- Ernährung
Fit werden durch “Fit”-Futtern?
3 Minuten
Wer Lebensmittel isst, auf deren Etikett “fit” oder “Fitness” steht, will oft abnehmen und die eigene Fitness steigern. Ob das durch diese “Fitness”-Lebensmittel tatsächlich gelingen kann, haben Forscher aus München untersucht.
Mit „Fit“ oder „Fitness“ gekennzeichnete Lebensmittel stehen bei ernährungsbewussten Verbrauchern hoch im Kurs. Allerdings lassen sich Menschen, die eigentlich abnehmen wollen, von solchen Etiketten verleiten, mehr zu essen. Und nicht nur das: Obwohl sie mehr Energie aufnehmen, bewegen sie sich weniger als andere Versuchspersonen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität München (TUM) und der Pennsylvania State University.
Wer eigentlich abnehmen will, isst mehr “Fittes”
Viele Lebensmittel, zum Beispiel Müsliriegel, Milchprodukte oder auch Getränke, werden mit dem Zusatz „Fitness“ oder „fit“ vermarktet. „Wir haben uns gefragt, ob und wie sich diese Labels auf das Essverhalten der Verbraucher auswirken“, sagt Prof. Jörg Königstorfer, TUM-Professor für Sport- und Gesundheitsmanagement, der die Studie zusammen mit Prof. Hans Baumgartner von der Pennsylvania State University durchgeführt hat.
Tatsächlich zeigte die Fitness-Kennzeichnung Effekte – am deutlichsten bei Personen, die angegeben hatten, Probleme mit dem Gewicht zu haben und abnehmen zu wollen. „Diese Gruppe griff bei den angebotenen Snacks stärker zu als andere Studienteilnehmer. Sie nahmen zwischen 50 und 100 Kilokalorien mehr auf“, erläutert Königstorfer.
Studentenfutter mit Turnschuhen auf der Packung – das muss doch gesund sein!
In ihrer Untersuchung spiegelten die Wissenschaftler vor, Geschmackstests für ein neues Studentenfutter durchzuführen. Sie gaben den Probanden acht Minuten Zeit, das Produkt zu verkosten und zu bewerten – und baten sie, sich dabei vorzustellen, sie würden zu Hause einen Nachmittagssnack verzehren.
Ein Teil der Versuchspersonen erhielt eine als „Fitness“-Studentenfutter deklarierte Packung, auf der zusätzlich ein Paar Turnschuhe abgebildet war und die etwa 800 Gramm enthielt. Dem anderen Teil präsentierten die Studienleiter eine neutrale Verpackung. Nach dem Test füllten die Versuchspersonen einen Fragebogen aus, der neben der Geschmacksbewertung auch Essgewohnheiten und gesundheitliche Daten abfragte.
Wer “fit” futtert, bewegt sich weniger
In einem weiteren Experiment baten die Studienleiter die Probanden nach der Verkostung auf ein Ergometer. „Wir erklärten ihnen, die Wechselwirkung von Nahrungsaufnahme und körperlicher Bewegung untersuchen zu wollen“, sagt Königstorfer. „Dabei konnten die Probanden selbst entscheiden, wie lange und intensiv sie Rad fahren wollten.“
Dabei stellten die Forscher fest, dass der „Fitness“-Snack die abnehmwilligen Personen nicht nur dazu verführt hatte mehr zu essen. „Obwohl diese Gruppe deutlich mehr Energie, also Kalorien, aufgenommen hatte, waren sie auf dem Ergometer weniger aktiv,“ fasst Königstorfer zusammen. „Offenbar sehen diese Teilnehmer in der ‚fitten’ Nahrung einen Ersatz für körperliche Bewegung.“
Aufklärung relativiert „Fitness“-Wirkung
Außerdem untersuchten die Wissenschaftler, welche Rolle Informationen zum Produkt spielen. Dazu machten sie unterschiedliche Angaben: Ein Teil der Probanden, die abnehmen wollten, erhielt Informationen über gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wie Magnesium, Vitamin B und Ballaststoffe. Gegenüber der anderen Gruppe betonten die Wissenschaftler den hohen Fett- und Fruchtzuckergehalt des Studentenfutters.
„Wenn wir die Versuchsteilnehmer über den hohen Energiegehalt der Nussmischung aufklärten, verlor der Begriff ‚Fitness’ seine Wirkung“, so Königstorfer. „Alle Personen, die auf ihr Gewicht achten wollten, aßen dann ähnlich viel Studentenfutter.“
Die Autoren sehen in den Ergebnissen ihrer Studie einen klaren Hinweis, dass das „Fitness“-Label ein Risiko für übergewichtige Personen darstellt. „Für Menschen, die gerne und vielleicht auch zu viel essen, kommt das Wort ‚fit’ einem Freibrief gleich: mehr zu essen – und sich weniger zu bewegen, um den Energieüberschuss zu kompensieren.“
Quelle: Technische Universität München, Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitsmanagement
- Studie über Ehe und Ernährungsverhalten: Natürlich beeinflussen nicht nur die Etiketten auf Lebensmittel-Verpackungen unser Ess- und Bewegungsverhalten – es spielt auch eine Rolle, in welchem Beziehungsstatus man sich befindet.
- Blutzuckerfreundliches Frühstück: Wer morgens so richtig fit in den Tag starten möchte (egal, was auf einer Verpackung steht), kann bestimmt ein paar frische Frühstücksideen gut gebrauchen.
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 5 Tagen, 17 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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jasminj postete ein Update vor 6 Tagen
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 5 Tagen, 17 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 5 Tagen, 16 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 5 Tagen, 15 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 5 Tagen, 14 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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gregor-hess antwortete vor 4 Tagen, 20 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 4 Tagen, 6 Stunden
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jasminj antwortete vor 4 Tagen, 5 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
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galu postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂