Vitalisiert: Heiltrank aus Wildkräutern

4 Minuten

© AdobeStock – Scheer Sieglinde
Vitalisiert: Heiltrank aus Wildkräutern

Echt essen im März: Statt einem Gasthaus gibt es diesen Monat einen stärkenden Cocktail, der auf wild wachsendem Bärlauch basiert.

„Wo die Krankheit ist, wächst das Heilende auch“, postuliert Paracelsus, der große Arzt des Mittelalters. Wie das gemeint ist, zeigt ein einfaches Beispiel: Wenn Menschen in feuchten Gebieten wohnen, dann leiden sie dort häufig an Rheuma. Aber in diesen Gegenden wächst auch die Weide, in deren Rinde Stoffe schlummern, die Entzündungen dämpfen. Später wurde dieser Effekt übrigens im großen Stil genutzt – und so entstand das Medikament Aspirin.

Heute haben wir ja diesen direkten Kontakt zur Natur und ihren heilenden Wirkungen verloren. Aber dennoch können wir gerade im Frühling von der Kraft der wilden Kräuter profitieren. Deshalb habe ich für einen vitalisierenden Trunk den derzeit an vielen schattigen Stellen wild wachsenden Knoblauch-ähnlichen Bärlauch gesammelt, dessen Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe das bei vielen schwächelnde Immunsystem stärken.

Große Gesundheit, großer Geschmack: Bärlauch-Cocktail

Ergänzt habe ich den Frühlingsknoblauch um weitere Wildkräuter, die jetzt mit voller Macht aus dem Boden sprießen: Etwa Brennesseln, Brombeertriebe, Gänseblümchen, Löwenzahn, Schafgarbe, Scharbockskraut und Spitzwegerich. Rund 200 Gramm wilde Kräuter sind das für vier Personen. Nun nehme ich noch zwei Rispen vom Entzündung hemmenden Grünkohl, plus einem gewürfelten Apfel. Die gewaschenen Kräuter werden grob gehackt und kommen mit dem Apfel in einen Becher, in den noch 0,2 Liter Quellwasser, sechs Esslöffel Joghurt, der Saft und der Schalenabrieb einer Biozitrone und ein Esslöffel Leinöl gefüllt werden.

Verstärken lässt sich die vitalisierende Wirkung durch eine rund einen Zentimeter lange Kurkumawurzel, die klein geschnitten wird und auch in den Becher kommt. Jetzt alles pürieren, in Gläser abfüllen und sofort mit kleinen Schlucken trinken. Dieser Cocktail ist nicht nur ungemein gesund, er schmeckt auch ausgezeichnet – und eignet sich ideal als Aperitif. Passend dazu sind Cracker aus Hefeteig, mit Samen vom Schwarzkümmel, dem ebenfalls eine Immun-stabilisierende Wirkung nachgesagt wird.

Crunchiger Genuss zum Cocktail: Schwarzkümmel-Cracker

Hinweise zum Sammeln: Bärlauch riecht IMMER! Fehlt dieser intensive Duft, kann es sich um Blätter vom schwach giftigen Maiglöckchen oder gar um die tödlich giftige Herbstzeitlose halten. Wer unsicher ist, pflückt die Blätter nicht. Kräuter nicht direkt neben Wegen, Straßen sammeln und auch nicht an Stellen, die gerne von Vierbeinern besucht werden. Möglichst früh morgens sammeln, dann ist mehr Kraft im Wilden und immer alles sehr gut waschen.

Sie finden kaum Stellen, wo Wildkräuter wachsen, vor allem nicht auf dem Land? Dann merken Sie, dass mit unserer Landwirtschaft grundlegend etwas nicht stimmt, weil auch noch der letzte Quadratmeter genutzt wird, wo oft nicht einmal mehr Blühstreifen gelassen werden. Vielleicht lesen Sie dann auch noch meine aktuelle Geschichte über die Brexit-Briten, die ihre Landwirtschaftspolitik radikal ändern – und künftig Subventionen nur noch den Bauern zahlen, welche sich um den Erhalt der Natur verdient machen.

Wer umfassend wissen will, wie sich das uralte Heilpflanzenwissen für die Gesundheit nutzen lässt, dem empfehle ich mein Buch „TDM Traditionelle Deutsche Medizin“. Es umfasst fünf Kapitel: Die Naturheilkunde mit einer großen Abhandlung über Wildkräuter; die Kloster-Medizin; die präventiven Pflanzen-Pfarrer Kneipp und Künzle; die geheimnisvolle Anthroposophie und Homöopathie sowie die Apotheken-Medizin, aus der die Pharmaindustrie entstanden ist. Außerdem gibt es eine „Hausapotheke“ mit 30 selbst nutzbaren heimischen Heilpflanzen und einen einzigartigen „Heilkundeatlas“ mit 66 Gärten der Gesundheit.

TDM – Traditionelle Deutsche Medizin

Gehen Sie mit auf Entdeckungsreise zu den fünf Elementen der TDM: Naturheilkunde, Klostermedizin, Pflanzen-Pfarrer, Apotheken-Medizin und Homöopathie.
Hans Lauber; 1. Auflage 2018; 19,80 €
zum Kirchheim-Shop

Mischt stilvoll HighTech und Heimat: „ESS.ZIMMER“

An sich wollte ich diesen Monat das Münchner 2-Sterne-Restaurant „ESS.ZIMMER“ präsentieren, das ich Anfang März besucht habe. Aber irgendwie erscheint mir das im großen Stil derzeit nicht so passend. Nur so viel zu diesem faszinierenden Lokal: Es liegt außergewöhnlich, nämlich in der „BMW-Welt“, wo die bayerischen Autobauer ihre Fahrzeuge in edlem Ambiente inszenieren. Ganz oben in der riesigen Halle thront das „Esszimmer“, eine wunderbare Mischung aus HighTech und Heimat.

Großzügig auseinander gestellte Tische (höchst Virus-gerecht!), viel Holz, interessante Kunstwerke mit klugen Bezügen zum Auto schaffen eine einladende Atmosphäre, die sich zu großer Behaglichkeit steigert, was vor allem an einem Mann liegt: Frank Glüer, der aus Schwaben stammende Gastgeber und Sommelier führt mit profunder Sachkunde und charmanter Herzlichkeit durch den Abend.

Wir wählten das fünfgängige Menü mit einem Fokus auf Fisch für 150 Euro plus die Weinbegleitung. Herausragend ein gebeizter Chiemsee-Zander, garniert mit einer fast schon alchimistischen Saure-Sahne-Kugel, wo auch noch hauchfeiner Aalsud subtile Aromen beisteuert. Beste Zwei-Sterne-Küche vom Großmeister Bobby Bräuer. Grandios auch ein Carabinero (Garnele) mit Karkassen-Sauce. Nur beim Nagelrochen und beim Steinbutt hätten die Garpunkte besser balanciert sein können.

Aber das sind negligable Petitessen, die das grandiose Gesamterlebnis nicht im Mindesten beeinträchtigen. Ein Gesamterlebnis, das auch von der klugen, immer punktgenau passenden Weinbegleitung lebt, etwa ein subtil-cremiger Condrieu von Francois Villard aus dem Rhonetal. Tusch für Frank Glüer!

Genuss in den Zeiten von Corona? Ja, der ist sinnvoll. Denn auch Wohlbefinden stärkt das Immunsystem.

Begleitet von Buttermilch und Räucheraal: Chiemsee-Zander



ECHT ESSEN
 heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.



von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de

Internet: www.lauber-methode.de

⇒ zurück zur „Echt essen“-Übersicht

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Echt essen: „Zippiri“ – sardo puro
Das Echt essen-Gasthaus im Juni: In dem sardinischen Lokal „Zippiri“ in Köln wird eine schnörkellose Küche serviert, bei der auch Pferdefleisch eine wichtige Rolle spielt – sardo puro eben.

3 Minuten

Das Echt essen-Gasthaus im April: L’Imprimerie – vive la France
Das Echt essen-Gasthaus im April: Eine unverfälschte französische Landküche bietet die ehemalige Druckerei im gutbürgerlichen Kölner Stadtteil Bayenthal. Ein Restaurant, das polarisiert

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 4 Tagen, 8 Stunden

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • florahdo postete ein Update vor 6 Tagen, 8 Stunden

    Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?