- Eltern und Kind
Eltern und Lehrer aufklären
3 Minuten

Den Kontakt zur Schule aufzubauen und Lehrer und Mitschüler mit dem Diabetesalltag vertraut zu machen – das ist eine der Aufgaben von Christine Jung von der Klinikschule. Im Interview berichtet sie von ihrer Arbeit.
Diabetes-Eltern-Journal (DEJ): Frau Jung, Kinder mit Diabetes kommen vor allem dann in die Klinikschule, wenn sie auf der Station in Sachen Diabetes geschult werden, oder?
Christine Jung: Genau, wenn Kinder neu manifestiert sind, sind sie zwischen 10 und 14 Tagen oben auf Station und werden geschult. Wenn es irgend geht, machen wir in der Klinikschule normalen Unterricht – Mathe, Deutsch, Englisch … Und bahnen in dieser Zeit eigentlich auch schon einen Heimatschulbesuch an. Das heißt, wir bieten nicht nur für Erstklässler, sondern für alle neu Manifestierten an, dass wir einmal mit in die Klasse gehen und ein bisschen was über Diabetes erzählen – über das Krankheitsbild, das Handling. Dafür brauchen wir ein schriftliches Einverständnis der Eltern und besprechen natürlich vorher mit den Kindern, dass wir in ihre Klasse gehen.
Ich würde sagen, sicherlich 90 Prozent der Familien nehmen dieses Beratungsangebot an. Wir nehmen auch schon während der Klinikzeit Kontakt mit dem Klassenlehrer auf. Für alle Erstklässler bieten wir an, nach den Herbstferien in ihrer Klasse vor Ort eine Schulstunde über Diabetes zu machen und im Anschluss daran auch nochmals die Lehrer zu beraten.
Was mir noch wichtig ist: Wir machen diese Heimatschulbesuche nicht nur wegen der Kinder mit Diabetes, sondern sehen sie auch unter dem Aspekt des sozialen Lernens für alle in der Klasse. Es gibt ja kaum eine Klasse, in der nicht zumindest ein Kind beeinträchtigt ist. Mit dem Schulbesuch können wir die Schüler dafür sensibilisieren. Ich bezeichne Kinder mit Diabetes auch nicht als krank, denn wenn sie in einem normalen Blutzuckerbereich sind, sind sie ja wie jedes andere Kind auch.
DEJ: Was tun Sie, wenn Sie bei den Lehrern an der Heimatschule auf Ängste und Widerstände treffen?
Jung: Immer in der ersten Schulwoche bieten wir eine Fortbildung für Lehrer zum Thema „Schüler mit Diabetes mellitus 1“ an, die vom Regierungspräsidium für alle Schulämter ausgeschrieben wird, die im Einzugsbereich des Olga-
hospitals liegen. Mein Part dabei ist der Schulalltag mit Diabetes.
Wir haben die Erfahrung gemacht: Je mehr die Lehrer wissen, desto eher sind sie bereit, zu kooperieren. Wenn ein Lehrer ablehnend reagiert, geschieht das eigentlich immer aus einer Unsicherheit heraus. Wenn man aber erklärt, in wie wenigen Punkten die Hilfe des Lehrers überhaupt gefragt ist und wie gut die Kinder geschult sind, sind die Lehrer auch meist zur Kooperation bereit.
Unser Ziel ist es, beide Seiten – Eltern und Lehrer – möglichst gut aufzuklären, Sicherheit auf allen Seiten zu schaffen und somit auch die Voraussetzung für eine gute Kooperation anzubahnen. Natürlich ist letztlich das Wichtigste die gute Integration aller Kinder mit Diabetes.
Wie führen Sie Lehrer an die Möglichkeiten von CGM und FGM heran?
Jung: Was die Bedienung der verschiedenen Insulinpumpen angeht, halte ich mich ganz raus. Es gibt die Möglichkeit für Lehrer/-kollegien, sich speziell für die Pumpen bei der Diabetesberatung im Olgahospital bei einem Extratermin schulen zu lassen. Meist übernehmen aber auch die Eltern viel an Erklärungen für die Lehrer, speziell auf ihr Kind bezogen. Die Lehrer bedienen normalerweise aus rechtlichen Gründen die Pumpe nicht, das machen die Kinder selbst.
Wir bitten allerdings die Lehrer, dem Kind beim Bedienen der Pumpe über die Schulter zu schauen, damit sich kein Fehler/Zahlendreher einschleicht. Die Erstklässler sind ja eigentlich noch nicht in den Hunderter-Zahlenräumen ‚unterwegs‘.
Was wir mit den Lehrern ausmachen, sind die festen Zeiten zur Überprüfung des Zuckerwertes vor den großen Pausen und vor/nach dem Sport. Auch besprechen wir die Alarme bzw. die Vorgehensweise bei Unterzuckerung und bei Werten über 300 mg/dl (16,7 mmol/l).
Durch die neuen Systeme ist natürlich das Messen wesentlich einfacher, schneller und unauffälliger geworden. Auch geben die Alarme, speziell bei Werten unter 80 mg/dl (4,4 mmol/l) doch Sicherheit, man kann dann gleich reagieren. Allerdings haben viele Erstklässler bei uns zumindest in der ersten Klasse auch eine Schulbegleitung/Integrationshilfe, die auch bei uns in der Diabetesberatung geschult werden.
- Lehrer fit für die neue Technik machen
- Alarm nutzen
- Eltern und Lehrer aufklären
Interview: Nicole Finkenauer
Redaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag,
Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 10 (4) Seite 14-15
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thomas55 postete ein Update vor 6 Tagen, 18 Stunden
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße