- Eltern und Kind
Was ist neu an den neuen Leitlinien?
3 Minuten
Wie wird Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen behandelt? Handlungsempfehlungen dafür geben die Leitlinien. Diese liegen nun in einer überarbeiteten und aktualisierten Fassung vor und werden vorgestellt von Professor Andreas Neu.
Unter dem Titel “Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter” wurden vor kurzem die neuen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) fertiggestellt und veröffentlicht. Leitlinien sind Handlungsempfehlungen für Ärzte und andere Therapeuten. Im Gegensatz zu Richtlinien sind sie nicht bindend, sondern müssen dem Einzelfall angepasst werden. Umfassende Leitlinien berücksichtigen auch die Patientenperspektive. Dies ist bei der Aktualisierung der pädiatrisch-diabetologischen Leitlinien erfolgt.
Orientierung durch Leitlinien
In zehn Kapiteln richten sich diese Empfehlungen an alle Berufsgruppen, die Kinder und Jugendliche mit Diabetes sowie deren Familien betreuen und unterstützen, und an übergeordnete Organisationen (z. B. Krankenkassen). Nachzulesen sind die Leitlinien auf der Homepage der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen und medizinischen Fachgesellschaften).
Wichtiges Anliegen der Leitlinien ist es, Orientierung zu geben bei Diagnostik, Therapie und im Verlauf des Diabetes im Kindes- und Jugendalter. Sowohl medizinische als auch psychologische Besonderheiten dieser Altersgruppe fanden bei der Erstellung der Leitlinien Berücksichtigung.
Die Rahmenbedingungen für eine Leitlinienerstellung im medizinischen Bereich werden vorgegeben durch die AWMF. Neben zahlreichen Experten des Fachgebiets wurden deshalb benachbarte Fachgesellschaften, Patientenvertreter und berufsständische Organisationen in den Prozess der Leitlinienaktualisierung eingebunden. 632 Literaturzitate fanden Eingang in die Neufassung. Im Rahmen einer Konsensuskonferenz in 2015 haben die Vertreter der Fachgesellschaften und die Kapitelautoren alle neuen Empfehlungen abgestimmt. Insgesamt erstreckte sich der Prozess der Überarbeitung über zwei Jahre.
Bewährte Prinzipien wurden in der aktuellen Leitlinienfassung beibehalten. Dazu zählen die vier wichtigen Ziele der Langzeitbetreuung:
- Vermeidung akuter Stoffwechselentgleisungen
- Reduktion diabetesassoziierter Folgeerkrankungen
- normale körperliche Entwicklung
- normale psychosoziale Entwicklung.
Neue Häufigkeitsangaben zum Diabetes haben Eingang gefunden in die Neufassung: Derzeit leben in Deutschland rund 30 000 bis 32 000 junge Menschen im Alter von 0 bis 19 Jahren mit Typ-1-Diabetes. Die Neuerkrankungsrate in Europa steigt jährlich um 3 bis 4 Prozent.
Mit dabei: CGM, SuT, SuP
Neben aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen in einzelnen Bereichen wurde ein neues Kapitel zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM), sensorunterstützten Insulintherapie (SuT) und sensorunterstützten Insulinpumpentherapie (SuP) eingefügt. Diese technischen Neuerungen sind ausführlich dargestellt, Einsatzmöglichkeiten und mögliche Stoffwechselauswirkungen werden beschrieben. Dies ist besonders deshalb von Bedeutung, weil Kostenträger und Verantwortliche im Gesundheitssystem auch auf diese Leitlinie zurückgreifen können und sie für Fragen der Kostenerstattung häufig heranziehen.
Breiten Raum hat das Kapitel zu psychologischen und sozialen Fragen gefunden. Hier geht es um die Beratung bei Diagnosestellung, die psychologische Begleitung im Langzeitverlauf, Fragen zur schulischen Leistung und um psychosoziale Interventionen. Im Einzelnen umfasst die Leitlinie die folgenden Kapitel:
- Anliegen und Hintergrund
- Epidemiologie und Formen des Diabetes im Kindes- und Jugendalter
- Risikofaktoren, Prävention und Früherkennung des Diabetes
- Therapie des Typ-1-Diabetes
- Psychologische und soziale Risiken, Komorbiditäten und Interventionen
- Akutkomplikationen
- Langzeitkomplikationen und Vorsorgeuntersuchungen (Screening)
- Assoziierte Autoimmunerkrankungen
- Andere Diabetesformen im Kindes- und Jugendalter
- eingesetzt werden zur Senkung der Hypoglykämierate (Häufigkeit, Dauer, Tiefe), bei wiederholten nächtlichen Hypoglykämien, bei fehlender Hypoglykämiewahrnehmung oder bei stattgehabten schweren Hypoglykämien.
- erwogen und ggf. eingesetzt werden, wenn der HbA1c-Zielwert nach Ausschöpfen anderer stoffwechseloptimierender Maßnahmen und Schulungen nicht erreicht wird.
- erwogen und ggf. eingesetzt werden in Sondersituationen (Diabetes bei Neugeborenen und Säuglingen, Diabetes Typ 1 bei minderjährigen Schwangeren).
(siehe Leitlinien, Absatz 4.4.9)
Fazit
Leitlinien sind ein wichtiges Hilfsmittel in der täglichen Praxis, weil sie neue wissenschaftliche Erkenntnisse, aber auch klinische Erfahrungen und bewährte Konzepte berücksichtigen und zur Grundlage von Empfehlungen machen. Die Überarbeitung der Leitlinien ist deshalb ein wichtiger Schritt für alle, die Heranwachsende mit Diabetes betreuen. Wunsch und Ziel eines solchen Werkes ist, die Versorgung von Kindern- und Jugendlichen mit Diabetes zu verbessern.
von Prof. Dr. Andreas Neu
Leitlinienkoordinator der AGPD,
Universitätsklinikum Tübingen,
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin,
andreas.neu@med.uni-tuebingen.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2016; 9 (1) Seite 8-9
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße