Typ-1-Diabetes und Zöliakie treten häufig im Duo auf

2 Minuten

Typ-1-Diabetes und Zöliakie treten häufig im Duo auf

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes tritt Zöliakie gehäuft auf. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe empfiehlt daher, sich auch auf die Autoimmunerkrankung untersuchen zu lassen, wenn Beschwerden wie häufige Bauchschmerzen und Blähungen, ständige Müdigkeit und Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Mangelerscheinungen und Unterzuckerungen auftreten.

Eine Autoimmunerkrankung kommt oft nicht allein: Während weniger als 0,5 Prozent der Normalbevölkerung von Zöliakie betroffen sind, ist die Zahl bei Menschen mit Typ-1-Diabetes aufgrund eines identischen genetischen Hintergrunds bedeutend höher. Die Häufigkeit für Zöliakie bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes liegt bei drei bis sechs Prozent, wobei die Zahlen international schwanken. Neben regionalen Unterschieden im Zöliakie-Risiko spiegeln diese Schwankungen auch unterschiedliche Screening- beziehungsweise Diagnostik-Praktiken wider.

Keine automatische Untersuchung auf Zöliakie-Antikörper

„Leider werden noch nicht in allen Kliniken Kinder und Jugendliche mit einem frisch manifestierten Typ-1-Diabetes standardmäßig auf Zöliakie-Antikörper untersucht, obwohl dies in der S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie empfohlen wird“, sagt Prof. Dr. Thomas Danne, Chefarzt am Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von diabetesDE und Chefredakteur der
Diabetes-Eltern-Journals
.

Daher gebe es auch viele Betroffene, bei denen die Zöliakie später oder gar erst im Erwachsenenalter festgestellt werde. Bei Typ-2-Diabetes hingegen kommt die Autoimmunerkrankung nicht häufiger vor als in der allgemeinen Bevölkerung.

Körpereigener Angriff auf die Dünndarmschleimhaut

Auslöser für Zöliakie ist das Getreideeiweiß Gluten, welches in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt. Nach dem Verzehr regt es im Blut Betroffener die Bildung spezifischer Autoimmunantikörper an. Diese richten sich gegen die Zellen der Dünndarmschleimhaut, greifen sie an und zerstören sie letztendlich. Die geschädigte Schleimhaut kann ihre Aufgabe, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen, nicht mehr erfüllen.

Durch die chronischen Entzündungen kommt es bei Betroffenen unter anderem zu Verdauungsbeschwerden, Stoffwechselschwankungen, da auch Kohlenhydrate nicht richtig verwerten werden können, und mit der Zeit auch zu Mangelerscheinungen. „Bei einem positiven Antikörperbefund sollte bei Kindern mit Typ-1-Diabetes spätestens mit acht Jahren auch die feingewebliche Untersuchung einer Dünndarmgewebeprobe erfolgen“, erläutert Prof. Danne. Sonst kann aufgrund einer unerkannten Zöliakie auch eine Osteoporose entstehen, die im pubertären Wachstumsschub zu Problemen führt.

Glutenfreie Ernährung und Anpassung der Diabetes-Therapie

Menschen mit Zöliakie müssen daher lebenslang eine glutenfreie Ernährung einhalten, denn medikamentöse Therapien gibt es nicht. Glutenfreie Produkte können sich jedoch anders auf den Blutzuckerspiegel auswirken als entsprechende glutenhaltige Lebensmittel, betont der Kinderdiabetologe: „Betroffene Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen daher ihre Berechnung der Kohlenhydrate und die benötigte Insulinmenge an diese neue Situation anpassen.“

Er empfiehlt dazu eine Ernährungsberatung und -schulung in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Diabetesteam. „Unter einer glutenfreien Ernährung und darauf abgestimmter Insulintherapie regeneriert sich die Dünndarmschleimhaut wieder, die Stoffwechsellage wird stabiler und es treten weniger Unterzuckerungen auf.“

Weitere Informationen zu Zöliakie bei Typ-1-Diabetes gibt es auf der Website von dabetesDE.


Quelle: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Prof. Dr. Bernhard Kulzer im Interview: Menschen mit Diabetes selbst befähigen
Wer sich mit Diabetes und Psychologie befasst, stößt bei seinen Recherchen sicher auf Prof. Dr. Bernhard Kulzer. Der Psychologe aus Bad Mergentheim hat in diesem ­Bereich und auch bei der Diabetes-­Schulung sehr viel vorangebracht. Im Interview berichtet er über sein vielseitiges Engagement.
Porträt von Prof. Dr. Bernhard Kulzer vor unscharfem grünen Hintergrund. Er lächelt in die Kamera und trägt ein dunkles Sakko über einem hellblauen Hemd.

14 Minuten

Vormerken und einschalten: Diabetes-Dialog zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes am 14. November
Typ-1-Diabetes kann sich lange entwickeln, bevor erste Beschwerden auftreten. Im Diabetes-Dialog am Weltdiabetestag geht es um mögliche Warnzeichen, Autoantikörpertests und die Frage, wie Früherkennung Familien auf eine Diagnose vorbereiten kann. Die Erstausstrahlung ist am Samstag, 14. November 2026, um 9 Uhr auf dem YouTube-Kanal des Diabetes-Ankers.
Prof. Dr. Matthias Blüher, Anika Köhler und Heike Schätzle sitzen bei einem Gespräch des „Diabetes-Dialogs“ in Sesseln. Auf dem Tisch steht ein Schild mit dem Sendungstitel; im Hintergrund ist ein Blumenarrangement zu sehen.

< 1 minute

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • kety22 postete ein Update vor 6 Tagen, 9 Stunden

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 5 Tagen

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?