Typ-2-Diabetes – was jetzt?!

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Typ-2-Diabetes – was jetzt?!

Täglich wird bei 700 Menschen hierzulande ein Typ-2-Diabetes festgestellt; vor der Diagnose schlummerte er oft schon Jahre. So auch bei Ingrid Mohn: Lange Zeit konnte sie sich nicht erklären, warum sie ständig müde und erkältet war. Ihre immer wiederkehrenden Blasenentzündungen brachte die 58-Jährige nicht mit Diabetes in Zusammenhang. Woher auch? Diabetes hatte doch eher was mit zuckerreichem Essen zu tun?! Dachte sie …

Eine Blutzucker-Testaktion in der Apotheke brachte es ans Tageslicht: “Sie haben vermutlich einen Typ-2-Diabetes”, hieß es dort. Ingrid Mohn bekam die Empfehlung, ihre Werte beim Hausarzt erneut überprüfen zu lassen – mit gleichem Ergebnis. Das war ein ganz schöner Schock für die etwas rundliche Endfünfzigerin.

Dinge schwirrten ihr im Kopf herum wie: Was kommt jetzt auf mich zu? Muss ich auf sämtliche Leckereien verzichten? Wie komme ich im Alltag damit zurecht? Von hausärztlicher Seite hieß es, dass sie abnehmen und möglichst keinen Zucker und allgemein nicht so viel Brot, Kartoffeln und Reis essen sollte. Das saß fürs Erste – ganz schön viele Verbote auf einmal. Eine Diabetesschulung brachte Aufklärung und ließ sie im Nachhinein aufatmen. Denn so schlimm war alles gar nicht, wie sich später herausstellte.

Essen und Trinken müssen auch bei Diabetes Spaß machen

Nach zwei aufreibenden Wochen war es endlich so weit: Ingrid Mohn saß im Schulungsraum einer Arztpraxis mit sechs anderen Betroffenen mit ähnlichem Schicksal. Nach einer kurzen Vorstellung ging es direkt ins Thema: Da hieß es, dass noch vor wenigen Jahren vielen Erkrankten eine strenge Diät empfohlen wurde. Kaum eine Obstsorte, wenige Kartoffeln und gar keinen Zucker durfte die Kost enthalten.

Dank einer Fülle nationaler und internationaler Studien muss das heute nicht mehr sein. Bewährt hat sich dazu beispielsweise eine mediterrane Kost. Und die können sämtliche Familienmitglieder auch essen, ganz gleich, ob mit oder ohne Diabetes.

Modernes Essen bei Typ-2-Diabetes

Grundbaustein einer modernen Kost für Menschen mit Typ-2-Diabetes ist demnach die Veränderung des Lebensstils. Zuallererst ist es wichtig, individuelle Wünsche zu berücksichtigen, denn es geht darum, dauerhaft danach zu leben. Bei den meisten Typ-2-Diabetikern ist es außerdem nötig, dass sie ihr Essverhalten langfristig hin zur gesunden abwechslungsreichen Kost verändern und dabei Übergewicht abbauen. Denn jedes verlorene Kilo wirkt sich günstig auf den Blutzuckerspiegel aus. Beschwerden und auch die Gefahr von Folgeerkrankungen sinken.

Wichtig: Betroffene sollten vor dem Abnehmen auch auf ihren (normalen) Blutdruck achten– neben dem Streben nach normnahen Blutzuckerwerten.

Das klingt nach einem Haufen Arbeit und Disziplin, dachte sich Ingrid Mohn. Und in der Tat sind Veränderungen der Gewohnheiten schwierig und mühselig. Doch mit Geduld, professioneller Unterstützung (Schulung) und dem nötigen Durchhaltevermögen klappt es. Auch wenn es Tage mit schlechten Blutzucker- und Blutdruckwerten, zu wenig Bewegung oder zu viel Naschen gibt: Am nächsten Tag gilt es, wieder weiterzumachen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

Kleinste Veränderungen tun Körper und Seele gut

Nach den ersten Schulungseinheiten ist die 58-jährige motiviert, etwas für sich und ihr Wohlbefinden zu tun. Zum Frühstück isst sie in der Woche täglich ein Müsli, das sie sich selbst anrührt aus Vollkorngetreideflocken, fettarmem Naturjoghurt und einem Stück frischem Obst. Am Wochenende gönnt sie sich seither ein Körnerbrötchen mit geräuchertem Lachs und auf der anderen Hälfte etwas zuckerreduzierter Konfitüre.

Sahnesaucen, die sonst ans Gemüse kamen, hat sie gegen etwas gekörnte Gemüsebrühe und einen Schuss fettreduzierte Sahne getauscht. Mittlerweile gibt es nicht mehr täglich Fleisch, dafür zweimal pro Woche gedünsteten oder gegrillten Fisch, einmal etwas Fettarmes vom Rind oder Schwein und Geflügel. Den Großteil auf dem Teller machen jetzt Gemüse und Salat aus.

Einzig, die Menge an Nudeln und Reis zu reduzieren, fällt ihr noch schwer. Als Faustregel hieß es in der Schulung: 75 g Nudeln oder Reis trocken oder 150 g gekocht sind zum Abnehmen für eine Portion ausreichend. Abends gibt es bei Familie Mohn mittlerweile Vollkornbrot und immer auch einen Salat oder Rohkost dazu. Am Wochenende gönnt sie sich ein Glas trockenen Wein.

Nach einem Monat spürt Ingrid Mohn erste Erfolge: Die Hose kneift nicht mehr so stark, und die Endfünfzigerin fühlt sich irgendwie fitter. Doch manchmal knurrt ihr Magen schon ziemlich. Dazu gab es in der Schulung auch ein paar Tipps: erst einmal ein Glas Sprudel trinken und einen Moment abwarten. Kleine Snacks sättigen: wie Kirschtomaten, Karotten und Gurkenstreifen, etwas Beerenobst oder ein fettarmer Naturjoghurt mit einem Spritzer Flüssigsüßstoff, etwas gemahlener Vanille oder Zimtpulver. Auch, in Bewegung zu bleiben, hilft über so manches Hungerloch hinweg.

Nach weiteren acht Wochen gehört auch eine kleine Bewegungseinheit zum neuen Leben von Ingrid Mohn: Entweder radelt sie auf ihrem Ergometer der Tagesschau entgegen oder macht 10 Minuten Morgengymnastik. Ein großes Lob bekommt sie von ihrem Hausarzt: Der Langzeitblutzuckerwert hat sich von 7,5 auf 6,8 Prozent reduziert.

Auch wenn es noch ein längerer Weg ist, weitere 14 Kilo abzunehmen, ist Ingrid Mohn motiviert, so weiterzumachen wie im vergangenen Vierteljahr. Denn sie fühlt sich einfach besser und weiß, dass sie aktiv etwas für sich tut. Ein gutes Gefühl für Körper und Seele.


Gesund essen und trinken bei Typ-2-Diabetes: So geht’s

90 Prozent aller Diabetiker haben einen Typ-2-Diabetes. Übergewicht, erhöhte Blutdruck- und Blutfettwerte sind typisch. Deshalb wird er auch als Lifestyle-Diabetes bezeichnet. Denn bei dauerhaften Veränderungen der Lebensgewohnheiten bessern sich meist sämtliche Stoffwechselwerte.

Es ist nie zu spät, etwas für sich und seinen Körper zu tun – ganz gleich, wie lange der Diabetes schon bekannt ist. Wichtig sind realistische Ziele, die man auch umsetzen kann. Der Austausch mit Gleichgesinnten, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, ist für viele Betroffene eine wichtige Möglichkeit, am Ball zu bleiben.

Therapieziele

  • Lebensstil verändern
  • Normalgewicht anstreben
  • Blutzuckerzielwerte erreichen
  • gesunder Langzeitblutzuckerwert (HbA1c)
  • Bluthochdruck senken
  • Blutfettwerte im Normbereich
  • regelmäßige Alltagsbewegung
  • 3 sportliche Einheiten zu je 30 Minuten in der Woche

Essen bei Typ-2-Diabetes

  • Kalorienmenge individuell anpassen
  • Übergewicht vermeiden oder langfristig reduzieren
  • keine Crash-Diäten
  • drei große oder sechs kleine Mahlzeiten täglich, je nach Therapie und individuellen Wünschen
  • täglich mindestens 40 bis 50 Prozent der Kalo­rien in Form ballaststoffreicher Kohlenhydrate
  • bevorzugt fettarme Lebensmittel auswählen
  • Pflanzenfette wie Margarine und Öl bevorzugen
  • tägliche Gesamtfettmenge 70 bis 80 g
  • tägliche Gesamtfettmenge zum Abnehmen: 40 g
  • täglich 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht
  • zweimal pro Woche Fisch statt Fleisch
  • ballaststoffreich essen: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Rohkost, Salat
  • drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst täglich
  • wenn überhaupt: täglich max. 20 bis 30 g Zucker (auch in zuckerhaltigen Lebensmitteln)
  • mindestens 1,5 bis 2 Liter kalorienfreie Flüssigkeit täglich
  • Alkoholgenuss in Maßen, nach Rücksprache mit dem diabetesbehandelnden Arzt

von Kirsten Metternich
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (8) Seite 74-78

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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