- Ernährung
„Fonda Xesc“: Rustikal-raffiniert
7 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im September: Im Pyrenäen-Dorf Gombrèn triumphiert der Sellerie. Im „Compartir“ an der Costa Brava ist ein sensationelles Menü sensationell günstig. Zwei Beispiele für die kulinarische Exzellenz von Katalonien.
Katalonien. Da denken viele an den skurrilen Streit mit Spanien. Dieser schwer begreifbare Disput verstellt den Blick auf etwas viel Wichtigeres: Das Land ist ein kulinarisches Schwergewicht. Da locken gleich drei Drei-Sterne-Häuser, etwa das als weltbestes Restaurant gefeierte „Can Roca“ in Girona. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von einfachen Gasthäusern, die zu bezahlbaren Preisen beste Qualität liefern, wie „Cova Fumada“ in Barcelona. Grundlage für diesen kulinarischen Reichtum sind ausgezeichnete Produkte: Meeresfische, Schafe, Ziegen, Kühe, die sogar in den Wäldern weiden – und schmackhafte Milch für großartige Käse geben. Ergänzt durch gutes Obst, Gemüse, Pilze und natürlich ausgezeichnete Weine.
Ja, wo weidet sie denn? Milchkuh im Wald
„Wohlleben“-Wälder Schon häufig war ich in diesem Paradies – meistens an der Costa Brava, wo ich auch wieder im einzigartigen „Compartir“ war. Aber dieses Mal bin ich endlich auch in die Pyrenäen gefahren nach Gombrèn zum Geheimtipp „Fonda Xesc“. Rund zwei Stunden dauert die Fahrt von der Küste in die herrlich-hüglige Landschaft – und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus: Sind unsere Wälder voller abgestorbener Bäume, durchquere ich hier stundenlang prächtige, grüne Wälder – und das, obwohl es auch hier seit Monaten nicht geregnet hat. Woran das liegt? Hier durften sich die Wälder selbst stabil entwickeln, so wie es der kluge Waldexperte Peter Wohlleben fordert. Was lernen wir daraus? Nichts. Wieder werden mit viel Geld anfällige Waldplantagen gepflanzt, anstatt der Weisheit der Natur zu vertrauen.
Es grünt so grün: Wälder in den Pyrenäen
Beschaulich ist Gombrèn mit zwei Kirchen, einem quirligen Lebensmittelladen – und der „Fonda Xesc“ mitten im Dorf. Ein stattlicher Bau, wo in den dezent-eleganten Räumen einheimische Materialien wie Holz und Stein verbaut wurden. Francesc Rovira Canuda hat das seit 1975 bestehende Haus von seinen Eltern übernommen und daraus zusammen mit seiner Frau einen sympathischen Geheimtipp gemacht, wo auch angenehm übernachtet werden kann. Bei seiner Mutter hat er das Kochen gelernt, bevor er in besten katalanischen Häusern sein Handwerk so verfeinert hat, dass über seiner Fonda seit neun Jahren ein Michelin-Stern glänzt.
Hat seinen eigenen Stil gefunden: Francesc Rovira Canuda
Wir bestellen das 6-gängige Menü für angemessene 67 Euro – und werden zu Beginn mit witzigen Kleinigkeiten verwöhnt, etwa Lauch mit Minzcréme, Profiteroles mit Blauschimmelkäse und einer herrlichen Geflügelessenz, in der kleine Foie Gras-Stücke und Croutons schwimmen, und wo streifig geschnittener Salbei tiefgründig würzt. Etwas ganz Besonderes ist dann der erste Gang, eine Melange aus Komponenten, die gar nicht zusammen passen dürften: Rohe Gambas, Heringskaviar, Meerrettich und eine Creme aus Stangensellerie. Es passt aber wunderbar, die süßlichen, vom Sellerie bedeckten Gambas, der herzhafte Meerrettich – und das Geheimnis für die Leichtigkeit des Gerichts liegt wohl darin, dass das Püree eiskalt ist.
Macht der Sellerie-Creme Dampf: Meerrettich
Das soll ein Salat sein? Aber Claro: Mongeta tendra (grüne Bohnen), préssec (Pfirsich), cansalada (Speck) harmonieren zusammen mit Mangold und Trauben prächtig, wobei eine leichte Sauce alles auf das Trefflichste amalgiert. Ein Gericht, das wunderbar die Canuda-Philosophie (und damit auch die Philosophie der katalanischen Küche) auf den Punkt bringt: Wenige gute einheimische Produkte möglichst wenig verändert auf den Tisch bringen. Wobei nicht dogmatisch gearbeitet wird. Denn auf der Karte sind noch Kürbis und Mandeln verzeichnet, die bei uns durch Mangold und Speck ersetzt wurden. So kommt keine Langeweile auf!
Salat süß-sauer: Mit Pfirsich und Mangold
Kommt das meiste der Xesc-Küche aus der direkten Umgebung, so stammt der Fisch natürlich von der Costa Brava. Wir genießen Pagre, einen Fisch aus der Familie der Meerbrassen. „Das geschmackstarke Fleisch ist von einem sehr großen Fisch“, klären uns die fischkundigen Freunde auf, und der Koch erläutert, dass er die Tomate stundenlang im Ganzen einreduziert hat, auf dass sie diese Intensität erlange. Schlotzige, milde Zwiebeln, ein federleichter Jus, ein himmlisch-herbes Verveine-Blättchen lassen uns ein Hochamt der katalanischen Küche feiern. Passend begleitet von einem in der Amphore gereiften, salzig wirkenden Wein (Finca Olivardots, nicht weit von Gombrén) für sagenhafte 19 Euro.
Schwimmt im federleichten Jus: Pagre
Was braucht ein gutes Gericht? Exakt drei Komponenten: Ein bei 90 Grad fünf Stunden lang geschmortes, saftiges Zicklein; eine gekonnt geräucherte Aubergine, die so vom schlichten Begleitgemüse zum gleichberechtigten kulinarischen Partner der Ziege aufsteigt; ein sahniger, mit Sesam bestreuter Joghurt. Ach, ja, etwas fehlt noch zum Genießerglück: Der 2008er Rioja „Roda I“, der reifer Schluck für noch reiferen Schluck seine 65 Euro wert ist.
Trio Geniale: Aubergine, Zicklein, Joghurt
Ein stiller Typ, von dem eine wohltuende Kraft ausgeht, ist Francesc Rovira Canuda. Und ihm entgeht nichts. So ist ihm aufgefallen, dass ich auf seiner Speisekarte von „Tripa“, also Kutteln, begeistert war. Also gibt´s für uns aufs Haus die delikate Innerei mit Bacalau, dem getrockneten Stockfisch. Leicht angeröstet sind die Kutteln, ein Gedicht. Danach im Dessert eine Hommage an die Heimat: Höchst aromatische Brombeeren, die wir auf dem Spaziergang schon genascht haben. Begleitet von einer leicht salzigen Panna Cotta und einem erfreulich wenig süßen Holundereis. Ja, und dann noch ein Dessert aus herber Schokolade, Pflaume und Karamell.
Brombeeren, gekrönt von Holundereis: Dessert
Spezialisiert ist die „Fonda“ wie viele Gasthäuser in der Gegend auf Pilze – und es gibt sogar Trüffelführungen. Leider ist es derzeit dafür zu trocken, aber immerhin habe ich den Zucker senkenden Diabetes-Pilz Schopftintling gefunden – und roh gegessen.
Fazit: Eine geerdete, bekömmliche Naturküche, die den Weg ins grüne Pyrenäen-Paradies zum kulinarischen Pflichttermin macht.
„Fonda Xesc“
Adresse: Placa Roser,1, 17 531 Gombrèn
Öffnungszeiten: Geöffnet Dienstag bis Sonntag mittags. Freitag und Samstag auch abends.
Kontakt: 0034/972 730 404, www.fondaxesc.com
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Tipp 1: Wenige Schritte vom Restaurant liegt ein liebevoll gepflegter Apothekergarten, wo ich erfahre, dass der Buchs den Gallefluss natürlich anregt.
Tipp 2: Oberhalb von Gombrén warten zwei wunderhübsche romanische Kirchlein und der urige Gasthof „Santuari de Montrony“, wo ich eine Salat-Wurstplatte und eine mächtige Lammschulter plus Wein für keine 20 Euro gegessen habe.
Wächst bei Gombrèn: Zuckerzähmer Schopftintling
Begeistert habe ich vor drei Jahren schon einmal das „Compartir“ im traumschönen Dali-Städtchen Cadaques direkt an der Costa Brava vorgestellt. Wie magisch hat es mich wieder hingezogen – und ich war sogar zwei Mal da, um das phantastische 12-gängige Menü für sagenhafte 70 Euro zu genießen.
Wo der günstigste Genuss Kataloniens wartet: „Compartir“
Nur wenige Kilometer vom „Compartir“ entfernt liegt das „El Bulli“, jahrelang als bestes Restaurant der Welt Kultstätte für Gourmets. Längst hat Ferran Adrià das Kultlokal geschlossen, aber sein Wirken hat überall Spuren hinterlassen: Sein Bruder Albert besitzt in Barcelona gleich mehrere höchst nachgefragte Restaurants, wie etwa das „Tickets“. Selbst in Köln kocht mit Christiano Rienzner im „Pure White“ ein Ferran-Koch – und auch im „Compartir“ spielt der Bulli-Geist eine Rolle. Aber keine Angst, es wartet keine verkopfte Molekularküche, sondern es werden wenige Komponenten raffiniert kombiniert – und nur manchmal blinzelt molekularer Witz, etwa wenn eine „Olive“ künstlich nachgebildet wurde. Aber dafür unfassbar gut schmeckt.
Lassen Sie sich entführen zu einer unvergleichlichen Genussreise in zwölf Bildern:
Mozzarella: Schaumig geschlagen und mit „künstlicher“ Olive
Sardine: Mariniert mit Mandarinenschaum und Orange
Thunfisch: Der „Klassiker“ als Rolle mit Kapern und Rogen
Makrele: Mit Blumenkohl, Steinpilzen und eingedicktem Knoblauchöl
„Käse“: Besteht nur aus Mandeln. Plus Anchovis, Pinienhonig, Trüffelöl
Shrimps: Mit Kartoffelschaum, Wachteleiern, Bohnen, Erbsen und Senfkörnern
Stabmuschel: Mit Apfel, Fenchel und Nussbutter
Ei: Pochiert mit Räucherspeck und Parmesansauce
Jakobsmuscheln: Mit Kartoffelscheiben, Spinat, Geflügelfond
Entenbrust: Mit Zimtsauce, gegrillten Erdbeeren, Minze, Sauerrahm
Himbeeren: Als Eis und als Crumble
Schoko: Traumhaft gefüllt – und es gab noch Meringue mit Kokos
Das macht doch Laune! Vor allem bei dem Preis, wie gesagt 70 Euro. Wie das geht, weiß ich nicht. Die Löhne können nicht hoch sein, aber niemand wirkt verbittert. Im Gegenteil: Es herrscht eine ungeheure Freundlichkeit in dem lichten Lokal, wo auf vielen Plätzen draußen und drinnen serviert wird.
Hier meine Geschichte von vor drei Jahren – und der Hinweis, dass zum „Compartir“ das Zwei-Sterne-Restaurant „Disfrutar“ in Barcelona gehört, das aber wochenlang ausgebucht ist.
So, das war meine kleine Reise nach Katalonien, wobei ich auch noch im „Yukai“ mit einer phantastischen Ceviche vom heimischen Fisch in Port de la Selva war. Ein Muss ist in dem Fischerdorf die „Peixateria Puigvert“, wo abends der tagsüber gefangene Fisch verkauft wird – und das zu Preisen und in einer Qualität, von der wir hier nur träumen können.
Beste Laune, bester St. Pierre: „Peixateria Puigvert“
ECHT ESSEN
heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
