Nachgefragt | Psychologie: Tipps für den Schulanfang

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Nachgefragt | Psychologie: Tipps für den Schulanfang

Für viele Kinder ist es bald so weit: Mit dem ersten Schultag beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Auch für die Eltern ist der erste Schultag natürlich eine spannende Sache. Wie können Eltern mit ihrem an Diabetes erkrankten Kind besonders gut vorbereitet in den Schulalltag starten?

Die Frage

Unser Sohn Oskar (6) kommt jetzt in die erste Klasse. Er hat seit acht Monaten Diabetes und trägt eine Pumpe. Ich möchte seine Lehrer über den Diabetes informieren, damit sie ihn bei der Behandlung in der Schule unterstützen. Haben Sie dafür ein paar Tipps?

Nadine R.

Die Antwort von Prof. Dr. Karin Lange

Leider gibt es keine eindeutige Regelung dafür, wie Lehrer Kinder mit Diabetes in der Schule fachgerecht bei ihrer Behandlung unterstützen sollen. Trotzdem haben die meisten Eltern gute Erfahrungen gemacht und hilfsbereite, verständnisvolle Lehrer angetroffen. Ein paar gute Tipps anderer Eltern kann ich weitergeben:

  1. Sprechen Sie mit dem Lehrer/der Lehrerin. Bereiten Sie das Gespräch gut vor und überlegen Sie, wo Oskar wirklich die Hilfe seiner Lehrer braucht. Diese wenigen Dinge notieren Sie sich genau. Streichen Sie alle überflüssigen Informationen.
  2. Erklären Sie nicht zu viele Einzelheiten der Diabetesbehandlung, das verunsichert eher als es nützt. Ein Lehrer muss nicht alle Korrekturfaktoren oder den Unterschied zwischen Basalrate und Mahlzeiteninsulin verstehen.
  3. Versuchen Sie, übertriebenen Ängsten vor schweren Unterzuckerungen vorzubeugen. Sie sind mit den modernen Therapien wie der Pumpentherapie sehr, sehr selten geworden. Treten Sie hier selbstsicher und ruhig auf. Das überträgt sich auf die Einschätzung der Lehrer.
  4. Bieten Sie an, jederzeit telefonisch erreichbar zu sein, wenn Oskar in der Schule ist. Vielleicht ist es auch möglich, dass Oskar schon ein Handy bekommt, mit dem er Sie erreichen kann.
  5. Je sicherer Sie im Umgang mit dem Diabetes wirken, umso weniger werden Lehrer verunsichert. Manche Eltern, die sich noch nicht ganz so sicher fühlen, nehmen die Unterstützung der Diabetesberaterin ihrer Kinderklinik in Anspruch. Das wäre auch eine Möglichkeit.
  6. Wenn Ihre Kinderklinik eine Schulung für Schulanfänger mit Diabetes anbietet, lassen Sie Oskar auf jeden Fall mitmachen. Auch das gibt Ihnen und Ihrem Sohn zusätzlich Sicherheit.
  7. Die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD), die Vereinigung von vielen Diabetesteams für Kinder, hat eine Broschüre speziell für Lehrer und Lehrerinnen entwickelt, in der alle wichtigen Dinge kurz und klar erklärt werden. Sie finden die Broschüre im Internet auf der Seite www.diabetes-kinder.de oder Sie fragen Ihr Diabetesteam nach einem gedruckten Exemplar.

Links für Schulanfang und Schulalltag

  • Informationen für Lehrerinnen und Lehrer bietet die Broschüre Kinder mit Diabetes in der Schule von der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD).
  • Integrationskraft in der Schule: ja oder nein? In einem Artikel für die Rubrik Nachgefragt im Diabetes-Eltern-Journal wägt Professorin Karin Lange das Für und Wider gegeneinander ab.
  • Die virtuelle Selbsthilfegruppe Diabetes-Kids hat einen eigenen Bereich zum Thema Kindergarten und Schule, in dem viele Verlinkungen zu weiterführenden Artikeln zusammengestellt sind. Auf der Seite gibt es auch das Forum Schule-Kindergarten, in dem Eltern sich austauschen können.
  • In manchen Kinderkliniken bietet das Diabetesteam Seminare für Schulanfänger an (zum Beispiel das Kinder- und Jugendkrankenhaus “Auf der Bult” in Hannover) – erkundigen Sie sich am besten bei Ihrem Team vor Ort.
  • In einigen Bundesländern werden Schulungen für Lehrer zum Thema Diabetes angeboten. So gibt es in Rheinland-Pfalz ein Pilotprojekt, in dessen Rahmen pädagogische Fach- und Lehrkräfte von Diabetesteams fit gemacht werden für den Umgang mit Diabetes in Kita und Schule. In Baden-Württemberg bietet der DDB-Landesverband Schulungen für Lehrer an.
  • Immer wieder ein Thema: Dürfen Lehrer Medikamente geben? Müssen Lehrer Medikamente geben? Was sollen/dürfen Lehrer im Fall einer Hypo tun? Und wer haftet, wenn etwas schief geht? Genau um dieses Thema geht es in einem Artikel von Rechtsanwalt Oliver Ebert für das Diabetes-Eltern-Journal.
    Eine Broschüre zur Medikamentengabe in Schulen hat der Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) herausgegeben.
  • Eine Notfallbox für die Schule haben Kathy Dalinger und ihre Tochter selbst gebastelt – eine Fotostrecke, um die Box ganz einfach nachzubasteln, gibt es in diesem Community-Beitrag.

von Prof. Dr. Karin Lange

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2020; 12 (1) Seite 24-25

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  • Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

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