Typ-1-Diabetes bei Kindern: Sind doch die Pfunde Schuld?

2 Minuten

© DigitalGenetics - Fotolia
Typ-1-Diabetes bei Kindern: Sind doch die Pfunde Schuld?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Typ-1-Diabetes? Dieser Frage gingen Forscherinnen und Forscher aus Schweden und England nach. Für die Studie nahmen sie die Gene von mehr als 14.000 Kindern und Jugendlichen in den Blick.

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Die Autoimmunerkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, der Erkrankungsgipfel liegt allerdings im Alter zwischen zehn und fünfzehn Jahren. Bei den Betroffenen gehen die Insulin produzierenden Zellen zugrunde, weil das körpereigene Immunsystem sie angreift und zerstört. Weshalb es das tut, versuchen Wissenschaftler nach wie vor zu ergründen.

Schwierigkeiten bei der vorausgehenden Fragestellung

Diskutiert wird dabei auch, ob die Ernährung beziehungsweise ein mögliches Übergewicht (Adipositas) die Ursache für die Erkrankung ist. Bei dieser Fragestellung gibt es aber zwei Schwierigkeiten: Zum einen ist Typ-1-Diabetes mit Blick auf die Gesamtbevölkerung sehr selten: weit unter einem Prozent.

Das bedeutet, Studien zu dieser Theorie müssten eine sehr hohe Fallzahl aufweisen, um statistisch aussagekräftig zu werden; zumal ja auch nicht vorher bekannt ist, welche Kinder ein Übergewicht entwickeln. Zum zweiten verändert sich das Körpergewicht im Laufe des Lebens und gegebenenfalls der einsetzenden Krankheit, sodass hier die Resultate ebenfalls verzerrt werden könnten.

DNA-Abgleich von rund 15.000 Kindern mit und ohne Diabetes

Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, wählten die Autoren der aktuellen Studie einen genetischen Ansatz: Sie untersuchten die DNA von rund 5.900 Kindern mit Diabetes vom Typ-1 und verglichen sie mit der von etwa 8.800 gesunden Kindern. Die entsprechenden Daten hatten sie aus mehreren klinischen Datensets zusammengetragen.

Sie konzentrierten sich bei der Auswertung auf 23 Stellen im Erbgut (Allele), die bei Kindern bereits eindeutig mit Übergewicht beziehungsweise einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) in Verbindung gebracht wurden. Wie sich zeigte, gab es diese Adipositas-Allele bei Kindern mit Typ-1-Diabetes weitaus häufiger als in der Kontrollgruppe.

Autoren empfehlen weitere Studien zu dem Thema

Einschränkend muss erwähnt werden, dass die meisten der untersuchten Genabschnitte zwar auf kindliches Übergewicht hinweisen, aber nicht klar ist, wie es dazu kommt. Das bedeutet: Die Gene könnten neben dem Übergewicht auch für weitere Veränderungen im Körper sorgen, die dann möglicherweise die Krankheit auslösen. Solche Effekte haben die Forscher versucht auszuschließen, indem sie die 23 beziehungsweise später 13 Allele auch im Zusammenhang mit andern Parametern wie beispielsweise dem Geburtsgewicht abglichen.

Die Autoren schließen, dass es eine Verbindung zwischen kindlichem Übergewicht und Typ-1-Diabetes geben könnte und empfehlen weitere Studien zu dem Thema. Bislang galt der Zusammenhang nur bei Typ-2-Diabetes als gesichert, der allerdings auf ganz anderen Krankheitsmechanismen beruht.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Medikamente bei Übergewicht: „Abnehmspritzen“ und die Muskeln
„Abnehmspritzen“ werden als wirksame Hilfe gegen hartnäckige Kilos eingesetzt, auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Wie lassen sich Nebenwirkungen dieser Medikamente reduzieren und welche Rolle spielt Eiweiß?
Eine Frau macht auf einer Trainingsmatte eine Plank-Übung in einem Wohnzimmer. Neben ihr liegen rote Hanteln und eine blaue Trinkflasche.

2 Minuten

Menschen mit Übergewicht: Vorurteile und Stigmatisierung in der ärztlichen Praxis
In der Gesellschaft sind Vorurteile und Stigmatisierung im Hinblick auf Menschen mit Übergewicht weit verbreitet. Auch im medizinischen Bereich können sie unbemerkt die Behandlung beeinflussen, etwa in der ärztlichen Praxis.
Eine Patientin im roten Oberteil spricht mit einem Arzt im weißen Kittel in einem Untersuchungszimmer. Auf dem Tisch liegen Unterlagen, daneben sind ein Anatomiemodell und medizinische Geräte zu sehen.

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 6 Tagen

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?