- Ernährung
Abnehmen! Aber wie?
4 Minuten

Rund 20 Millionen Menschen hierzulande sind zu dick. Übergewicht ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern ein zentraler Risikofaktor für Herzerkrankungen, bestimmte Krebsarten, Demenz und natürlich Typ-2-Diabetes. Es lohnt sich also immer, etwas dagegen zu tun. Lassen Sie sich aber nicht zu nur kurzfristig wirksamen Diäten verführen, sondern packen Sie das Übel an der Wurzel. Die sitzt allerdings meist tief – kurzum: Erfolgreiches und gesundes Abnehmen braucht Zeit und Geduld.
Wer übergewichtig ist, trägt eine schwere Last mit sich herum – auch im übertragenen Sinn. Denken Sie nur daran, wie die Umwelt oft darauf reagiert: Dicke Menschen gelten zwar als gemütlich und gesellig, aber auch als willensschwach, faul und schlapp. “Die müssen sich einfach mehr zusammenreißen”, heißt es.
Alles leider nicht so einfach …
Leider ist das nicht so einfach. Die meisten Übergewichtigen würden sich – hätten sie bei einer guten Fee einen Wunsch frei – ein gesundes Gewicht ohne Jo-Jo-Effekt wünschen. Ein Großteil leidet still, fühlt sich schuldig und als Versager. Schokolade und andere kulinarische Seelentröster beruhigen zwar kurzfristig das schlechte Gewissen, aber leider werden dadurch Hosen und Röcke noch enger. Allein ist es für viele einfach nicht zu schaffen, dem Übergewicht auf Dauer Herr zu werden.
Trotzdem probieren viele im Frühjahr eine der neuen Trenddiäten aus. Das sind oft entweder Kostformen in Richtung Trennkost oder es soll z. B. die Blutgruppe eine entscheidende Rolle spielen. Bei anderen Diäten gibt es verschiedene Phasen, in denen nur bestimmte Lebensmittel gegessen werden dürfen. Das alles klingt seltsam – und trotzdem lassen sich viele Menschen auf diese Trenddiäten ein.
Hände weg von Trenddiäten
Der gesunde Menschenverstand müsste angesichts dieser Art von Diäten eigentlich Alarm schlagen und melden: Lass das sein, damit lässt sich nicht langfristig abnehmen! Aber leider möchte der Mensch verführt werden – z. B. von vollmundigen Versprechen, dass es mit dieser revolutionären Methode endlich gelingen wird, den Stoffwechsel umzuprogrammieren.
Heißhunger und unliebsame Essgewohnheiten sollen der Vergangenheit angehören, ganz zu schweigen vom Jo-Jo-Effekt, der selbstverständlich ausbleiben wird. Doch leider entpuppen sich die toll aufgemachten Programme meist als Wolf im Schafspelz – sie taugen auf Dauer nichts.
Diabetes und Übergewicht
Wer sein Gewicht auf Dauer in den Griff bekommen möchte, sollte geduldig sein. Denn Abnehmen ist nur dann wirklich von Erfolg gekrönt, wenn es als langfristiges Projekt akzeptiert wird. Und dazu gehört es auch, Rückschläge und Durststrecken zu verkraften und nicht aufzugeben.
Um das Thema besser als Ganzes zu begreifen, gibt es ein paar Faktoren, die im Hinblick auf Diabetes wichtig sind.
Risikofaktoren, die Übergewicht und Adipositas begünstigen
- genetische Ursachen/familiär bedingt
- Lebensstil (Bewegungsmangel, ungünstige Essgewohnheiten)
- ständige Verfügbarkeit von Essbarem
- Schlafmangel
- Stress
- depressive Erkrankungen
- niedriger Sozialstatus
- Essstörung (z. B. wiederkehrende Essattacken und nächtliche Essanfälle)
- endokrine Erkrankungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion, Cushing-Syndrom)
- Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Antidepressiva, Neuroleptika, Antiepileptika, Diabetesmedikamente (s. Tabelle), einige Anti-Baby-Pillen, Kortison, Betablocker)
- andere Ursachen wie Schwangerschaft, Nikotinverzicht, Bewegungsarmut aufgrund eines Handicaps oder Unfalls
Wie Diabetesmedikamente das Gewicht bei Typ-2-Diabetes beeinflussen
| Metformin: | - 1 kg |
| Sulfonylharnstoffe: | + 1 bis 2 kg |
| Alpha-Glukosidase-Hemmer: | neutral |
| Thiazolidindione: | + 3 bis 4 kg |
| DPP-4-Hemmer: | neutral |
| SGLT-2-Hemmer: | - 2 bis 3 kg |
| Insulin: | + 1 bis 10 kg |
| GLP-1-Mimetika: | - 2 bis 3 kg |
Quelle: Evidenzbasierte Adipositastherapie und empfehlenswerte Programme, Prof. Hans Hauner, DDG-Herbsttagung 2015, Düsseldorf
Erfolgreich abzuspecken ist ein langfristiges Projekt
Wer abnehmen möchte, kann auch an einem zeitlich begrenzten Programm teilnehmen – z. B. im Fitnessstudio, in der Apotheke, in Diätzentren oder der Arztpraxis. Wenn Sie sich dafür interessieren, sollten Sie einige Fragen klären:
- Wie lange dauert das Programm?
- Wird eine Nachsorge angeboten?
- Was kostet die Teilnahme?
- Wie sieht die Lebensmittelauswahl aus? Sind bestimmte Produkte nicht erlaubt?
- Müssen zusätzlich Präparate, z. B. mit Spritzen, eingesetzt werden?
- Auf welchen wissenschaftlichen Gesichtspunkten basiert das Programm?
- Ist es mit Ihrem Diabetes vereinbar?
- Welche Qualifikation hat der Referent? Wie gut kennt er sich mit Diabetes aus?
- Welche Rolle spielen regelmäßige Bewegung und Selbstbeobachtung?
Ein seriöses Ernährungsprogramm sollte die folgenden Anforderungen erfüllen:
- Es sind keine ergänzenden Präparate, Spritzen oder speziellen Lebensmittel nötig.
- Das Konzept basiert auf den Empfehlungen der führenden Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Adipositas-Gesellschaft).
- Die Kosten sind im moderaten Rahmen.
- Das Konzept ist langfristig angelegt, mit entsprechender Nachbetreuung.
- Alle Lebensmittel sind erlaubt, denn es soll ein neues Essverhalten erlernt werden.
- Regelmäßige Alltagsbewegung gehört zum Programm, ebenso wie die Selbstreflexion.
- Die durch das Programm innerhalb von sechs bis zwölf Monaten mögliche Gewichtsabnahme liegt bei 5 Prozent des Ausgangsgewichts. Dies gilt für einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 35 kg/m², ab einem BMI von 35 kg/m² und mehr sind es 10 Prozent des Ausgangsgewichts.
Low carb oder low fat: Was ist besser?
Galten früher Fette als Dickmacher erster Güte, sind es seit ein paar Jahren die Kohlenhydrate. Sie werden derzeit als Grund für Übergewicht und Adipositas an den Pranger gestellt. Deshalb ist derzeit low carb populär, also eine Ernährung mit möglichst wenigen Kohlenhydraten. Darauf schwören auch viele Prominente. Die Realität sieht anders aus: Untersuchungen haben gezeigt, dass low carb und low fat (Ernährung mit wenig Fett) nach sechs und zwölf Monaten zu einer vergleichbaren Gewichtsabnahme führten.
Das bestätigt auch Professor Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungstherapie in München: “Die Unterschiede der Gewichtsreduktion zwischen verschiedenen Kostformen, sprich low fat und low carb, sind minimal. Für die Praxis ist viel wichtiger, dass Betroffene die Ernährungsform wählen, die gut zu ihrem Alltag passt, mit der sie sich gut fühlen und die sie dauerhaft praktizieren können.”
- fettarme, kohlenhydratbetonte Kost (30 bis 35 Prozent Fett, 50 Prozent Kohlenhydrate, 15 bis 20 Prozent Eiweiß pro Tag)
- kohlenhydratarme Kost (30 bis 40 Prozent Kohlenhydrate pro Tag)
- vegetarische Kost
- Mittelmeerkost (30 bis 35 Prozent Fett, 50 Prozent Kohlenhydrate, 15 bis 20 Prozent Eiweiß pro Tag)
Lediglich in besonderen Situationen (z. B. bei der Vorbereitung auf eine Operation, Stärkung der Motivation) können, unter ärztlicher Aufsicht, Formula-Diäten (die Grundlage ist hier oft ein Nährstoffpulver) sinnvoll sein, erklärt Hauner. Formula-Diäten liefern im Schnitt 800 bis 1 200 Kilokalorien täglich und sollten nur eine begrenzte Zeit durchgeführt werden.
Rezepte
von Kirsten Metternich von Wolff
Kirsten Metternich von Wolff hat eine ernährungsmedizinische Ausbildung mit Zusatzqualifikation bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie als freie Journalistin, Buchautorin und Referentin. Gesunde Ernährung bei Diabetes ist einer ihrer thematischen Schwerpunkte.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (3) Seite 70-73
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kety22 postete ein Update vor 5 Tagen, 10 Stunden
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 1 Tag, 7 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 4 Tagen
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?


