- Ernährung
„Genuss-Apotheke“: Aromeneleganz
5 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im September: Wer in Bad Säckingen die eleganten Gerichte genießt, braucht keine Apotheke.
Meine erste EchtEssen-Geschichte war im August 2009 der Küche von Raimar Pilz in Bad Säckingen gewidmet. Schon damals war ich begeistert, wie dieser ewig jugendlich wirkende Koch meist nur ein Produkt aromenstark und ästhetisch höchst ansprechend inszeniert – und zwar so, dass die Viktualien möglichst natürlich belassen werden, was der Bekömmlichkeit und der Gesundheit dient. Damals kochte er mit Annett Ronneberger, die den Service leitet, in der von der „Genuss-Apotheke“ nur wenige Meter entfernten „Fuchshöhle“.

Meer mit See vermählt: Auster und Forelleneier
Zur Einstimmung in das 6-gängige Menü für 155 Euro haben drei kleine Miniaturen ihren großen Auftritt: Ein Waldpilztrüffel mit Karottenchips, eine Entenleber mit Kürbiskrokant und mein persönliches Highlight: Eine leicht pochierte Auster, herzhaft begleitet von Kimchicéme, Forelleneiern und gekrönt von einem hocharomatischen Schaum.

Gesamtkunstwerk: Blau changierende Keramik, gelber Sud, roter Thunfisch
Ausgefallene Gewürze liebt Raimar Pilz über alles. Für mein Buch „Schönkost“ hatte er einmal ein ganzes Menü mit Vanille entwickelt. Bei meinem jüngsten Besuch in der Genuss-Apotheke (mindestens einmal pro Jahr bin ich da) gab es einen Sud aus Genmaicha, das ist eine Grüntee-Spezialität mit gerösteten Reiskörnern, was selbst ich als Grüntee-Fan nicht kannte. Farben- und geschmacksatt umhüllt der Sud feinsten rohen Thunfischbauch, der auf einem Sockel von eingelegtem Rettich thront – und von Imperialkaviar gekrönt wird. Und über allem wacht ein frisches Blatt von der Kapuzinerkresse. Ein gesunder Genusstraum!

Ein wenig Mimikry: Kalbskopf
Der kreative Küchenhandwerker verblüfft gerne mit Erwartungshaltungen. So nennt er in seinem Menüplan, den es gottlob bereits vor dem Essen zu lesen gibt, ein Gericht „Kalbskopf“, was deftige Assoziationen auslöst. Und was kommt? Ein Fumet, also eine stark reduzierte Brühe vom grünen Lauch, plus einem Jus von Sellerieschalen und natürlich ein Konzentrat vom Kalbskopf. Den raffinierten Pfiff verleiht dem aromatischen Meisterwerk „Vadouvan“, eine indische Gewürzmischung, in der sich gerne Samen vom Bockshornklee, Fenchel, Kreuzkümmel, ein Stelldichein geben, mit Vorliebe begleitet von Senfsaat, Knoblauch und Zwiebeln. Als wäre das nicht schon Intensität genug, begeistert auch noch ein elegantes Lauchöl, welches erfreulicherweise in einem Kännchen gereicht wird. Viele Worte für ein Gericht, das sich auch viel einfacher beschreiben ließe: „Genial“.
Vervollkommnet wird das Glück von einem leichtfüßig intensiven Grünen Veltliner vom Wiener Spitzenweingut Wieninger für 56 Euro.

Fett, wie kannst du schlotzig schmecken! Eifellamm
Wie ein gut gelauntes gastronomisches Seminar gestaltet sich ein Abend in der „Genuss-Apotheke“. Da wird zum perfekt auf den optimalen Punkt gegarten Eifellamm als Beilage „Yuzu Koshu“ gereicht, also eine Melange aus der asiatischen Zitronenfrucht Yuzu und der in Japan kultivierten Weißweinsorte Koshu. Aber selbstredend darf auch ein Lammjus nicht fehlen und zum saftig-schmelzigen Fett feuern fermentierte Pfefferkörner eine dezente Schärfe. Ach ja, irgendwo ist auch noch eine hocharomatische Scheibe von schwarzer Polenta, die wir doch glatt für Blutwurst gehalten hätten.
Kaum zu glauben, dass diese Zauberstücke aus der überschaubar großen offenen Küche stammen, wo der Meister derzeit allein am Herd steht – und ohne Hast und Hektik rund 20 Couverts schickt, wozu auf Vorbestellung auch eine exzellente vegetarische Variation gehört. Ich weiß, ich gerate ins Schwärmen, aber es ist wirklich beeindruckend.

Wildes kulinarisch gezähmt: Rehbock
Aus dem nahen Schwarzwald stammt der Rehbock, der Sou vide vorgegart und anschließend klassisch auf den saftigen Punkt gebraten wird. Eine Rauchzwiebelcreme und Blumenkohlbutter begleiten kraftvoll den Hirsch – und die hochintensiven Trüffelscheiben sind eine Wucht. Das ist große französische Küchenkunst, gepaart mit badischer Leichtigkeit des Seins.
Wo ich es bekommen kann, esse ich Wild, denn „Wildes prunkt mit vitalen Aminosäuren. Eine davon ist Taurin, ein Eiweißbaustoff der hilft, Fett besser zu verbrennen, Alkohol besser abzubauen und den Blutzucker zu senken“. Woher ich das weiß? Steht in meinem Buch „Schönkost“.
Aus der wohl sortierten Weinkarte wählen wir einen der besten Begleiter für Wild, einen Cornalin aus dem Wallis. Ein tiefgründig roter Tropfen, der in Deutschland extrem selten angeboten wird.

Ein Kelch Buntes: Sommertraum
Wunderbar hält der Spannungsbogen auch beim Käse und dem Dessert. Vom Elsässer Käsemagier Maitre Anthony wird ein feiner Ziegenkäse serviert, dem Kürbiskerne und das daraus gewonnene Öl ein standesgemäßes Geleit verleihen.
„Sommer im Glas“ heißt das luftige Dessert. Nicht zu süßes Eis und ein Crunch aus Johannisbeerholz erfreuen den Gaumen – und das neckische Blattwerk ist wahrscheinlich Blanc manger, eine Süßspeise aus Mandeln, Zucker und Gelatine. Angenehmer Abschluss eines angenehmen Abends.

Glückliche Gastgeber: Raimar Pilz, Annett Ronneberger
Aromenstark, trotzdem federleicht und bekömmlich ist die Küche von Raimar Pilz. Eine Küche, die nicht „laut“ ist, genau so wie ihr Schöpfer. Wer sich in sie hineinversenkt, dem schenkt sie ungeahnte Geschmacksnuancen. Eine Wohlfühlküche in einer Wohlfühlatmosphäre. Denn Annett Ronneberger leitet den Service als Sommeliere umsichtig und taktvoll – und wie das Foto zeigt, sind es glückliche Gastgeber.
Alles Bestens also? Nicht ganz, denn Säckingen liegt am Hochrhein, eher kulinarisches Ödland. Säckinger sind hier selten zu sehen, dafür viele Schweizer und Leute aus dem Genuss-gesegneten Markgräferland. Weshalb es sehr sinnvoll wäre, wenn über der „Genuss-Apotheke“ bald der schon lange höchst verdiente zweite Michelin-Stern leuchten würde – was erfahrungsgemäß auch überregionales Publikum lockt.
„Genuss-Apotheke“, Mittwoch bis Samstag ab 18 Uhr 30. http://www.genuss-apotheke.de
Tipp: Wenige Gehminuten durch die schöne Altstadt entfernt liegt direkt am Rhein das angenehme Privathotel „Goldener Knopf“, von dem viele Zimmer einen prächtigen Blick auf den Fluss und die längste gedeckte Holzbrücke Europas bieten. Wertiges Frühstück-Büffet.

Das Privathotel „Goldener Knopf“, von dem viele Zimmer einen prächtigen Blick auf den Fluss und die längste gedeckte Holzbrücke Europas bieten
ECHT ESSEN heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.
von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
