- Technik
Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen
3 Minuten

Mit dem Insulinpen sein Insulin zu spritzen, klingt zunächst erst einmal einfach. Aber es gibt ein paar Dinge zu beachten, damit die Therapie gut funktioniert. Diabetesberaterin Regine Werk erklärt, worauf es ankommt.
Die moderne Insulintherapie bietet Menschen mit Diabetes ein hohes Maß an Flexibilität. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist der Insulinpen: handlich, präzise dosierbar und einfach im Alltag zu nutzen. Trotzdem zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass kleine Fehler im Umgang mit dem Pen die Wirkung des Insulins beeinträchtigen oder zu unerwünschten Schwankungen der Glukosewerte führen können.
Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, wie man den Insulinpen richtig verwendet, häufige Fehler vermeidet und die Therapie sicher gestaltet.
Was vor jeder Injektion wichtig ist
Bevor ein Pen zum Einsatz kommt, sollte man prüfen, ob alle wichtigen Voraussetzungen erfüllt sind. Ist das Insulin in Ordnung, also das Verfallsdatum nicht überschritten und das Aussehen okay? Trübes Insulin wie NPH- oder Mischinsulin muss vor dem Anwenden 20-mal geschwenkt werden, bis es gleichmäßig milchig aussieht.
Wichtig ist, zu prüfen, ob die richtige Insulinsorte im Pen ist. Eine Verwechslung ist eine der häufigsten Ursachen für schwere Unter- oder Überzuckerungen.
Außerdem sollte die Kanüle bei jeder Injektion neu und steril sein. Mehrfach verwendete Kanülen können verstopfen, brechen oder zu schmerzhaften Injektionen führen. Beim Aufschrauben sollte die Kanüle fest sitzen, aber ohne Gewalt aufgeschraubt werden.
Das Funktionieren testen
Vor der ersten Injektion mit einem neuen Pen sollte ein kurzer Funktionstest durchgeführt werden. Dies passiert, indem zwei Einheiten am Pen eingestellt werden und der Injektionsknopf heruntergedrückt wird, bis Insulin an der Spitze der Kanüle erscheint. Damit ist sichergestellt, dass die Kanüle frei ist, das Insulin korrekt nach vorne fließt und die Dosis später vollständig abgegeben werden kann.
Bei diesen Situationen sollte man in Kontakt mit dem Diabetes-Team treten:
- ungewöhnlich starken Blutzuckerschwankungen
- Schmerzen, Verhärtungen oder Knoten an Einstichstellen
- Unsicherheit über die richtige Pen- oder Insulinnutzung
- Wechsel des Insulins oder Anpassung der Therapie
Wahl der Injektionsstelle
Die Wirkung des Insulins hängt auch davon ab, wohin man spritzt. Gut geeignet sind folgende Stellen:
- Bauch: schnelle Aufnahme, ideal für schnell und kurz wirkendes Insulin wie für Mahlzeiten,
- Oberschenkel: langsame Aufnahme, geeignet für lang wirkendes Insulin,
- Gesäß oder Hüfte: gleichmäßige, eher langsame Aufnahme.
Wichtig ist, die Injektionsstellen regelmäßig zu wechseln, zum Beispiel rotierend. Wenn man immer die gleichen Stellen nutzt, können sich verhärtete Fettpolster (Lipohypertrophien) bilden. Diese führen zu unvorhersehbaren Glukoseverläufen und sollten unbedingt vermieden werden.
Das richtige Injizieren
Um sicher und möglichst schmerzarm zu injizieren, hilft folgende Vorgehensweise:
- Dosis einstellen – präzise und ohne Hast,
- Hautfalte bilden, wenn die Haut sehr dünn ist, z. B. bei schlanken Menschen,
- Kanüle senkrecht einführen,
- Injektionsknopf drücken – gleichmäßig und vollständig,
- wichtig: Kanüle zehn Sekunden in der Haut lassen – so wird ein Auslaufen des Insulins verhindert, was sonst zu einer Unterdosierung führen könnte,
- Kanüle herausziehen, abschrauben und entsorgen – am besten in einem stichfesten Behälter.
Nach der Injektion: Hygiene und Sicherheit
Die Kanüle sollte sofort nach jeder Injektion entsorgt werden. Bleibt sie am Pen, kann Luft in die Patrone gelangen oder es kann Insulin austreten. Beim mehrfachen Verwenden steigt außerdem das Risiko für Infektionen und schmerzhafte Einstiche.
Sicher injizieren mit dem Insulinpen
- Kleine Fehler im Umgang mit dem Pen können die Wirkung des Insulins beeinträchtigen.
- Es ist sinnvoll, sich das Vorgehen beim Injizieren immer wieder vor Augen zu führen.
- Gerade bei langjährigem Diabetes lohnt sich gelegentlich ein gemeinsamer „Technik-Check“ mit dem Behandlungs-Team.
Häufige Fehler beim Spritzen
- Falsch gelagertes Insulin: Ein Insulinpen, der aktuell benutzt wird, darf bei Zimmertemperatur gelagert werden, denn Insulin direkt aus dem Kühlschrank brennt oft beim Injizieren.
- Zu kurzer Abstand zwischen Insulingabe (Bolus) und Essen: Besonders bei schnell wirksamen Insulinen sollte oft ein kleiner Abstand von 5 bis 15 Minuten eingehalten werden, sofern vom Diabetes-Team nicht anders empfohlen.
- Vergessene Rotation der Injektionsstellen: Ein Rotationsschema hilft, für jede Injektion eine neue Zone zu nutzen.
Gerade bei langjährigem Diabetes schleichen sich leicht Gewohnheiten ein, die nicht optimal sind. Daher lohnt sich gelegentlich ein gemeinsamer „Technik-Check“ mit dem Behandlungs-Team.
Der Insulinpen ist ein zuverlässiges und komfortables Werkzeug – wenn er korrekt genutzt wird. Details wie der Funktionstest, das Rotieren der Injektionsstellen oder das richtige Handhaben der Kanüle können die Glukoseverläufe beeinflussen. Wer die Technik beherrscht und bewusst anwendet, profitiert von einer besseren Wirkung des Insulins, weniger Nebenwirkungen und mehr Sicherheit im Alltag.
von Regine Werk
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (1/2) Seite 18-19
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 5 Tagen, 23 Stunden
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]





