- Ernährung
Im Gespräch: der Fußball-Weltmeister-Koch
3 Minuten

Er ist der Mann, der seit 2007 unsere Nationalspieler bekocht: Holger Stromberg. Wir haben beim Starkoch nachgefragt, wie es ist, Fußball-Weltmeister zu verpflegen, und was es mit Nudeln in Tomatensauce auf sich hat.
Herr Stromberg, wie sieht Ihr Tag aus, wenn Sie für die Nationalelf kochen?
Holger Stromberg: Kein Tag ist da wie der andere, denn der Ablauf hängt unter anderem davon ab, ob wir in unserem Hauptquartier bleiben, ob ich einen Tag im Voraus zu einer Spielstätte fliege, ob ein Turnierspiel ansteht, ein Trainingstag usw. Auf jeden Fall beinhaltet ein großes Turnier wie eine EM im Vorfeld jede Menge akribischer Planung. Von meiner Seite reist eine Europalette mit Kochutensilien mit, Gewürze und spezielle Zutaten. Natürlich kein Fleisch oder Fisch, Gemüse oder Obst. Aber Kleinigkeiten, mit denen ich Grundprodukten ein anderes Gesicht geben kann.
Sobald das gesamte Küchenequipment und das Buffet aufgebaut sind, besuche ich, um den Spielern eine abwechslungsreiche Küche zu bieten, vor Ort einen Bäcker, Fleischer, einen Gemüsemarkt etc. und kaufe dort nochmals regionale Spezialitäten ein. Und das ist jetzt in Frankreich, der großen Kulinarik-Nation, ja ein Leichtes.
Was darf hier bei keinem Essen fehlen?
Holger Stromberg: Ernährung ist, nach Sauerstoff, die zweitwichtigste Energiequelle für jeden Menschen. Insofern ist eine gute Ernährungsform per se anzuraten. Aber für Menschen, die mit ihrem Körper erhöhte Leistung bringen müssen und in Wettkämpfen stehen, ist dieser Part eine besonders relevante Säule. Ich koche vor Ort ja für rund 65 Personen, für 23 Spieler und den Betreuerstab. Natürlich kann ich nicht für jeden individuell kochen, daher stelle ich immer ein Buffet zusammen.
Das ist möglichst bunt und vielseitig, auf die Bedürfnisse des Teams abgestimmt und berücksichtigt die unterschiedlichen ernährungsphysiologischen Optionen sowie kulinarische Vorlieben: Suppen, Salate, Gemüse, Hauptspeisen und Nachtisch – natürlich alles selbstgekocht und frisch zubereitet. Wichtig bei der Zusammenstellung ist auf alle Fälle das ausgewogene Verhältnis zwischen Kohlenhydraten, Eiweiß und gesunden Fetten.
Dabei lege ich höchsten Wert auf Lebensmittel und Energielieferanten in natürlichster und allerbester Qualität. Schmecken muss es natürlich auch, aber gesunde und genussvolle Küche schließen sich ja nicht aus, sondern bedingen sich vielmehr.
Was sind die liebsten Gerichte oder kulinarischen Rituale der Spieler während großer Turniere?
Holger Stromberg: Von Avocado bis Ziegenkäse wird alles angeboten. Pasta und Sushi werden gerne gegessen, Kartoffelpüree ist sehr beliebt. Ein Klassiker ist die Tomatensuppe „Spezial“. Gemüse steht immer mehr im Vordergrund, die meisten essen mittags sehr gerne abwechslungsreiche Salate.
Bislang ist es wirklich immer gelungen, alle unsere Spieler kulinarisch glücklich zu machen, denn auch hier gilt: Wenn mit Liebe und Leidenschaft gekocht wird, schmeckt es jedem. Obwohl wir natürlich sehr abwechslungsreich kochen, am Spieltag werden keine Experimente gemacht. Da verlassen sich die Spieler und auch ich mich auf routinemäßige Gerichte, mit denen wir gute Erfahrungen gesammelt haben: z. B. Kamut-Pasta, Gemüse, Salat, helles Fleisch in Form von Geflügel oder Kalbssteaks und leichter Fisch, Grießbrei oder Milchreis.
Von den Spielern werden über den Tag verteilt zwei bis drei Liter stilles Wasser getrunken, zudem empfehle ich ihnen stoffwechselfördernde Kräutertees.
Verraten Sie uns, was Sie vor dem Endspiel und nachdem Sie in Brasilien Weltmeister wurden, gekocht haben?
Holger Stromberg: Vor dem Finale 2014 gegen Argentinien gab es ein Buffet mit Palmenherzen, Avocado, Karotten, Roter Bete, Büffel-Käse und Mais. Dazu Kürbissuppe, Hähnchensteak, Pasta, Reis und Gemüse. Zum Nachtisch Mango, Milchreis und Grießbrei. Und eine Dreiviertelstunde nach dem Finale gab es – direkt in der Kabine – Nudeln mit Tomatensauce.
Abseits vom Fußball – welche Tipps haben Sie, wenn wenig Zeit zum Kochen ist?
Holger Stromberg: Die Ausrede Zeit kann ich nicht gelten lassen. Denn wenn es danach geht, dürften wir auch keine Zeit zur Freizeit haben. Wir vergessen leider so häufig, dass unsere Gesundheit die Basis für alles ist, und nehmen Gesundsein als etwas Selbstverständliches. Es fehlt das Bewusstsein, die Aufmerksamkeit für die Brisanz und Wichtigkeit, sich gesund zu ernähren und natürliche Lebensmittel einzukaufen. Denn schnell und gesund, das beinhaltet einen gewissen Widerspruch, denn es gibt nun mal kein Wundergericht.
Die meisten Menschen möchten, dass ich zehn Ratschläge gebe, die sie in zwei Wochen schlank, glücklich und erfolgreich machen. So läuft es aber nicht. Gesund und rasch zubereitet ist beispielsweise ein Rote-Bete-Salat mit Feta und Hanfsamen. Noch mehr Rezepte, die sich überwiegend schnell kochen lassen, gibt es übrigens in meinem neuen Buch Das Kochbuch der Nationalmannschaft.
Jetzt wird gerne gegrillt. Was empfehlen Sie außer Fleisch dazu?
Holger Stromberg: Spieße aller Art eignen sich als ideales Grillgut: Neben Fleisch mit Scampi, Fisch und Gemüse sind sie einfach lecker und unkompliziert. Wenn man die Holzspieße vorher eine Stunde ins Wasser legt, vermeidet man das Verbrennen der Spieße.
Was darf in keiner Küche fehlen und warum?
Holger Stromberg: In meiner Küche sind das in der Regel Risottoreis, Schalotten, Parmesan, Naturjoghurt, Kräuter und Gewürze, denn daraus kann man immer etwas Gesundes, Gutes und Leckeres zaubern. Gar nicht in den Kochtopf kommen mir minderwertige Qualität und Fertiggerichte, deren Zutatenliste sich komplizierter liest als das chinesische Alphabet. Denn ich möchte dazu beitragen, dass sich die Menschen mit dem Zusammenhang von Lebensmitteln, Inhaltsstoffen, der eigenen Gesundheit und dem eigenen Wohlbefinden auseinandersetzen.
Herr Stromberg, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Interview: Kirsten Metternich
Redaktion Diabetes-Journal,
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
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lena-schmidt postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat, 2 Wochen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?





Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße