Typ-1-Diabetes im Frühstadium behandeln

2 Minuten

© fotolia
Typ-1-Diabetes im Frühstadium behandeln

Weltweit großes Aufsehen erregte die Pilotstudie Fr1da zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes. Jetzt soll es für Kinder mit einem frühen Stadium eine neue Behandlungsmöglichkeit geben, um das Auftreten der klinisch-symptomatischen Erkrankung zu verhindern. Ähnlich einer Desensibilisierung soll in der Fr1da-Insulin-Interventions-Studie durch eine orale Einnahme von Insulin die Entwicklung einer schützenden, regulativen Immunantwort gefördert werden. Das Angebot des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, richtet sich an Kinder, bei denen mehrere spezifische Inselautoantikörper im Blut nachgewiesen wurden. Neu ist: Die Teilnahme setzt keine genetische Vorbelastung voraus.

Deutschland gehört zu den europäischen Ländern mit den höchsten Erkrankungszahlen für Typ-1-Diabetes: Derzeit erkranken etwa vier von 1000 Personen oder 0,4 Prozent. Das bestätigen nun auch die ersten Ergebnisse der bayernweiten Fr1da-Studie: Typ 1 Diabetes im Frühstadium wurde bisher bei 87 Kindern beziehungsweise 0,37 Prozent der bisherigen Studienteilnehmer diagnostiziert. Die Fr1da-Studie wurde durch das Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, mit der Bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml als Schirmherrin zu Beginn dieses Jahres initiiert. Bisher nahmen bereits rund 25.000 Kinder teil. Jede zweite Kinderarztpraxis in Bayern bietet den Bluttest an.

Behandlung des Typ-1-Diabetes im Frühstadium

Durch den Nachweis mehrerer Inselautoantikörper lässt sich Typ-1-Diabetes erkennen, lange bevor erste Symptome auftreten. In diesem Frühstadium der Erkrankung lässt sich der Autoimmunprozess möglicherweise noch stoppen: Durch orale Gabe von Insulinpulver soll die Entwicklung einer schützenden regulativen Immunantwort – ähnlich der Desensibilisierung bei einer Allergiebehandlung – gefördert werden. Das mit der Nahrung aufgenommene Insulin hat, im Gegensatz zu gespritztem Insulin, keinerlei Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Stattdessen soll es das Immunsystem trainieren, eine Toleranz gegen das körpereigene Hormon Insulin zu entwickeln.

„Bei gesunden Kindern mit einem hohen genetischen Erkrankungsrisiko für Typ-1-Diabetes gab es in der Pre-POINT-Studie Anzeichen dafür, dass eine Behandlung mit oralem Insulin eine regulative Immunantwort hervorrufen könnte“, so Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung. „Ob sich dieser positive Effekt auch bei Kindern im Frühstadium der Erkrankung auslösen lässt, soll die neue Fr1da-Insulin-Interventions-Studie prüfen.“

Erste bevölkerungsweite Typ-1-Diabetes-Präventionsstudie

Die neue Interventionsstudie richtet sich an Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren, bei denen bereits mehrere Diabetes-Autoantikörper im Blut nachweisbar sind und bei denen daher ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes vorliegt. Eine Teilnahme – und das ist neu – setzt weder voraus, dass bereits ein Familienmitglied an Typ-1-Diabetes erkrankt ist, noch dass bestimmte genetische Faktoren vorliegen.

Bislang konnten am Institut für Diabetesforschung nämlich nur Kinder und Erwachsene präventiv behandelt werden, die Verwandte mit Typ-1-Diabetes haben. Ziegler sieht in dem neuen Design der Fr1da-Insulin-Interventions-Studie eine Errungenschaft: „Wir sind sehr froh, dass wir denjenigen Kindern, bei denen der Typ-1-Diabetes in einem frühen asymptomatischen Stadium diagnostiziert wurde, nun auch eine präventive Behandlungsoption anbieten können. Damit birgt die Früherkennung die Chance, einen Schritt weiter auf dem Weg zur Heilung des Typ-1-Diabetes zu gehen“.

Anmeldung und Informationen:
Institut für Diabetesforschung
Helmholtz Zentrum München
Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Tel.: 0800 – 4 64 88 35 (kostenfrei)
E-Mail: diabetes.frueherkennung@helmholtz-muenchen.de

www.typ1diabetes-verhindern.de


Quelle: Helmholtz Zentrum München (HZM)

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Psychische Last durch Hyper- und Hypoglykämien und Umgang mit Glukoseschwankungen – mit Prof. Kulzer
Glukoseschwankungen sind nicht nur eine körperliche Herausforderung, sie sind auch eine psychische Last. In dieser Podcast-Folge erläutert Professor Bernhard Kulzer, Psychologe und langjähriger Diabetes-Forscher, die mentale Seite von Hyper- und Hypoglykämien – also von Über- und Unterzuckerungen – und beschreibt konkrete Lösungsansätze.
Diabetes-Anker-Podcast: Psychische Last durch Hyper- und Hypoglykämien und Umgang mit Glukoseschwankungen – mit Prof. Kulzer | Foto: diateam / MedTriX

2 Minuten

Gut vorbereitet unterwegs: So gelingt die Reise mit Diabetes
Die Vorfreude auf den nächsten Urlaub beginnt oft lange vor der Abreise. Neben Koffer, Reisedokumenten und Unterkunft sollten Menschen mit Diabetes auch ihre medizinische Versorgung rechtzeitig planen – für mehr Sicherheit und Entspannung unterwegs.
Diabetes-Reise-Checkliste von tkpharma

3 Minuten

Anzeige
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • calvin240 antwortete vor 1 Woche

      @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Monat

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände