährigen Elena Nierla Typ-1-Diabetes im Frühstadium festgestellt. Wie geht es Elena und ihrer Familie heute, rund sieben Jahre später?

Um Elenas zweiten Geburtstag stand die U7-Untersuchung an. Ihre Mutter hatte ihr fest versprochen, “dieses Mal gibt es keinen Piks”. Jedoch stellte der Kinderarzt bei der Untersuchung auch die Fr1da-Studie zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes vor und fragte Frau Nierla, ob sie sich mit Elena daran beteiligen wolle.

Dafür sei aber ein Piks notwendig, also eine Blutprobe aus dem Finger. Das war schwierig, denn versprochen war nun mal versprochen. “Ich fragte meine Tochter und hätte auch ein ‚Nein‘ akzeptiert und die Untersuchung beim nächsten Termin gemacht. Niemand aus unserer Familie hatte damals Typ-1-Diabetes”, berichtet Frau Nierla. Aber die Zweijährige sagte “Ja” und hielt den Finger hin.

Unerwarteter Anruf

Völlig unerwartet rief der Kinderarzt nach einigen Wochen die Familie an und bat um ein Gespräch. Bei Elena waren vier Inselzell-Autoantikörper festgestellt worden. Im Fr1da-Studien-Zentrum wurde den Eltern erklärt, dass damit bei Elena ein frühes Diabetesstadium vorläge.

“Zum Glück fand dieses Gespräch und die persönliche Schulung gleich statt. Mein Mann und ich konnten alles fragen, bis wir das Gefühl hatten, dass es unserem Kind gut geht und wir sicher waren, das Richtige zu tun. Selbstverständlich hat uns die Nachricht zuerst sehr besorgt. Was bedeutet das für unsere Tochter, für unsere Familie?

Steckbrief von Elena Nierla

  • Alter: 9 Jahre
  • Diabetes Typ 1 (Stadium 1) seit: 2017
  • Hobbys: Fußball, Gardetanz, Tennis
  • Berufswunsch: Tierärztin

Aber wir konnten unsere Studien-Betreuerin in den nächsten Jahren immer anrufen, bekamen sofort hilfreiche Antworten und Unterstützung. Das hat Sicherheit gegeben”, erinnern sich die Eltern. “Meist haben wir nicht an den Diabetes gedacht, nur selten haben wir uns doch ein paar Gedanken gemacht, weil niemand sagen konnte, wie lange es dauern würde, bis Elena Insulin braucht.”

Elena selbst erinnert sich kaum an diese Zeit, anderes war wichtiger, z. B. das Brüderchen, das nach einiger Zeit geboren wurde, der Kindergarten, Fasching in ihrem unterfränkischen Heimatort, ihre Freunde und viel Sport.

Neuer Alltag mit Insulinpumpe

Als Elena etwa fünfeinhalb Jahre alt war, stiegen ihre Blutzuckerwerte etwas an. Die Familie hatte schon Kontakt zu einem Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in Schweinfurt und mit der Kinderärztin dort überlegt, wann der richtige Zeitpunkt für das Insulin sei. Elena ging es gut, sie war fit wie immer.

Kurz vor Weihnachten ging es in die Klinik, um mit Insulin zu beginnen und den “neuen Alltag” mit ihren Eltern zu üben. Sogar die Wunsch-Insulinpumpe war vorher schon bestellt worden. Trotzdem war die erste Insulingabe ein Schritt, bei dem die Eltern schlucken mussten – ab jetzt immer Insulin. Es braucht Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Frau Nierla berichtet auch von einem bedrückenden Gespräch in der Klinik. Sie traf auf der Kinderdiabetesstation eine verzweifelte Mutter, deren Kind gerade mit einer Ketoazidose auf der Intensivstation lag. Es war nicht klar, wie es weitergehen würde. Der Diabetes dieses Kindes war sehr spät erkannt worden.

“Die Mutter fragte mich, warum ihr Kinderarzt ihr keine Früherkennungsuntersuchung angeboten hatte. Was sollte ich ihr da sagen? Sie tat mir so leid”, erinnert sich Frau Nierla. “Dieses Erlebnis hat meinem Mann und mir nochmal bestätigt, dass wir für Elena genau das Richtige getan hatten.”

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Elena Nierla auf dem Fußballplatz. Den Sportmodus ihrer Insulinpumpe bedient sie selbstständig. | Foto: privat
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Elena interessiert sich schon jetzt für Forschung. Auf die Ergebnisse der Fr1da-Studie ist sie auch gespannt. | Foto: privat

Elena führt ein aktives und selbstständiges Leben

Elena kann inzwischen sicher mit ihrer Insulinpumpe und dem CGM-System umgehen. Sie stellt den Sportmodus nach Bedarf ein und aus – und das muss ziemlich oft sein, weil sie nicht nur in der Garde beim Fasching tanzt, sondern auch Tennis und Fußball spielt.

Damit das alles nicht zu viel wird, sind Elena und ihre Eltern über die Follower-Funktion immer in Kontakt miteinander und besprechen kurz, was für den Diabetes zu tun ist. Denn der sollte für eine Neunjährige nicht im Mittelpunkt stehen, meinen die Eltern, und sind sehr dankbar, dass Elenas Diabetes nie ein Problem für Kindergarten, Grundschule und ihre Hobbys war, ganz im Gegenteil: Jeder unterstützt ihr aktives und selbstständiges Leben.

Elena selbst findet es wichtig, dass sie etwas tun kann, damit es anderen Kindern gut geht und der Diabetes irgendwann noch besser behandelt werden kann. Und es interessiert sie auch sehr, was am Ende der Fr1da-Studie wirklich herausgefunden wird. Das will sie das Forscher-Team in München fragen, sobald das möglich ist. “Denn Forschung ist wichtig, damit Tiere und Menschen gut leben können”, erklärt die Neunjährige selbstbewusst.


von Prof. Dr. Karin Lange

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2024; 12 (2) Seite 20-21

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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