- Aus der Community
Wirbel im Krankenhaus
3 Minuten

Michael Denkinger berichtet, wie ein kleiner, ambulanter operativer Eingriff bei Luca zum Blutzuckerchaos führte, da der behandelnde Arzt sich nicht mit dem Diabetesteam abgesprochen hatte.
„Ferien sind super, könnte ich das ganze Jahr haben“, sagte Luca kurz vor der verordneten Auszeit des Kultusministeriums. Weil die Lehrerin explizit danach fragte, wiederholte er den Satz vor versammelter Klasse gleich noch mal. Nur auf eines in den Ferien freue er sich nicht – „meine Operation“.
Es war nur ein kleiner, ambulanter Eingriff, aber eine gewisse Restangst schwingt immer mit – vor allem bei den Eltern. Viele Gespräche wurden geführt, die OP zweimal von unserer Seite verschoben, weil der Junge erst erkältet war und danach einen Magen-Darm-Infekt hatte und weil infolgedessen auch die Blutzuckerwerte leicht erhöht waren. Schließlich stand der Termin fest, und auch die medizinische Vorgehensweise für Lucas Diabetes war klar: 1. Die Operation findet am frühen Morgen statt. 2. Luca verzichtet aufs Frühstück und spritzt sich kein Insulin.
Dann ging alles ganz fix: Luca bestellte noch schnell „Hähnchen mit Pommes“ zum Mittagessen und reichte meiner Frau einen Finger zur letzten Blutzuckerkontrolle: 229 mg/dl (12,7 mmol/l). Weil dieser Wert dem behandelnden Arzt zu hoch war, regte er eine Korrektur vor der OP an. Meine Frau verwies auf die mit dem Diabetesteam abgesprochene Korrektur nach der Operation und zog sich in den Warteraum zurück.
Blutzuckerchaos durch nicht abgesprochene Bolusgabe
Nach ihrer Rückkehr in den Aufwachraum wunderte sie sich über Lucas fahle Gesichtsfarbe. Die Messung bestätigte den Verdacht: Unser Sohn hatte einen Blutzuckerwert von 38 mg/dl (2,1 mmol/l). Wenig später war klar, warum: Der behandelnde Arzt hatte mit 6,0 Einheiten Bolus-Insulin korrigiert, ohne dies mit dem Diabetesteam oder uns vorher abzusprechen. Anschließend bemängelte er die „extremen Schwankungen“ der Werte und wollte unseren Sohn zur Beobachtung für eine Nacht im Klinikum behalten.
Es folgten sehr kontroverse Gespräche. Immer wieder fielen die Begriffe „Vertrauensverlust“ und „Kommunikationsdefizite“. Nachdem eine Diabetesexpertin grünes Licht gab, verließen wir noch am selben Tag das Klinikum, in dem wir uns seit der Diabetesdiagnose 2008 sehr gut aufgehoben fühlen.
Fragen blieben: Warum waren Lucas Blutzuckerwerte nach der Operation so konstant hoch? Fast eine Woche lang schlugen die Werte bei 300, teils sogar 400 mg/dl (16,7 bzw. 22,2 mmol/l) an, ganz egal, wie hoch die Korrekturdosis war (10,5 Einheiten Bolus-Insulin zum Frühstück!).
Als Lucas „riesiger Hunger“ zurückkehrte, wurde die Herausforderung noch größer. Bis zu 15-mal pro Tag kontrollierten wir Lucas Blutzuckerwert. Als hätte jemand einen Schalter gedrückt, pendelten sich die Werte wieder im Bereich von 100 mg/dl (5,6 mmol/l) ein. Nach und nach konnten wir die Insulinzufuhr reduzieren.
Im Zweifelsfall lieber nochmals nachfragen!
Erst jetzt war Zeit, um alle Gespräche genau zu rekonstruieren, die es im Vorfeld von Lucas Operation mit den Ärzten gegeben hatte. Bis zum heutigen Tage sind sich meine Frau und ich einig, dass die genaue Vorgehensweise vor dem Eingriff klar besprochen worden war.
Und doch bleibt für uns die Erkenntnis: im Zweifelsfall lieber nochmals nachfragen, erklären, aufklären und abklären, ob der Diabetesexperte im näheren Umfeld des OP-Saals präsent ist und im Notfall beraten oder die Eltern zu Rate ziehen kann. Und: Einschätzungen der Eltern müssen unbedingt ernst genommen werden.
Nur einer hat alles richtig gemacht: Luca. Er war einmal mehr ein tapferer Junge – vor der Operation und in den Wochen danach. Dass er in der ersten Zeit danach nicht einmal Fußball spielen konnte, nahm er (fast) klaglos hin, ebenso die zahlreichen Korrekturen seines Blutzuckerwertes. „Auf Krankenhaus“ hat unser Sohn „jetzt aber erstmal keine Lust mehr“.
von Michael Denkinger
Michael Denkinger (43) lebt mit seiner Familie nahe Memmingen und hat drei Kinder: Luca (10 Jahre), Angelina (13) und Timo (6). Er ist Inhaber der PR-Agentur Denkinger Kommunikation.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 5 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße