- Ernährung
Hafer – locker-flockiger Genuss
4 Minuten

Ob kernig oder fein, ob kross oder löslich, ob Kleie, Drinks oder glutenfreie Flocken: In der Welt der Getreidesorte Hafer hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Dabei können verschiedene Inhalte aus dem Korn Gutes für Ihre Gesundheit tun. Hafer ist weit mehr als nur Bestandteil von Müsli oder Porridge. Wie wäre es also mit einer kulinarischen und gesundheitlichen Reise rund ums nussige Getreide?
Dich sticht wohl der Hafer! Eine Redewendung mit Sinn. Denn bei wem der Hafer zugestochen hat, der ist voller Tatendrang und geballter Energie. Ursprünglich ist damit die Bedeutung des Hafers als Energiespender gemeint. Wussten Sie, dass Hafer dem Körper von innen und außen zuträglich ist? Deshalb wurde Hafer 2017 vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde von der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.
Im Hafer steckt viel Gutes – nicht nur zum Essen
Einerseits versorgen Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien den Organismus und können zu einer reibungslosen Verdauung und einem gemäßigten Blutzuckerverlauf beitragen. Andererseits wird Haferstroh zum Beispiel als Bad bei Rheuma, Hautverletzungen und Juckreiz von alters her verwendet.
Hafer ist reich an sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden und Saponinen. Flavonoide wirken Entzündungen entgegen, Saponine unterstützen das Abwehrsystem. Dazu gesellen sich Mineralien wie Kalium, Kalzium, Eisen, Zink und Magnesium sowie B-Vitamine, pflanzliches Eiweiß und mehrfach ungesättigte Fettsäuren.
Extrakte des Haferkrauts können bei trockener, stark gereizter und empfindlicher Haut helfen, die sich durch Rötung, Schuppenbildung und starken Juckreiz äußert. Um mögliche allergische Reaktionen zu vermeiden, werden Haferextrakte für Kosmetika oft mit speziellen Verfahren von Eiweiß und Gluten gereinigt. Anschließend werden sie Bestandteil von Cremes, Körperlotion, Shampoos, Masken oder Badezusätzen und eignen sich zur Pflege empfindlicher Haut.
Daneben ist Hafer eine optimale Grundzutat für Menschen mit Diabetes, Vegetarier und Veganer und bei Magen-Darm-Erkrankungen.
Glutenfreier Hafer – gibt es das?
Selbst bei einer Zöliakie oder Sprue ist es heute möglich, Hafer zu essen. Hier empfiehlt sich die Wahl von glutenfreien Produkten. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) gibt, nach Prüfung vieler Studien und Untersuchungen, grünes Licht für den Einsatz glutenfreier Haferprodukte für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit. Grundvoraussetzung ist hier, dass der Hafer gesondert für Zöliakie-Betroffene angebaut und verarbeitet wird und somit nicht kontaminiert ist mit anderen Bestandteilen.
Denn Hafer aus herkömmlichen Sortimenten ist stark verunreinigt durch Weizen und Gerste. Es ist also nötig, dass Betroffene entsprechend deklarierte Produkte auswählen. Seit drei Jahren können Haferprodukte aus nichtkontaminiertem Hafer mit dem Glutenfrei-Logo, der durchgestrichenen Ähre, gekennzeichnet werden. Dieses ist zusätzlich mit dem Hinweis „oats“ (engl.: Hafer) ergänzt, so dass Verbraucher leicht erkennen können, dass es sich um ein lizensiertes, glutenfreies Lebensmittel handelt.
Wer unsicher ist oder Bedenken im Hinblick auf Blähungen oder sehr weichen Stuhlgang hat, kann die Mengen von diesen glutenfreien Erzeugnissen langsam steigern. Dazu empfiehlt die DZG Erwachsenen eine Tagesmenge von 50 g und Kindern 25 g, um sich an das neue Lebensmittel zu gewöhnen.
Neue Ähre für ein klassisches Korn
Ballaststoffe sind bei Diabetes sehr wichtig. Stoffwechselgesunden Menschen wird eine tägliche Menge von 30 g empfohlen. Bei Diabetes raten Experten dazu, jeden Tag 40 g zu essen. Denn Ballaststoffe helfen der Verdauung auf die Sprünge, sie tragen dazu bei, dass der Blutzucker in Balance bleibt, und sie helfen, satt zu machen. Das kann helfen, gesund abzunehmen oder ein erreichtes Gewicht zu halten, denn wer dabei ständig Hunger hat, kapituliert über kurz oder lang.
Daneben können sich Ballaststoffe, allen voran Beta-Glucan aus Hafer, positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken. Cholesterin ist u. a. Bestandteil der Gallensäuren. Ein hoher Gehalt des Ballaststoffs bindet Gallensäuren im Darm und aktiviert die Bildung neuer Gallensäuren aus Cholesterin in der Leber. Die Folge: Es bleibt weniger Cholesterin im Blut, der Spiegel sinkt. Um diesen Effekt zu erreichen, wird eine tägliche Aufnahme von 3 g Hafer-Beta-Glucan empfohlen.
Schalttage mit Obst, Gemüse, Hafer und Reis
Altbewährtes kommt häufig wieder. So geht es auch den Hafer- oder Kohlenhydrat-Schalttagen. Die vom Internisten und Diabetologen Carl von Noorden im letzten Jahrhundert entwickelten Hafertage wurden damals praktiziert, um Blutzuckerwerte günstig zu beeinflussen und damit einer Übersäuerung entgegenzuwirken. Bewährt haben sie sich heute besonders bei Typ-2 Diabetes, wenn eine Insulinresistenz besteht.
Es gibt heute zahlreiche Varianten, wie solche Schalttage zusammengestellt werden können. Das bringt Abwechslung auf den Plan und hilft bei der Umsetzung. Bevor Sie sich zu Hafer-Schalttagen entscheiden, sprechen Sie mit Ihrem Diabetes-Team darüber.
Strenger Hafertag
- 200 bis 250 g Haferflocken fein, kernig oder instant, verteilt auf 3 – 5 Mahlzeiten
- dazu pro Portion 40 bis 50 g Haferflocken mit 200 bis 300 ml Wasser aufkochen, mit Kräutern abschmecken
Hafer-Saft-Tag
- 1 Liter zuckerfreier Gemüsesaft oder Fruchtsaft (100 % Frucht, ohne Zuckerzusatz)
- 200 g Instant-Haferflocken (löslich in Getränken)
- 3 – 5 Portionen zu je 200 ml Saft mit 40 g Instantflocken über den Tag verteilt trinken
Hafertag mit Gemüse und Salat
- 200 g Haferflocken, fein, kernig oder instant, mit Brühe oder zuckerfreiem Gemüsesaft zubereiten
- dazu 1 kg Gemüse oder eine Mischung aus Gemüse und Salat
- 3 – 5 Portionen über den Tag verteilt essen
- würzen mit Zitronensaft, Essig, Süßstoff, Kräutern, Pfeffer, Paprika, Muskat
Hafertag mit Obst
- 150 g Haferflocken, fein, kernig oder instant
- dazu 1 kg wasserreiches Obst oder Fruchtsaft (100 % Frucht, ohne Zuckerzusatz)
- 3 – 5 Portionen über den Tag verteilt essen
- würzen mit Zitronensaft, Kräutern, Zimt, Vanille, Süßstoff
Hafer-Reis-Tag mit Obst und/oder Gemüse
- würzen mit den genannten Kräutern und Gewürzen
- 125 g Haferflocken, fein oder kernig
- plus 125 g Naturreis, trocken
- 500 bis 750 g Gemüse
- oder 500 g wasserreiches Obst wie Beeren, Melonen, Äpfel, Zitrusfrüchte
- 3 – 5 Portionen über den Tag verteilt essen
Täglich eine Portion Haferkleie lässt sich problemlos in Kuchenteig, Sauce, Gemüse, pikanten Füllungen oder Salat unterbringen – sie schmeckt leicht nussig. Haferflocken in kerniger, zarter, instant- oder glutenfreier Variante werden aus dem ganzen Korn hergestellt. So enthalten sämtliche Hafer-Vollkornerzeugnisse Kohlenhydrate in Form von Stärke, die dank Ballaststoffen langsam abgebaut wird. Das trägt zu gemäßigteren Blutzuckerwerten bei.
Wie wäre es nun mit unseren Rezeptvorschlägen (siehe Kasten unten)?
Hafer in flüssiger Form
Alternativen zu Milch liegen im Trend. Neben Soja-, Mandel-, Kokos- oder Reisdrink bieten sich Haferdrinks an. Sinnvoll ist es, Produkte mit Kalziumzusatz auszuwählen. Denn von Natur aus enthalten diese veganen, laktosefreien Getränke keine großen Mengen des Knochenminerals. Ferner sind Produkte ohne Zuckerzusatz empfehlenswert, da ihr Kohlenhydratgehalt niedriger liegt als der von Varianten mit Zucker oder im Vergleich zur Kuhmilch.
Haferdrink hat einen angenehm nussig-milden Geschmack und harmoniert besonders gut mit Müsli, als Backzutat oder als Bestandteil von Saucen, Smoothies und Shakes. Ganz gleich, ob Sie Haferflocken, -kleie, -fleks oder -drinks genießen: Der Blutzucker verläuft unter Berücksichtigung der entsprechenden Kohlenhydratmengen gemäßigt, die Verdauung läuft wie von selbst, der Magen knurrt nicht ständig und der Cholesterinspiegel verbessert sich auch noch – alles im grünen Bereich, dank Hafer.
Also nichts wie ran an das vielseitige Korn, auf dass der Hafer sticht!
Rezepte
von Kirsten Metternich von Wolff
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (7) Seite 82-86
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kety22 postete ein Update vor 5 Tagen, 8 Stunden
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 1 Tag, 5 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 4 Tagen
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



