Glutenfrei-Trend: Erst auf Zöliakie testen, dann verzichten

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© Johanna Mühlbauer - AdobeStock
Glutenfrei-Trend: Erst auf Zöliakie testen, dann verzichten

In verschiedenen Weltregionen sind bis zu 2,5 Prozent der Menschen von Zöliakie betroffen, die durch eine überschießende Immunreaktion auf das Weizeneiweiß Gluten verursacht wird. Eine glutenfreie Ernährung ist allerdings auch bei vielen Menschen im Trend, bei denen die Erkrankung gar nicht nachgewiesen ist. Daher sollte man etwaige Beschwerden und der Verdacht auf eine Zöliakie ärztlich testen lassen, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zum Welt-Zöliakie-Tag am 16. Mai.

Die Ernährung vollständig auf glutenfreie Nahrungsmittel umzustellen ist nicht selten teuer, die strenge Diät schränkt auch die Lebensqualität ein und kann unter Umständen sogar der Gesundheit schaden. „Glutenfreie Ersatzprodukte enthalten oft mehr Zucker, Salz und ungesättigte Fettsäuren als die entsprechenden glutenhaltigen Varianten“, sagt Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan, Leiter des Instituts für Translationale Immunologie und der Ambulanz für Zöliakie, Darmerkrankungen und Autoimmunität der Universitätsmedizin Mainz.

Dagegen mangele es ihnen häufig an Ballaststoffen und Vitaminen. Dabei gibt es vielerlei gesunde, natürlich glutenfreie Alternativen. Ein Zuviel der Ersatzprodukte hingegen kann dazu führen, dass Menschen tendenziell an Gewicht zunehmen. Langfristig könne so auch das Risiko für Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes steigen, so der Experte.

Nicht vorschnell zu gluten- oder weizenfreien Produkten greifen

Auch aus diagnostischen Gründen sollte nicht vorschnell mit einer gluten- oder weizenfreien Diät begonnen werden. „Vor der Ernährungsumstellung sollte man in jedem Fall einen Blut-Test auf Zöliakie-spezifische Antikörper vornehmen lassen“, rät Schuppan. Daneben hat seine Arbeitsgruppe noch weitere entzündliche Erkrankungen aufgedeckt, die durch Weizenprotein hervorgerufen werden. Dies sind klassische (Soforttyp-) Allergien und noch wesentlich häufiger verzögerte (Typ- 2-) Allergien, die oft erst Stunden nach Weizenverzehr auftreten.

Darüber hinaus kann Weizenkonsum Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel chronische entzündliche Darmerkrankungen, Lebererkrankungen, Rheuma oder multiple Sklerose verstärken – hier sind Nicht-Glutenproteine, sogenannte ATI, die Auslöser. Geschätzt leiden damit bis zu 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an entzündlichen, weizenbedingten Erkrankungen.

Glutenfreie Ernährung beeinflusst auch andere Erkrankungen

Auch aus diagnostischen Gründen sollte nicht vorschnell mit einer gluten- oder weizenfreien Diät begonnen werden. „Vor der Ernährungsumstellung sollte man in jedem Fall einen Blut-Test auf Zöliakie-spezifische Antikörper vornehmen lassen“, rät Schuppan. Daneben hat seine Arbeitsgruppe noch weitere entzündliche Erkrankungen aufgedeckt, die durch Weizenprotein hervorgerufen werden. Dies sind klassische (Soforttyp-) Allergien und noch wesentlich häufiger verzögerte (Typ- 2-) Allergien, die oft erst Stunden nach Weizenverzehr auftreten.

Darüber hinaus kann Weizenkonsum Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel chronische entzündliche Darmerkrankungen, Lebererkrankungen, Rheuma oder multiple Sklerose verstärken – hier sind Nicht-Glutenproteine, sogenannte ATI, die Auslöser. Geschätzt leiden damit bis zu 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an entzündlichen, weizenbedingten Erkrankungen.

Antikörper zeigen die Art der Erkrankung

Zöliakie-Betroffene bilden ganz krankheitsspezifisch Antikörper gegen das körpereigene Enzym Transglutaminase 2 (TG2), die im Blut der Patienten nachgewiesen werden können. Dieses Enzym führt auch zu einer verstärkten Immunreaktion des Darmes gegen aufgenommenes Gluten, so die DGVS.

Die Aufforderung, sich vor der Entscheidung für eine glutenfreie Ernährung zunächst auf Zöliakie und klassische Weizenallergie testen zu lassen, richtet sich nicht nur an die Patientinnen und Patienten. „Mit unserem Aufruf wollen wir auch die Ärzteschaft für das Thema sensibilisieren“, sagt PD Dr. med. Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS.

Den Betroffenen selbst sei es häufig nicht bewusst, dass die voreilige Ernährungsumstellung auch negative Konsequenzen haben könne. Hier sei es Aufgabe der betreuenden Ärztinnen und Ärzte, zu einer frühzeitigen diagnostischen Abklärung zu raten.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

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  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Tagen, 20 Stunden

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    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/