- Eltern und Kind
Fortschritte in der Gentherapie des Diabetes
3 Minuten
Erstmals brachte bei Hunden mit Typ-1-Diabetes eine Gentherapie die Krankheit zum Verschwinden. Der Ansatz soll in Zukunft auch bei Menschen ausprobiert werden. Wie diese Therapie funktioniert, erklärt Professor Thomas Danne.
Hunde mit Hilfe von Gentherapie geheilt
Im Mai-Heft der Fachzeitschrift Diabetes wird von einem großen Fortschritt in der Gentherapie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes bei Hunden berichtet. Eine Forschergruppe der Autonomen Universität Barcelona unter der Leitung der Tierärztin Dr. Fatima Bosch (Abb. 1) konnte mit Hilfe der Gentherapie Diabetes bei fünf großen Beagle-Hunden für einen Zeitraum von mindestens vier Jahren heilen.
Nachdem bei den Hunden experimentell Diabetes ausgelöst worden war, injizierten Bosch und ihr Team zwei verschiedene Gene: einerseits das Gen für Insulin und andererseits das für das Enzym Glucokinase. Glucokinase reguliert die Glukoseaufnahme in die Zelle. Interessanterweise war die Kombination von Insulin und Glucokinase notwendig, um den positiven Effekt zu erzielen, während ein Gen allein wirkungslos war. In Kombination wirkten die beiden Gene aber wie ein Glukosesensor und hielten die Zuckerspiegel im Normbereich.
Harmlose Viren als Vehikel
Beide Gene gelangten in die Hunde durch ein Überträger-Virus (einen sogenannten AAV-Vektor), das einmalig in den Muskel des Hinterlaufs der Hunde injiziert wurde. Dieses nicht-krankmachende Virus ist ein Vehikel, um die genetische Erbinformation (DNS) in Zellen zu übertragen, damit diese dann wie Inselzellen anfangen, blutzuckerabhängig Insulin zu produzieren. Weil sich die Skelettmuskelzellen nicht mehr teilen, bleiben die einmal übertragenen Gene langfristig erhalten.
Auch beim Menschen gibt es Berichte über einen erfolgreichen Gentransfer mit diesem Vektor für einen Zeitraum von zehn Jahren. Im November letzten Jahres hat die EU-Kommission das erste Gentherapiemedikament der westlichen Welt zugelassen. Glybera® soll gegen eine seltene Fettstoffwechsel-Krankheit helfen und wird mit dem gleichen Vektor in den Körper geschleust.
Ist der Ansatz auf Menschen übertragbar?
In der Studie aus Barcelona hatten die behandelten Hunde normale Blutzuckerwerte für mehr als vier Jahre nach der Injektion, ohne Anzeichen von Unterzuckerungen zu zeigen. Auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen auf dem Gebiet des Gentransfers machen nach Meinung der Forscher die Erfolge bei den Hunden Hoffnung, dass ähnliche Ergebnisse beim Menschen zu erzielen sind – anders, als das bei den zahllosen positiven Ergebnissen im Mausmodell der Fall ist.
Professor Bosch stellt dabei fest, dass die Gentherapie nicht eine Heilung für Typ-1-Diabetes ist, weil ja nicht die eigentlichen Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse in ihrer Funktion wiederhergestellt werden.
Keine Euphorie, aber Hoffnung nicht aufgeben!
Trotzdem müssen noch zahlreiche Herausforderungen gemeistert werden, bis dieser Ansatz tatsächlich in Studien bei Menschen ausprobiert werden kann. Zunächst einmal ist es aber eine gute Nachricht für Hunde mit Diabetes, denn wie die Tierärztin Bosch erklärte, hat Diabetes in den letzten Jahren auch bei Hunden deutlich zugenommen.
Wir erinnern uns: auch die Entdeckung des Insulins begann, als es Banting und Best gelang, ihren Hund Marjorie nach Entfernung der Bauchspeicheldrüse für 70 Tage mit einem Extrakt (dem späteren Insulin) am Leben zu halten. Es ist zwar noch ein weiter Weg, aber man soll die Hoffnung auf eine Typ-1-Diabetes-Behandlung ohne Spritze, Pen oder Pumpe in der Zukunft nicht aufgeben!
In den ersten beiden Monaten unserer Kampagne Diabetes STOPPEN – jetzt! haben wir bereits viel für das öffentliche Bewusstsein rund um den Diabetes erreicht: Ein Höhepunkt der Kampagnenaktivitäten war die Kundgebung, die wir anlässlich des Diabetes Kongresses am 9. Mai 2013 in Leipzig organisierten. Rund 500 Menschen nahmen trotz schlechten Wetters daran teil, und der Film über die Demo hatte auf Facebook rasch mehr als 200 “Gefällt mir”-Klicks. Plötzlich tauchten bei Facebook aber Kommentare auf, warum man sich denn so für eine gute Behandlung des Diabetes einsetze, wo die Erkrankung doch heilbar sei.
Es gibt derzeit keine Heilung!
Seriöse alternative Therapien zur Behandlung oder gar Heilung von Diabetes Typ 1oder Typ 2 gibt es derzeit nicht, auch wenn manche Behandlungsangebote dies suggerieren. So benötigen Menschen mit Diabetes Typ 1 eine lebenslange Therapie mit Insulin-Injektionen. Aber immer wieder fallen verzweifelte Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes auf alternative Behandlungsmethoden herein, etwa die Biochronotherapie oder Behandlungsangebote nach der Methode eines gewissen Prof. Ulrich von Arnim (Fa. BvA-TeC).
Wissenschaftlich belegt ist ein Erfolg dieser Therapien nicht, auch wenn die Facebook-Einträge dies suggerieren. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe haben dazu schon mehrfach Stellung genommen.
von Prof. Dr. Thomas Danne
Kinderdiabetologe, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin „Auf der Bult“, Hannover, Vorstandsvorsitzender diabetesDE
Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstra0e 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 6 (2) Seite 6-7
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moira postete ein Update vor 9 Stunden, 19 Minuten
Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
(Wen es interessiert Band 2.3) -
moira postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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