Darfst du? Weißt du? Kannst du? – Über das Essen mit Diabetes

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Community-Beitrag
Darfst du? Weißt du? Kannst du? – Über das Essen mit Diabetes

„Aber darfst du das überhaupt essen?“ – Immer wieder stellen mir Menschen diese Frage, wenn sie herausfinden, dass ich Diabetes habe. Ja, ja, ja, ja! Ich darf alles essen. Kuchen, Maiswaffeln und, wenn es sein muss, auch ein ganzes Stück Butter (sofern ich das denn überhaupt möchte). Mit meinem Typ-1-Diabetes geht das theoretisch alles – Hauptsache, ich achte auf meine Blutzuckerkurven und spritze die korrekte Menge Insulin für die Kohlenhydrate, die ich zu mir nehme. Warum ganz genau sich dieses Vorurteil so hartnäckig in die Köpfe der Menschen ohne Diabetes gebrannt hat, kann ich euch nicht hundertprozentig sagen.

muffins
Quelle: Tine Trommer

Darfst du? Diabetesdiät? Überholt!

Mittlerweile gilt eine spezielle Diabetesdiät als überholt. Nicht umsonst ist das Produzieren spezieller Diabetesprodukte schon seit 2012 verboten, einfach weil sie keine Vorteile gegenüber anderen Lebensmitteln haben. Im Gegenteil, die Zuckeraustauschstoffe erhöhen zwar den Blutzucker geringer oder nicht, machen aber mit ihren Kalorien trotzdem dick. Zudem kann unser Darm Zuckeraustauschstoffe schlechter verdauen. Wen verwundert es da wirklich, dass Kunstzucker einem Körper auch nichts bringt? Ganz grundsätzlich gelten für Menschen mit Diabetes die gleichen Empfehlungen zu gesunder Ernährung wie für alle anderen Menschen auch. Leere Kalorien gilt es zu vermeiden und auf dem Teller soll es bunt sein!

nudels
Quelle: Tine Trommer

Fest steht: Selbst ich dachte am Tag meiner Diagnose, dass es nun vorbei ist mit dem Essen bei mir. Das war’s. Ende. Dass es nicht so ist, weiß ich inzwischen zum Glück auch. Meine Diabetesberaterin merkte vor vier Jahren recht schnell, dass mir das Thema sehr wichtig ist, und begann unsere erste Sitzung am Tag der Diagnose direkt mit den Worten: „Keine Sorge, Sie dürfen weiterhin alles essen!“ Das beruhigte mich damals ungemein, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt.

Weißt du? Wir sind unsere eigenen Nährstofftabellen!

Wir Menschen mit Diabetes kennen uns eigentlich ja ganz schön gut aus mit dem Essen, das wir uns so in den Mund stecken. Sollten wir zumindest. Sollten wir. Wer jetzt merkt, dass er oder sie Nachholbedarf beim Kohlenhydrateschätzen hat, kann sich mit Büchern oder heutzutage sogar mit Apps fürs Smartphone behelfen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß? Falsch gedacht! Das Gegenteil ist der Fall: Je mehr wir über unsere Ernährung in Bezug auf den Diabetes oder andere Themen (dazu komme ich noch) wissen, desto besser für uns! Dazu kommt neuerdings immer häufiger das Thema Fett und Proteine zur Sprache – die nämlich wandeln sich zum Teil in unserem Körper zu Glukose um, und diese wiederum erhöht unseren Blutzucker. Wer gerne fett- und eiweißhaltige Mahlzeiten zu sich nimmt, sollte sich mit dem Thema spätestens jetzt auseinandersetzen. Kann der Kurve gut tun. Muss es aber nicht. Ich habe zwei ganz konkrete Fälle in meinem Freundeskreis. Bei Person 1 lässt Fett in Kombination mit Eiweiß sofort und volle Kanne den Blutzucker ansteigen. Die Kurve von Person 2 lässt diese Kombination kalt. Verrückt, wie unterschiedlich unsere Körper sind, oder? Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes versuchen auch, zum großen Teil auf Kohlenhydrate zu verzichten, weil sie damit einfach eine stabilere Kurve erzielen können als mit. Für mich persönlich ist das nichts, aber für wen es wirklich funktioniert, freut es mich natürlich sehr!

Kannst du? Do it yourself!

tacos
Quelle: Tine Trommer

Ich plädiere ja immer wieder fürs Selbstkochen. Man kann sich kreativ ausleben, ganz genau entscheiden, was auf den eigenen Teller kommt, und kann sich so nur Gutes tun. Deswegen versuche ich immer, so viele Rezepte mit euch zu teilen, hier in der Blood-Sugar-Lounge, auf meinem Instagram- oder Twitteraccount (beides @saytine), und euch zu zeigen, wie einfach gutes Essen sein kann! Simpel ist oft die Antwort. Gerne stehe ich lange und viel in der Küche – aber gesundes und vor allem auch leckeres Essen kann in 10 Minuten genauso gezaubert werden wie in 2 Stunden. Ich sorge tatsächlich immer dafür, dass mein Essen schön bunt ist und ich im Alltag vor allem viel verschiedenes Gemüse esse und mit den Sinnen spiele. Damit komme ich gut zurecht und meine Werte zeigen sich auch äußerst gnädig. Zum Dank dafür sagte mir meine Diabetesberaterin beim letzten Mal, dass mein gutes Cholesterin sehr hoch ist und lobte mich dafür. Alles essen, gesund sein, genießen und wissen, was drin ist im Essen – so stelle ich mir das vor und so läuft es im Moment ganz gut. Bis die nächste Essens-Überraschung um die Ecke kommt. Darfst du? Weißt du? Kannst du? Ich hoffe, dass irgendwann für alle die Antwort ein klares „JA!“ sein wird. Denn es ist für jeden von uns und auch unsere Umwelt wichtig, was wir essen. Mit oder ohne Diabetes.

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  • tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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