Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen

3 Minuten

Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen | Foto: Goffkein - stock.adobe.com
Foto: Goffkein - stock.adobe.com
Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen

Mit dem Insulinpen sein Insulin zu spritzen, klingt zunächst erst einmal einfach. Aber es gibt ein paar Dinge zu beachten, damit die Therapie gut funktioniert. Diabetesberaterin Regine Werk erklärt, worauf es ankommt.

Die moderne Insulintherapie bietet Menschen mit Diabetes ein hohes Maß an Flexibilität. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist der Insulinpen: handlich, präzise dosierbar und einfach im Alltag zu nutzen. Trotzdem zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass kleine Fehler im Umgang mit dem Pen die Wirkung des Insulins beeinträchtigen oder zu unerwünschten Schwankungen der Glukosewerte führen können.

Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, wie man den Insulinpen richtig verwendet, häufige Fehler vermeidet und die Therapie sicher gestaltet.

Was vor jeder Injektion wichtig ist

Bevor ein Pen zum Einsatz kommt, sollte man prüfen, ob alle wichtigen Voraussetzungen erfüllt sind. Ist das Insulin in Ordnung, also das Verfallsdatum nicht überschritten und das Aussehen okay? Trübes Insulin wie NPH- oder Mischinsulin muss vor dem Anwenden 20-mal geschwenkt werden, bis es gleichmäßig milchig aussieht.

Wichtig ist, zu prüfen, ob die richtige Insulinsorte im Pen ist. Eine Verwechslung ist eine der häufigsten Ursachen für schwere Unter- oder Überzuckerungen.

Außerdem sollte die Kanüle bei jeder Injektion neu und steril sein. Mehrfach verwendete Kanülen können verstopfen, brechen oder zu schmerzhaften Injektionen führen. Beim Aufschrauben sollte die Kanüle fest sitzen, aber ohne Gewalt aufgeschraubt werden.

Das Funktionieren testen

Vor der ersten Injektion mit einem neuen Pen sollte ein kurzer Funktionstest durchgeführt werden. Dies passiert, indem zwei Einheiten am Pen eingestellt werden und der Injektionsknopf heruntergedrückt wird, bis Insulin an der Spitze der Kanüle erscheint. Damit ist sichergestellt, dass die Kanüle frei ist, das Insulin korrekt nach vorne fließt und die Dosis später vollständig abgegeben werden kann.

Bei diesen Situationen sollte man in Kontakt mit dem Diabetes-Team treten:

  • ungewöhnlich starken Blut­zuckerschwankungen
  • Schmerzen, Verhärtungen oder Knoten an Einstichstellen
  • Unsicherheit über die richtige Pen- oder Insulinnutzung
  • Wechsel des Insulins oder ­Anpassung der Therapie

Wahl der Injektionsstelle

Die Wirkung des Insulins hängt auch davon ab, wohin man spritzt. Gut geeignet sind folgende Stellen:

  • Bauch: schnelle Aufnahme, ideal für schnell und kurz wirkendes Insulin wie für Mahlzeiten,
  • Oberschenkel: langsame Aufnahme, geeignet für lang wirkendes Insulin,
  • Gesäß oder Hüfte: gleichmäßige, eher langsame Aufnahme.

Wichtig ist, die Injektionsstellen regelmäßig zu wechseln, zum Beispiel rotierend. Wenn man immer die gleichen Stellen nutzt, können sich verhärtete Fettpolster (Lipohypertrophien) bilden. Diese führen zu unvorhersehbaren Glukoseverläufen und sollten unbedingt vermieden werden.

Das richtige Injizieren

Um sicher und möglichst schmerzarm zu injizieren, hilft folgende Vorgehensweise:

  • Dosis einstellen – präzise und ohne Hast,
  • Hautfalte bilden, wenn die Haut sehr dünn ist, z. B. bei schlanken Menschen,
  • Kanüle senkrecht einführen,
  • Injektionsknopf drücken – gleichmäßig und vollständig,
  • wichtig: Kanüle zehn Sekunden in der Haut lassen – so wird ein Auslaufen des Insulins verhindert, was sonst zu einer Unterdosierung führen könnte,
  • Kanüle herausziehen, abschrauben und entsorgen – am besten in einem stichfesten Behälter.

Nach der Injektion: Hygiene und Sicherheit

Die Kanüle sollte sofort nach jeder Injektion entsorgt werden. Bleibt sie am Pen, kann Luft in die Patrone gelangen oder es kann Insulin austreten. Beim mehrfachen Verwenden steigt außerdem das Risiko für Infektionen und schmerzhafte Einstiche.

Sicher injizieren mit dem Insulinpen

  1. Kleine Fehler im Umgang mit dem Pen können die Wirkung des Insulins beeinträchtigen.
  2. Es ist sinnvoll, sich das Vorgehen beim Injizieren immer wieder vor Augen zu führen.
  3. Gerade bei langjährigem Diabetes lohnt sich gelegentlich ein gemeinsamer „Technik-Check“ mit dem Behandlungs-Team.

Häufige Fehler beim Spritzen

  • Falsch gelagertes Insulin: Ein Insulinpen, der aktuell benutzt wird, darf bei Zimmertemperatur gelagert werden, denn Insulin direkt aus dem Kühlschrank brennt oft beim Injizieren.
  • Zu kurzer Abstand zwischen Insulingabe (Bolus) und Essen: Besonders bei schnell wirksamen Insulinen sollte oft ein kleiner Abstand von 5 bis 15 Minuten eingehalten werden, sofern vom Diabetes-Team nicht anders empfohlen.
  • Vergessene Rotation der Injektionsstellen: Ein Rotationsschema hilft, für jede Injektion eine neue Zone zu nutzen.

Gerade bei langjährigem Diabetes schleichen sich leicht Gewohnheiten ein, die nicht optimal sind. Daher lohnt sich gelegentlich ein gemeinsamer „Technik-Check“ mit dem Behandlungs-Team.

Der Insulinpen ist ein zuverlässiges und komfortables Werkzeug – wenn er korrekt genutzt wird. Details wie der Funktionstest, das Rotieren der Injektionsstellen oder das richtige Handhaben der Kanüle können die Glukoseverläufe beeinflussen. Wer die Technik beherrscht und bewusst anwendet, profitiert von einer besseren Wirkung des Insulins, weniger Nebenwirkungen und mehr Sicherheit im Alltag.


von Regine Werk

Avatar von regine-werk

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (1/2) Seite 18-19

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin
In dieser Podcast-Sonderfolge sprechen wir mit der Moderatorin, Musikproduzentin und Autorin Shirin Valentine über ein Thema, das in der Diabetes-Community noch immer häufig unterschätzt wird: das erhöhte Risiko für Gürtelrose, die damit einhergehenden Folgen und wie wichtig daher die Vorsorge ist.
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin | Foto: MedTriX/Nils Gräff

2 Minuten

Anzeige
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren – mit Video und Podcast
Shirin lebt seit vielen Jahren mit Typ‑1‑Diabetes – und war überrascht, als sie mit 49 eine schmerzhafte Gürtelrose entwickelte. Erst danach erfuhr sie, dass Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko haben können. Heute appelliert sie daran, gut informiert zu sein, die Risiken zu kennen und die Vorsorge ernst zu nehmen.
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren | Foto: MedTriX

3 Minuten

Anzeige
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 18 Stunden

    Mein Abo?

  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

Verbände