- Eltern und Kind
Kinder mit Diabetes: Neues Schulungsprogramm macht fit für die weiterführende Schule
4 Minuten
Grundschule adé – auf geht es in die weiterführende Schule! Der Wechsel, bei dem die Kinder um die zehn Jahre alt sind, ist ein aufregendes Erlebnis. Was bedeutet dieser Einschnitt für das Kind und die ganze Familie? Wie sieht eine gute Vorbereitung für Kinder mit Diabetes aus? Und wie könnte ein neues Schulungsprogramm beim Übergang helfen?
Ihr Kind ist dem Grundschulalter entwachsen und auf dem Weg zum großen Schulkind. Der Wechsel in die weiterführende Schule ist – ob mit oder ohne Diabetes – eine aufregende Zeit und stellt einen Meilenstein für die kindliche Sozialisation und Entwicklung dar. Der Übergang von der Kindheit zum Jugendalter zeigt sich bei Ihrem Kind in einer eindrucksvollen körperlichen und geistigen Entwicklung.
So war es in der Grundschule
Die Grundschule ist ein geschütztes Umfeld. Kleine Klassen, eine langjährige Klassengemeinschaft und vertraute Lehrer geben Halt. Die Lehrer in der Grundschule sind oft sehr engagiert, die Kinder bei der Diabetestherapie zu unterstützen. Mit Hilfe eines Pflegedienstes oder durch die Unterstützung der Eltern kann der Diabetes während der Schulzeit gut gemeistert werden.
Bei einer Spritzentherapie (Intensivierte konventionelle Insulintherapie, ICT) kann mit Normalinsulin, das am Morgen zum Frühstück gespritzt wird, die Insulingabe für die Zwischenmahlzeit in der Schule mitberechnet werden. So kann bei kurzen Schulzeiten bis zum Mittag die Insulingabe in der Schule vermieden werden.
Bei einer Insulinpumpentherapie, bei der nur mit einem kurzwirksamen Insulin gearbeitet wird, ist die Insulingabe zu jeder Mahlzeit notwendig. Besonders zum Ende der Grundschulzeit können die Kinder dies aber mit Aufsicht durch einen Erwachsenen sicher bewältigen.
Der Wechsel bringt neue Herausforderungen
Was bedeutet jetzt der Wechsel auf die weiterführende Schule? Die Herausforderungen durch das neue schulische Umfeld, insbesondere für ein Kind mit Diabetes, steigen erheblich an. Dazu gehören lange Schulwege, hohe schulische Leistungsanforderungen sowie wechselnde körperliche Belastungen. Zum Alltag in Ganztagsschulen gehört auch das gemeinsame Mittagessen in der Schulmensa.
Das setzt voraus, dass ein Kind den KH-Gehalt seiner Mahlzeit sicher einschätzen kann oder dabei unterstützt wird. Die Aufgaben und die Verantwortlichkeit für die Therapie müssen also zwischen Ihnen und Ihrem Kind neu verteilt werden.
Mit der Pubertät kann der HbA1c-Wert ansteigen
Hinzu kommt, dass Daten aus Deutschland und Österreich (aber auch weltweit) zeigen, dass es in der Pubertät schwieriger wird, den Stoffwechsel stabil zu halten. Dies zeigt sich im deutlichen Anstieg des HbA1c-Wertes. Neue Technologien, zum Beispiel Insulinpumpen, konnten diesen Trend bisher nicht aufhalten oder ausgleichen.
Gegen den Trend arbeiten
Jetzt ist die Frage, wie wir diesen Trend zu höheren Werten verhindern können. Das Diabetesteam im Kinder- und Jugendkrankenhaus “Auf der Bult” hat in Zusammenarbeit mit Professor Karin Lange (Leiterin der Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie an der Medizinischen Hochschule Hannover) bereits ein Trainingsprogramm für fünf- bis siebenjährige Kinder mit Typ-1-Diabetes zum Start in die Grundschule (Fit für die Schule) entwickelt.
So helfen Sie Ihrem Kind beim Wechsel
- Trainieren Sie mit Ihrem Sohn/Ihrer Tochter, damit er/sie Sicherheit beim Messen des Blut-/Gewebezuckers und bei der Ketonmessung gewinnt.
- Üben Sie gemeinsam die Einschätzung von Kohlenhydrateinheiten.
- Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie es mit schwierigen Situationen umgehen kann und legen Sie einen Handlungsplan fest (z. B. für den Fall einer Unter-/Überzuckerung, Ketonnachweis).
- Legen Sie Regeln für den Sportunterricht fest.
- Besprechen Sie miteinander, welche Aufgaben die Eltern und welche Aufgaben im Hinblick auf den Diabetes künftig das Kind übernehmen soll. Gut ist auch eine Absprache darüber, wann z. B. eine telefonische Rücksprache erfolgen soll.
- Füllen Sie gemeinsam eine Tasche mit allen notwendigen Diabetes-Utensilien für den Schulalltag.
Dieses Programm wurde bereits durch Befragung der teilnehmenden Kinder und Eltern als gut bewertet und wird regelmäßig in unserer Klinik angeboten. Im Januar 2016 hat das erste Train-the-Trainer-Seminar stattgefunden, bei dem Diabetesberaterinnen und Ärzte/Ärztinnen aus ganz Deutschland das Programm kennengelernt haben, um es bald in ihrer Klinik oder Praxis anbieten zu können.
Schulungsprogramm für Kinder kurz vor der Pubertät
Neu ist nun unser Schulungsprogramm für Kinder zwischen dem zehnten bis zwölften Lebensjahr. Wir wollen Kindern in dieser Phase vor der Pubertät ein Diabetes-Schulungsprogramm in einer Gruppe Gleichaltriger anbieten, dass sie auf den Übergang in die weiterführende Schule vorbereitet. Die Schulungseinheiten sollen ihnen vermitteln, wie sie künftig ihren Diabetes mit mehr Eigenverantwortung managen können und wie sie die damit verbundenen Herausforderungen im Alltag meistern können.
Zusätzlich soll es einzelne Schulungseinheiten zusammen mit den Eltern geben, in denen ein neuer, altersangemessener Umgang mit dem Diabetes in der Familie erarbeitet wird. Das Schulungsprogramm soll als bewusstes Startsignal zu einem neuen Umgang mit dem Diabetes in Familie und Schule dienen.
Inhalte der Schulung “Fit für die weiterführende Schule”
Geschult werden die Kinder in folgenden Bereichen:
- Krankheitslehre Typ-1-Diabetes
- praktische Fertigkeiten (Blutzucker-/Gewebezuckermessung)
- Ernährung vor der Schule und während der Schulzeit
- Umgang mit schwierigen Situationen
- Sport
- Klassenfahrt/Landheim
Im Schulungsteil für Eltern soll es um die neue Verteilung der Aufgaben gehen.
Studie: Wir suchen noch Teilnehmer
Um das Schulungsprogramm zu bewerten und gegebenenfalls noch zu verbessern, bieten wir es zunächst innerhalb einer Studie an, für die wir aktuell noch Teilnehmer suchen. (Informationen dazu im Kasten oben auf der Seite). Aus allen Kindern, die teilnehmen möchten, wird gelost, wer am Anfang oder erst nach 12 Monaten am Schulungsprogramm teilnimmt.
Bei allen Teilnehmern wird zu Beginn und nach 12 Monaten ein HbA1c-Wert bestimmt. Ebenso werden alle Teilnehmer und ihre Eltern gebeten, zu Beginn und nach 12 Monaten Fragebögen zu technischen Fertigkeiten (in Bezug auf den Diabetes), Lebensqualität und familiären Konflikten zu beantworten.
Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass mit einem solchen Schulungsprogramm der Übergang in die weiterführende Schule leichter wird und dass auch die Diabetestherapie nicht auf der Strecke bleibt. Wichtig ist zu wissen, dass alle Teilnehmer das Schulungsprogramm durchlaufen, entweder gleich zu Beginn oder 12 Monate später – es entsteht also keinem Kind ein Nachteil. Wenn die Studie das Programm als gut bewertet, soll es – ähnlich wie das schon genannte Programm Fit für die Schule – in den Katalog der Diabetesschulungen für Kinder aufgenommen werden. Machen Sie und Ihr Kind bei unserer Studie mit und entwickeln Sie mit uns zusammen das Programm weiter!
Studie zum neuen Schulungsprogramm
“Fit für die weiterführende Schule” – so heißt das neue Schulungsprogramm, das am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin “Auf der Bult” entstanden ist und nun in einer Studie getestet und bewertet werden soll. Interessieren Sie sich für die Teilnahme an dieser Studie? Dann melden Sie sich bitte bis Ende Mai bei Kerstin Remus, die als Diabetesberaterin für die Begleitung von Studien zuständig ist (Telefon: 05 11/81 15 22 90, E-Mail: onset@hka.de). Die wissenschaftliche Leitung der Studie “Fit für die weiterführende Schule” haben Frau Prof. Dr. med. Olga Kordonouri und Frau Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange.
Fazit
Der Wechsel in die weiterführende Schule bringt viele Veränderungen mit sich. Ihr Kind wird selbständiger, und die Aufgaben der Diabetestherapie werden in der Familie neu verteilt. Es ist gut, sich gemeinsam auf diesen neuen Abschnitt vorzubereiten. Um den Start zu erleichtern, wird ein speziell für diese Lebensphase ausgerichtetes Schulungsprogramm getestet und bewertet. Dieses Programm wollen wir etablieren. Helfen Sie uns dabei und melden Sie Ihr Kind für unsere Studie “Fit für die weiterführende Schule” an.
von Dr. Isa Gottwald
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2016; 9 (1) Seite 24-26
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uho1 postete ein Update vor 5 Tagen, 9 Stunden
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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crismo antwortete vor 6 Stunden, 1 Minute
@gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…
Kann es nur empfehlen!!!
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ckmmueller postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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crismo antwortete vor 6 Stunden, 7 Minuten
Ich kann dich total verstehen. Ich hatte auch die Medtronic mit dem Guardian 4. Genau wegen diesen Problemen wie du das beschreibst, habe ich gewechselt. Ich musste wirklich jeden einzelnen Sensor reklamieren und war nur noch gefrustet. Mei. Hba1C wert hatte sich deswegen auch total verschlechtert. Jetzt bin ich zur Ypsopumpe gewechselt und bin sehr zufrieden. Medtronic kann ich wirklich nicht mehr empfehlen. Früher war das wirklich eine sehr gute Pumpe. Doch die Qualität der Sensoren hat so nachgelassen. Das ganze ging 2 Jahre. Bei Medtronic war ich über 8 Jahre lang.
Bezüglich der Verbindungsprobleme habe ich damals den Tipp von der Hotline bekommen: unter Einstellungen-> Google -> alle Dienste -> Dienste für mehrere Geräte -> ausschalten!
Danach sollte die Verbindung zur Pumpe und Handy wieder ohne Probleme funktionieren.
Sollten noch Fragen sein, schreibt mich gerne an.
LG Chris
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