- Ernährung
Ampel und Sondersteuer: Alles nur Hokuspokus, Frau Connemann?
2 Minuten

Eine Ampelkennzeichnung auf Verpackungen sowie eine Sonderbesteuerung stark zuckerhaltiger Lebensmittelprodukte wird von vielen gefordert: Parteien, medizinischen Fachverbänden, Selbsthilfeorganisationen, Verbraucherschützern etc. Doch eine CDU-Politikerin sieht darin allein „Hokuspokus“ von „Aktivisten“. Eine Replik.
Ein gängiges politisches Manöver, um einen missliebigen Standpunkt in Verruf zu bringen, ist, nicht nur diesen selbst verbal anzugreifen, sondern auch diejenigen, die ihn vorbringen. Ein Paradebeispiel dafür lieferte kürzlich Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. In einer Pressemitteilung ihrer Fraktion vom 30. August mit dem Titel „Strafsteuern lösen das Diabetes-Problem nicht“ kommentiert sie:
„Übergewicht und Diabetes […] fordern Gesellschaft und Politik. Dagegen gibt es aber kein Allheilmittel. Foodwatch suggeriert jedoch genau dies. Der Verein gibt vor, das Patentrezept gefunden zu haben. Simsalabim. Mit Zuckersteuer und Ampelkennzeichnung sollen alle Probleme gelöst werden. Hokuspokus. Da machen es sich die Aktivisten zu einfach. Diabetes kann nicht wegbesteuert werden.“
Und weiter heißt es:
„Die Forderung nach einer Zuckersteuer ist vielleicht plakativ. Und die martialische Öffentlichkeitsarbeit hilft Foodwatch wahrscheinlich dabei, Spenden einzusammeln. Aber Zuckersteuern können das Problem nicht beheben. Das ist Augenwischerei.“
Ampelsystem und Sondersteuer: „foodwatch“ steht nicht allein da
Ja, der Verbraucherschutzverein foodwatch mag seine Ziele in der Tat offensiv und plakativ vortragen. Ja, er mag auch mit Zuspitzungen oder Übertreibungen arbeiten, um seine Standpunkte in die breite Öffentlichkeit zu tragen (wie es allerdings ebenso die betreffenden Industrieverbände auf der Gegenseite tun). Doch von Connemann dabei gänzlich unerwähnt bleibt, dass die „Aktivisten“ (das klingt so schön despektierlich nach dubiosen linken Öko-Revoluzzern) damit keineswegs allein dastehen:
Denselben Standpunkt vertritt die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), ein Zusammenschluss von 17 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen (u. a. diabetesDE, Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Herzstiftung, Deutsche Adipositas-Gesellschaft); diabetesDE und DDG haben zu dem Thema mit foodwatch sogar schon gemeinsame Pressemitteilungen veröffentlicht.
Arbeiten diese renommierten Fach- und Patientenverbände also ebenfalls mit „Hokuspokus“ und „Simsalabim“? Sind das auch „Aktivisten“ mit einer „martialischen Öffentlichkeitsarbeit“, um damit „Spenden einzusammeln“? Dass an dem „Hokuspokus“ doch mehr dran sein könnte, als ihre Wortwahl vermuten lässt, darüber kann Connemann sich ja auch einmal mit ihrem engagierten Fraktionskollegen Dietrich Monstadt austauschen: Der Unionspolitiker und Typ-2-Diabetiker macht sich nämlich ebenfalls stark für eine Sonderbesteuerung zulasten von Produzenten besonders zuckerhaltiger Säfte und Limonaden!
Freiwillige Selbstkontrolle der Industrie? Dieselaffäre lässt grüßen…
Natürlich kann man sich streitenüber die Wirkung von Ampelkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen sowie Sonderbesteuerung stark zuckerhaltiger Produkte – und Allheilmittel sind diese Vorhaben für sich allein gewiss nicht. Doch das Thema ist aus meinem Blickwinkel zu wichtig, die Folgen sind zu gravierend, um von einer Politikerin in solch verantwortlicher Position in Form einer polemischen Glosse aufgearbeitet zu werden.
Zumal Connemanns eigene Lösungsansätze für sich allein sicherlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind: Sie fordert mehr Aufklärung und Transparenz (was foodwatch und Fachgesellschaften auch tun) und von der Lebensmittelbranche eine freiwillige Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten – wie ratsam bedingungsloses Grundvertrauen in gewinnorientierte Unternehmen prinzipiell ist, hat jüngst die Dieselaffäre anschaulich gezeigt …
von Gregor Hess
Redaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag,
Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 65 (10) Seite 29
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht

2 Minuten
- Begleit-Erkrankungen

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
@calvin240
Ich hätte eine Frage zum
Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.
- lena-schmidt antwortete vor 1 Woche, 2 Tagen
Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staatsexamen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena
jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Hallo zusammen,
heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
Wir freuen uns auf Euch! 🙂Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im September – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 8. September! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]





Habe ich angenommen, schreibe mir gerne eine Nachricht
Liebe Grüße