Very-low-carb-Diät bei Typ-1-Diabetes?

2 Minuten

© © Pixelbliss - Fotolia.com
Very-low-carb-Diät bei Typ-1-Diabetes?

Eine sehr kohlenhydratarme Diät könnte laut einer US-amerikanischen Studie die Blutzuckerkontrolle bei Typ-1-Diabetes verbessern. Im Rahmen einer Online-Umfrage hatten die Autoren niedrige Raten für Hypoglykämien und andere Komplikationen beobachtet. Nun fordern sie kontrollierte klinische Studien zu diesem Ansatz.

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Da es dabei zu einem fast vollständigen Untergang der Insulin produzierenden Zellen kommt, müssen die Patienten ihrem Körper lebenslang Insulin zuführen, um den Blutzucker zu kontrollieren.

Online-Umfrage in Low-Carb-Facebookgruppe

Die aktuelle Arbeit diskutiert nun, ob eine sehr kohlenhydratarme Diät dabei helfen könnte. Die Autoren hatten in der Facebook-Gemeinschaft TypeOneGrit eine Online-Umfrage durchgeführt. Bei der Gruppe handelt es sich um Menschen mit Typ-1-Diabetes, die sehr wenige Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Von den 493 Personen, die an der Umfrage teilnahmen, lieferten 316 genügend Informationen, um in die Analyse einbezogen zu werden. Durch den Abgleich mit Daten von Gesundheitsdienstleistern bzw. mit Krankenakten konnten die Forscher für 138 der Teilnehmer die Diabetes-Diagnose sowie verschiedene andere Parameter (Blutzucker-Kontrollmaßnahmen, Stoffwechselmaßnahmen) bestätigen. 42 Prozent der Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren Kinder. Nach eigenen Angaben nahmen sie durchschnittlich 36 Gramm oder rund fünf Prozent der Gesamtkalorien in Kohlenhydraten auf.

Bessere Blutzuckerkontrolle durch wenige Kohlenhydrate?

Die selbst gemeldeten HbA1c-Werte für den Langzeitblutzucker lagen im Durchschnitt bei 5,67 Prozent – weit unterhalb des Ziels von sieben Prozent. Die Teilnehmer benötigten nach eigenen Angaben auch unterdurchschnittliche Insulindosen (durchschnittlich 0,40 U / kg / Tag). Zudem erfassten die Autoren dort, wo die Daten vorlagen, günstige Messwerte für Insulinsensitivität und kardiometabolische Gesundheit (beispielsweise Triglycerid-Spiegel und HDL-Cholesterinspiegel).

Darüber hinaus mussten während der Studie weniger Menschen ins Krankenhaus aufgrund einer Hypoglykämie (ein Prozent) oder einer diabetischen Ketoazidose (zwei Prozent) als allgemein für Typ-1-Diabetes berichtet wird. Auch andere Diabetes-Komplikationen waren seltener, wie die Autoren in einer Mitteilung schreiben.

Kohlenhydratarme Ernährung bei Typ-1-Diabetes wird sehr kritisch gesehen

Die Arbeit, die in der Zeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht wurde und auch auf der Plattform clinicaltrials.gov registriert ist, dürfte allerdings durchaus für Diskussionen sorgen, denn eine kohlenhydratarme Ernährung wird für Typ-1-Diabetiker sehr kritisch gesehen: Vor allem, weil sie das Risiko einer Hypoglykämie oder gefährlicher Blutzuckersenkung erhöht. Den Autoren zufolge gäbe es aber Berichte aus der Zeit vor der Insulin-Therapie, als eine Kohlenhydrat-Reduktion wohl gängige Behandlung bei Typ-1-Diabetes gewesen sei.

Zudem ist anzumerken, dass die Stichprobe relativ klein ist und die Menschen in einer entsprechenden Community der Fragestellung nicht neutral gegenüberstehen. Finale Antworten würden vermutlich nur randomisierte klinische Studien bringen. Bis dahin, so die Autoren, sollten Ernährungsumstellungen bei Menschen mit Diabetes in jedem Fall unter Aufsicht des behandelnden Arztes geschehen. Wichtig: Solche Maßnahmen können eine Insulintherapie nicht ersetzen.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Diabetes und psychische Flexibilität – mit Psychologin Laura Klinker
Ein unerwarteter Wert, eine Unterzuckerung – und plötzlich ist der Frust da. Im Diabetes-Anker-Podcast erklärt Psychologin Laura Klinker, warum unterdrückte Gefühle solche Situationen oft verschärfen und wie psychische Flexibilität im Alltag mit Diabetes gelingen kann.
Porträt der lachenden Psychologin Laura Klinker vor hellblauem Hintergrund, mit langen braunen Haaren und gemustertem Pullover; oben rechts das Logo des Diabetes-Anker-Podcasts.

2 Minuten

Präventionsoffensive: Auftakt zum breiten Angriff auf chronische Krankheiten?
Noch wird um die genaue Ausgestaltung der „Zuckersteuer“ gerungen. Mit einer „Präventionsoffensive“ will das Bundesgesundheitsministerium dafür sorgen, dass diese Abgabe kein Strohfeuer im Kampf gegen Typ-2-Diabetes und andere chronische Krankheiten bleibt.
Zwei Fußballspielerinnen in schwarzen und blauen Trikots laufen auf einem grünen Rasen einem Fußball hinterher. Die Aufnahme aus der Vogelperspektive symbolisiert Bewegung und Prävention.

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 16 Stunden, 23 Minuten

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂