Nach der Sendepause zurück auf „Play“

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Nach der Sendepause zurück auf „Play“

Kennt ihr die Menschen, die nach den Weihnachtsfeiertagen sagen: „Jetzt hat das Faulenzen ein Ende, nach Silvester fange ich wieder mit dem Sport an!“? Oder die, die einen Monatswechsel als Chance sehen, um etwas zu ändern, so wie: „Nächsten Monat achte ich mehr auf meine Ausgaben, ich möchte sparen.“ Und noch besser: „Ab Montag mache ich Diät!“

Der Zeitpunkt für Veränderung ist jetzt!

Was hindert einen Menschen daran, sofort mit einer Veränderung anzufangen? Warum bis zur neuen Woche, dem neuen Monat oder gar dem neuen Jahr warten, wenn ich in dem Moment, in dem ich darüber nachdenke, etwas zu verändern, schon mit dem Verändern beginne? Klingt fast ein bisschen verrückt, ich weiß, und ehrlich gesagt hat mich dieser Gedanke damals auch abgrundtief überrumpelt.

Meine Diabetes-Sendepause(n)

Ich gönne mir gerne eine Sendepause vom Diabetes, wenn nicht sogar sehr gerne. Oftmals denke ich, ich habe so viele Monate und Jahre nicht auf die Blutzuckerwerte geachtet (ich schrieb darüber in meinem Beitrag Diabulimie – wenn man selbst betroffen ist), da kommt es auf ein, zwei Tage auch nicht mehr an. Naja, und wie das dann so ist, werden aus ein, zwei Tagen drei, vier und dann denke ich mir: „Jetzt ist die Woche fast rum, ab Montag passt du wieder besser auf.“

Quelle: Lesley-Ann Weitzel

 

Hin und wieder ist es dann so, dass mich sonntags abends die Motivation so extrem packt, dass ich mein Diabetestäschchen neu sortiere, alles auffülle, die Pens mit neuen Kanülen versehe und, ja, ich greife dann sogar zum Blutzuckertagebuch und zu einem schönen Stift und nehme mir fest vor, ab morgen auch wieder alles zu dokumentieren.

Diese überschwängliche Euphorie und fast schon Vorfreude auf den nächsten Tag und die nächste Woche, in der ja alles wieder besser wird, hält meistens nicht lang. Ich achte dann ein paar Tage ganz penibel und extrem auf gute Werte, berechne alle KEs haargenau, dokumentiere, höre auf meinen Körper, ärgere mich über schlechte Werte und zack – brauche ich wieder eine Sendepause…

Pause von der Pause – Zeit zu schalten!

Wie also schafft man es nach einer Sendepause zurück in den „normalen Diabetesalltag“? Mit normal meine ich, dem Diabetes Aufmerksamkeit zu geben, sodass er gut läuft. So, dass man eben auf gute Werte achtet, das Essen ordentlich berechnet und dafür spritzt. Ich vergleiche das immer gern mit einem Auto: Du kannst schon Mal im vierten Gang 120 km/h fahren, aber eben nicht auf Dauer, das macht der Motor nicht ewig mit. Also dann doch lieber 100 km/h und frühzeitig in den fünften Gang schalten, oder?

Eine Anleitung gibt es für den Sprung zurück zum „Play“ leider nicht. Genauso wenig wie ein „So wirst du immer perfekte Blutzuckerwerte haben“-Buch. Warum eigentlich nicht? Wäre doch mal eine ganz neue Innovation. Und hilfreich wäre es ohnehin… Naja, das ist wohl Wunschdenken. Oder Naivität.

Wieder auf „Play“ drücken

Für mich persönlich ist es wichtig, dass ich mir Sendepausen gönne, die aber zeitlich begrenzt sind. Dann sehe ich alles nicht ganz so streng und nasche auch mal ein, zwei Schokobons, ohne dafür zu spritzen – und klar nehme ich dann auch einen etwas höheren Blutzuckerwert dafür in Kauf.

Quelle: Lesley-Ann Weitzel

Trotz allem ist es mir wichtig, dass es nicht ausartet: Ich würde also nicht eine ganze Mahlzeit oder beispielsweise ein riesiges Sandwich zu mir nehmen, ohne es zu berechnen und anschließend dafür zu spritzen.

Jede Sendepause hat ein Ende

Diese Sendepausen gehen aber nie länger als 24 Stunden und sind in absolut unregelmäßigen Abständen vorzufinden. Ist es mal stressiger auf der Arbeit und für die Schule steht viel an, dann kann es auch mal zwei Sendepausen in einer Woche geben. Komme ich gerade positiv gestimmt von meinem Diabetologen zurück und habe eine emotional und psychisch gute Phase, kann ich auch gut zwei, drei Wochen ohne auskommen. Wichtig ist für mich nur, nach einer Pause nicht auf den nächsten Montag oder gar den nächsten Monat zu warten! Eine Sendepause ist meiner Meinung nach absolut legitim bei dem, was wir Diabetiker alles so leisten! Nur einfach nicht allzu lang mit dem „Play“ warten ist meine Devise.

Ein gutes Mittelmaß zwischen Pausen gönnen und normal motiviert und bemüht sein ist mein Rezept zur dauerhaften guten Beziehung zwischen Diabetes und mir.


Bei der Aufklärungsaktion „Gesünder unter 7 Plus – Wissen was bei Diabetes zählt“ in Saarbrücken hat Lesley-Ann darüber gesprochen, was passierte, als ihre Diabetes-Pause ausartete: Der #SofaTalk.

Übrigens: Am 29. August findet der nächste #SofaTalk im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach statt!

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  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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