- Ernährung
„Alte Schule“: Neue Lehre
5 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im Oktober: In einer herrlichen Seenlandschaft nördlich von Berlin wird nach der neuen Küchenlehre gekocht: Nah, sanft und köstlich
Schon die Fahrt entführt in schöne Sphären: Vom Berliner Hauptbahnhof fährt der Zug in einer Stunde ins hübsche Residenzstädtchen Neustrelitz. Von dort zuckelt der Bus durch verwunschene Wälder, vorbei an kleinen Seen und Dörfern nach Feldberg, Hauptort der gleichnamigen Seenlandschaft. Mit dem Taxi sind es dann noch einmal zehn Minuten vorbei am Wootzener See nach Fürstenhagen, wo steil auf einem Hügel die „Alte Schule“ thront. Einen ersten kulinarischen Eindruck vermittelt der Taxifahrer, der mir eine Stelle zeigt, wo sagenhaft viele Steinpilze wachsen.
Gehören zum Hotel: Eigene Liegewiese und Badesteg
Ein prächtiges Anwesen ist die „Alte Schule“, die von Daniel und Nicole Schmidthaler bewirtschaftet wird. Aus den Klassenzimmern wurde der Speisesaal, aus den übrigen Räumen wurden acht gemütliche Gästezimmer, wo es sich in himmlischer Ruhe für 100 Euro zu Zweit mit einem prächtigen Frühstück nächtigen lässt. Gegenüber gibt es ein Gästehaus mit zehn Maisonettewohnungen, speziell für Familien. Ergänzt wird das Ganze noch durch ein eigenes Standesamt, das praktischerweise direkt neben der alten Kirche liegt. Nur wenige Meter unterhalb des Restaurants liegt der Wootzener See, wo das Hotel einen eigenen Badesteg hat.
Schulsaal wird Speisesaal: Gastraum „Alte Schule“
Aus der Gegend mit den vielen schönen Seen stammt Nicole Schmidthaler, und sie lernte in verschiedenen Stationen im Ausland das Hotelhandwerk von der Pike auf. In Kitzbühel traf sie dabei Daniel Schmidthaler, wo der geborene Oberösterreicher einer der Küchenchefs in einem Spitzenrestaurant war. Gemeinsam eröffneten sie vor rund zehn Jahren die „Alte Schule“, deren Restaurant „Klassenzimmer“ schon seit vielen Jahren ein völlig verdienter Michelin-Stern schmückt.
Selbst gebacken: Emmer- und Kartoffelbrot mit Speck
Fern üblicher gastronomischer Lieferdienste liegt das „Klassenzimmer“. Daniel Schmidthaler macht daraus das Beste und bezieht fast alle Viktualien aus der nahen Umgebung. Etwa Obst und Gemüse vom Gemüsegarten „Lubahns“ und ausgefallene Kräuter von der Gärtnerei „Guter Heinrich“ aus Ückeritz. Raffiniert-deftig sind die Kleinigkeiten vorneweg, wo mir eine Art Krapfen mit Lammnierchen besonders in Erinnerung bleibt. Ein süchtig machendes Gedicht das selbst gebackene Kartoffelbrot mit Speck sowie das Emmerbrot mit kräftiger Kruste. Dazu ein Erdapfelkas, die Edelvariante eines Obatzters.
Was verstecken die Kartoffelscheiben? Zander
Weil je nach Tagesangebot gekocht wird, gibt es keine Karte mit einzelnen Gerichten, sondern Menüs von 6 bis 9 Gängen. Wir wählen die völlig ausreichende 7-gängige „Schulspeisung“ für 104 Euro und starten mit einem begeisternden Gang: Scharf angebratene und trotzdem saftige Wachtelbrust, plus einem Kürbisröllchen, gefüllt mit Wachtelhack. Alles in einer Apfelessigsauce und raffiniert veredelt mit Orangenverveine. Es folgt roher Zander aus einem nahen See, bedeckt mit dünnen, fast rohen Scheiben einer in Sauerkrautsaft gekochten Kartoffel, bestreut mit Limettenstaub und Schnittlauchröllchen. Sieht hinreißend aus – und schmeckt genau so!
Auf einem Zapfen gegart: Saibling
Selten habe ich so viele Pilze gesehen wie rund um Fürstenhagen, etwa den Zuckerzähmer Schopftintling. Gespannt bin ich deshalb auf die selbst gesammelten Steinpilze und Maronen. Nun, etwas „pilziger“ schmeckend hätte ich sie mir vorstellen können – und warum da plötzlich eine Salzzitrone in das Gericht grätscht, erschließt sich mir nicht. Dafür entschädigt eine himmlisch gute Crème aus Kerbel, Petersilie und Zitronenverveine. Spektakulär der nächste Gang, der wieder mustergültig für den schonenden Umgang mit Fisch steht: Ein sanft auf einem Zapfen gegarter Saibling, serviert mit einer Art Chutney aus Pfirsich, grünem Wacholder und grünem Paprika.
Wilde Liebe: Ackersenf, Fischhaut, Zierquitte
Der magischste Gang: Geschmorte Zierquitte, geschmückt mit zart-scharfem Ackersenf, beträufelt von weißer Schokolade. Alles schwimmt in einem würzigen Räucherfischsud, wo auch noch fermentierter Knoblauch, Duftgeranie und frittierte Fischhaut ihr Aroma zu einem kraftvoll-intensiven Bouquet beisteuern. Welcher Wein passt zu dieser Melange? Ein 2016er Grüner Veltliner Smaragd vom Wachauer Paradeweingut Knoll! Beeindruckend, wie dieser vielschichtige, 13,5 Prozent-starke Tropfen, das Gericht um weitere Dimensionen erweitert. Sicher, er kostet 75 Euro, was er aber wert ist. Keine Angst, es gibt auch preiswertere, sehr gute Weine.
Mohnschaum, Rote Bete und verborgen: Tafelspitz
Daniel Schmidthaler versteckt gern: Unter einer supersaftigen, in einem Jus von Schwarzer Johannisbeere geschmorten, Shiso-verzierten Roten Bete verbergen sich Tafelspitz und Rücken vom Brandenburger Rind. Oft ist Tafelspitz leicht trocken, hier ist er schön fett und saftig. Und links daneben? Ein hinreißender Blaumohnschaum – Referenz an die österreichische Heimat des Kochs. Gottseidank entdecke ich noch den höchst intensiven, reduzierten Rindsfond, den der sehr charmante Service leider vergessen hatte. Das ist ein kleines Manko: Bis auf die souveräne Wirtin ist der Service leider nicht immer textsicher beim Ansagen der allerdings auch komplexen Gerichte. Hier empfiehlt sich ein Nachsitzen, um die Versetzung nicht zu gefährden.
Das Beste, was ein Apfel werden kann: Dessert
Sehr zu loben: Die beiden Desserts sind nicht zu süß. So schmeckt der Nussbutterkuchen mit in Fichtennadelsud gekochter Birne leicht salzig. Auch hält der hier abgebildete Apfelpudding mit Kräutersorbet den Zucker im Zaum, obwohl er mit süßem Engelshaar geschmückt ist. Aber das alles schwimmt ja auch in einer Apfel-Meerrettich-Crème mit Wildkerbel. Perfekt passt dazu ein Cidre aus der Bretagne.
Sicher, es sind viele Gänge. Aber kein Gang gerät mächtig und gerade die Fische werden ernährungsphysiologisch optimal zubereitet, was nur mit topfrischer Ware gelingt.
Weiß, wo die Ware herkommt: Daniel Schmidthaler
Fazit: Eine faszinierende und bekömmliche Landküche, die immer wieder eine Entdeckungsreise wert ist.
„Alte Schule“
Adresse: Zur Alten Schule 5, 17 258 Feldberger Seenlandschaft, Ortsteil Fürstenhagen
Öffnungszeiten: Im Winter von Freitag bis Sonntag ab 18 Uhr geöffnet.
Kontakt: 039 831/22 023, www.restaurant-alteschule.de
Tipp: „Heilige Hallen“ heißt ein seit 1850 geschützter Urwald mit über 200 Jahre alten Buchen nahe Feldberg, der nicht betreten werden darf, außer bei geführten Touren.
ECHT ESSEN
heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
