- Eltern und Kind
Was ist eine diabetische Ketoazidose?
4 Minuten
Hohe Werte, Erbrechen, Bauchschmerzen, angestrengte Atmung – das sind die Anzeichen für eine diabetische Ketoazidose, die durch eine Entgleisung des Stoffwechsels bei Typ-1-Diabetes entstanden ist. Wie kann eine Ketoazidose verhindert werden? Was ist zu tun, wenn eine Ketoazidose vorliegt?
Eine diabetische Ketoazidose entsteht durch eine schwere Entgleisung des Stoffwechsels bei Typ-1-Diabetes und kann mit “Übersäuerung des Blutes” übersetzt werden. Kinder und Jugendliche mit diabetischer Ketoazidose haben sehr hohe Blutzuckerwerte, außerdem ist Ketonim Blut bzw. Azeton im Urin nachweisbar. Das klinische Erscheinungsbild beinhaltet Erbrechen, Bauchschmerzen und eine angestrengte Atmung.
Liegt eine Ketoazidose vor, bleibt nur noch der Weg zum Arzt oder ins Krankenhaus, damit eine schnellstmögliche Versorgung mit Insulin, Flüssigkeit und Salzen erfolgen kann. Wird die Ketoazidose nicht rechtzeitig behandelt, kann sie zu einem lebensgefährlichen Zustand des Kindes mit Koma führen.
Wer bekommt eine diabetische Ketoazidose?
Eine Ketoazidose entsteht dann, wenn im Körper zu wenig Insulin vorhanden ist. Somit sind in erster Linie Kinder und Jugendliche bei Manifestation ihres Diabetes gefährdet. Die voranschreitende Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse führt hier zu einem Insulinmangel, der bei noch unbekanntem Diabetes nicht unbedingt erkannt wird und so zu einer Ketoazidose führen kann. Bei 10 bis 20 Prozent aller Kinder, die an Typ-1-Diabetes mellitus erkranken, liegt bei der Diagnosestellung auch eine diabetische Ketoazidose vor.
- Zu viele Kohlenhydrate?
- Zu wenig Insulin?
- Krankheit?
- Zu wenig Bewegung?
- Stress?
Bei Insulinpumpentherapie:
Auch bei bekanntem Diabetes kann es zu solchen Insulinmangelsituationen kommen. Treten hohe Blutzuckerwerte auf, sollte daher immer nach den Ursachen geforscht werden, um eine weitere Entgleisung zu verhindern (siehe Tabelle links). Werden hohe Blutzuckerwerte nicht rechtzeitig erkannt und ihre Ursache nicht behoben, steigen sie weiter an und können zur Ketoazidose führen.
Was passiert bei der Ketoazidose im Körper?
Die diabetische Ketoazidose ist, wie oben erwähnt, durch das Vorliegen hoher Blutzuckerwerte und hoher Blutketonwerte, Azeton im Urin sowie Erbrechen, Bauchschmerzen und Atemnot gekennzeichnet. Der Zusammenhang und die Auswirkungen dieser einzelnen Komponenten werden hier Schritt für Schritt erklärt:
1. Hohe Blutzuckerwerte
Die Glukose dient dem Körper zur Energiegewinnung. Durch Insulin gelangt die Glukose aus dem Blut in die Zellen. Kommt es zu einem Insulinmangel (z. B. bei der Manifestation des Diabetes oder bei Infekten bei bekanntem Diabetes), kann die Glukose nicht mehr in ausreichender Menge in die Zellen aufgenommen werden und verbleibt im Blut. Dies führt zum Anstieg des Blutzuckers.
Da die Glukose dem Körper nicht mehr als Energiequelle zur Verfügung steht, gerät der Körper in den Hungerstoffwechsel und sucht sich eine alternative Energiequelle: die Fettzellen. Der Abbau von Fettzellen liefert dem Körper einerseits Energie, andererseits führt er zur Bildung einer Säure: der Ketosäure (alternative Bezeichnung: Ketonkörper).
2. Hohe Blutketonwerte
Die Ketonkörper sind ein Abfallprodukt, das beim Abbau von Fettzellen entsteht. Sie werden normalerweise mit dem Urin in Form von Azeton wieder ausgeschieden.
Hält dieser Zustand nur kurzzeitig an, ist dies nicht weiter gefährlich. Durch die Zufuhr von Insulin kann der Blutzucker gesenkt werden, und die Ketonkörper können durch Aufnahme von reichlich Flüssigkeit mit dem Urin als Azeton ausgeschieden werden. In der Situation des anhaltenden Insulinmangels wird jedoch mehr Keton gebildet, als Azeton ausgeschieden werden kann, so dass es schließlich zu einer Übersäuerung des Blutes kommt.
3. Erbrechen, Bauchschmerzen, Atembeschwerden
Durch die Übersäuerung des Blutes kommt es zu Unwohlsein und Übelkeit, später zu Erbrechen und Bauchschmerzen. Erbrechen und Bauchschmerzen dürfen in dieser Situation, mit hohen Blutzuckerwerten und Ketonnachweis, nicht mit einem banalen Magen-Darm-Infekt verwechselt werden. Die Ursache für die Beschwerden ist der Insulinmangel, der schnellstmöglich ausgeglichen werden muss, da hier das Vollbild einer diabetischen Ketoazidose vorliegt. Oft helfen dann nur noch die stationäre Aufnahme in einer Klinik und eine Insulin- und Flüssigkeitszufuhr über einen Venenzugang.
Eine diabetische Ketoazidose verhindern
Regelmäßige Blutzuckermessungen sind die Grundlage in der Behandlung des Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. Grundsätzlich sollten die Blutzucker regelmäßig sechs- bis achtmal täglich bestimmt werden. Durch regelmäßige Messungen und Korrekturen ist die Gefahr, hohe Werte zu entwickeln, bereits sehr gering.
Sollten die Werte doch einmal höher ausfallen, sollten Eltern/Jugendliche ein paar Grundregeln befolgen: Als erstes sollte eine Korrektur des zu hohen Wertes mittels einer zusätzlichen Insulingabe per Pen/Spritze oder Insulinpumpe erfolgen. Im nächsten Schritt ist die Ursachenforschung unerlässlich.
Ist eine einmalige Unterdosierung des Insulins die Ursache, oder muss wegen eines Infekts mit einer anhaltenden Erhöhung der Werte gerechnet und die Insulindosis deutlich erhöht werden? Oder ist der Insulinpumpenkatheter abgeknickt und muss sofort ausgetauscht werden, damit das Insulin aus der Pumpe auch wieder in den Körper gelangen kann?
Sollten nach der ersten Korrektur die Blutzuckerwerte weiterhin viel zu hoch sein, ist die Blutketonmessung oder Azetonmessung im Urin unbedingt erforderlich. Sie sollte von allen Kindern und Eltern beherrscht und auch angewendet werden können. Mittels Abnahme eines Bluttropfens aus der Fingerkuppe ist die Blutketonmessung rasch und komplikationslos durchführbar und bietet sehr differenzierte Werte, die das weitere Vorgehen bestimmen. Als Alternative kann eine Azetonmessung im Urin durchgeführt werden.
Ein differenziertes Vorgehen zur Behandlung hoher Blutzuckerwerte und einer Prävention der diabetischen Ketoazidose sollte jede Familie im Rahmen der Diabetesschulung lernen. Den Algorithmus aus unserer Klinik können Sie dem Schaubild links auf dieser Seite (“Eine Ketoazidose vermeiden”) entnehmen.
Fazit
Die Blutketonmessung sollte von allen Kindern und Eltern angewendet werden können. Eine Ketoazidose vermeidenDie diabetische Ketoazidose ist eine akute lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung bei Typ-1-Diabetes. Die Kennzeichen sind: hoher Blutzucker, Keton im Blut bzw. Azeton im Urin. Klinische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und angestrengte Atmung.
Eine frühzeitige Behandlung hoher Blutzuckerwerte kann die Entstehung einer Ketoazidose verhindern. Mit dem Schema zur Prävention der diabetischen Ketoazidose (siehe Schaubild) sollten die Familien mit einem Kind mit Diabetes vertraut sein.
von Dr. med. Nicolin Datz
Oberärztin Pädiatrie III, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin “Auf der Bult”, Hannover
E-Mail: datz@hka.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2016; 9 (4) Seite 24-26
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wolfgang65 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 12 Stunden, 51 Minuten
Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!
Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.
Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.
LG Wolfgang
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laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 8 Stunden
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
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suzana antwortete vor 1 Tag, 6 Stunden
Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter! -
laila antwortete vor 1 Tag, 3 Stunden
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊
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wolfgang65 antwortete vor 13 Stunden, 18 Minuten
Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.
Gruss Wolfgang
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michatype3 antwortete vor 12 Stunden, 54 Minuten
Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.
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vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 18 Stunden
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
