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Zu viel Fruktose belastet die Nieren: Fachgesellschaft warnt zum Welt-Nierentag vor hohem Konsum
3 Minuten
Ein hoher Konsum von Fruktose kann die Nieren langfristig schädigen und das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung (CKD) erhöhen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) zum Welt-Nierentag am 12. März 2026 hin.
Nierenärztinnen und -ärzte warnen anlässlich des heutigen Welt-Nierentages vor den Gefahren eines übermäßigen Konsums von Fruktose. Besonders kritisch sei industriell zugesetzte Fruktose, wie sie in Softdrinks, Energydrinks, Fruchtsäften und vielen Fertigprodukten vorkommt.
„Fruktose ist kein ‚gesünderer‘ Zucker – im Gegenteil: In großen Mengen kann sie über verschiedene Stoffwechselwege die Nieren massiv beeinträchtigen“, betont die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Zuckerhaltige Getränke seien hierbei besonders problematisch, weil sie große Mengen Fruktose schnell verfügbar machten. Bei Hitze oder Flüssigkeitsmangel könne dies die Nieren zusätzlich belasten.
Die Fachgesellschaft spricht sich dafür aus, im Alltag weniger zuckergesüßte Getränke zu konsumieren und stattdessen Wasser oder ungesüßte Getränke zu wählen. Zugleich fordert sie die Politik auf, Forderungen nach einer Zuckersteuer zu unterstützen – wie sie bereits die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), die Bundesärztekammer und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfehlen.
Wie Fruktose den Stoffwechsel und die Nieren beeinflusst
Fruktose wird überwiegend in der Leber, aber auch in der Niere verarbeitet. Ihr Stoffwechsel unterscheidet sich deutlich von dem der Glukose. Ein hoher Fruktosekonsum fördert Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz – alles Faktoren, die Bluthochdruck und Typ‑2‑Diabetes begünstigen. Diese beiden Erkrankungen seien zentrale Risikofaktoren für eine chronische Nierenerkrankung, erklärt Sylvia Stracke, Bereichsleitung Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN.
Zudem erhöhen große Mengen Fruktose nachweislich den Harnsäurespiegel. Stracke verweist darauf, dass erhöhte Harnsäure mit Bluthochdruck, Gicht, Nierensteinen und entzündlichen Prozessen im Nierengewebe in Verbindung steht. Gleichzeitig begünstigt Fruktose die Bildung von Fett und entzündlichen Botenstoffen, die auch die empfindlichen Blutgefäße der Niere beeinträchtigen können.
Mechanismen der Nierenschädigung
Aus nephrologischer Sicht spielen mehrere Prozesse eine Rolle:
- Vermehrte Harnsäurebildung: Fruktose ist der einzige Zucker, dessen Abbau automatisch zu einem Anstieg der Harnsäure führt. Ein dauerhaft hoher Harnsäurespiegel gilt als Risikofaktor für Nierenschäden, Steine und Entzündungen.
- Entzündung und Fibrose: Langanhaltender hoher Konsum begünstigt entzündliche Vorgänge und eine Verhärtung des Nierengewebes (Fibrose).
- Energieverbrauch in der Niere: Beim Abbau von Fruktose wird viel zelluläre Energie benötigt. Ein solcher Energiemangel kann oxidativen Stress, Störungen der Gefäßinnenwand und eine Verengung der Blutgefäße auslösen.
- Indirekte Effekte: Übergewicht, Fettleber, Insulinresistenz und Bluthochdruck verschlechtern zusätzlich die Nierenfunktion.
Gesundheitliche Folgen stark gezuckerter Getränke
Ein dauerhaft hoher Konsum stark gezuckerter Getränke erhöht nach Angaben von Sylvia Stracke das Risiko für:
- Chronische Nierenerkrankung (CKD)
- Nierensteine, insbesondere Harnsäuresteine
- Albuminurie, also erhöhte Eiweißausscheidung im Urin – ein frühes Warnsignal für Nierenschäden
- zusätzliche Belastungen bei Hitze und Flüssigkeitsmangel
- vermehrte Fettbildung und -einlagerung, auch im Bauchraum (viszerales Fett)
Wo Fruktose häufig vorkommt
Problematisch sei vor allem zugesetzte Fruktose in Industrieprodukten, nicht die Fruktose aus frischem Obst. Typische Quellen sind:
- Softdrinks, Energydrinks, Limonaden
- Sport- und Wellnessgetränke, Eistees
- Fruchtjoghurts, Frühstückscerealien, Müsliriegel
- Fertigsaucen, Ketchup, Dressings, Backwaren und Snacks
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher unterschätzten laut Stracke den Fruktosegehalt von Getränken. Sie weist darauf hin, dass ein halber Liter Softdrink oder Energydrink bereits mehr Zucker enthalten kann, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird.
Prävention und Früherkennung
Nierenerkrankungen entwickeln sich häufig schleichend. Regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte (eGFR, UACR) sowie von Blutdruck und Blutzucker ermöglichen eine frühzeitige Diagnose.
Die DGfN nennt folgende Maßnahmen, die zur Nierengesundheit beitragen können:
- Wasser zum Durstlöschen statt stark gezuckerter Getränke
- Zutatenlisten prüfen und Fruktose-Glukose-Sirup oder Maissirup meiden
- gesundes Körpergewicht erreichen und halten
- Grunderkrankungen wie Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes konsequent behandeln
„Mit wenigen, aber konsequent umgesetzten Verhaltensänderungen lässt sich das persönliche Risiko für eine CKD deutlich senken“, sagt Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN.
Politische Maßnahmen und Bedarf an besserer Früherkennung
Mit Blick auf steigende CKD-Zahlen fordert die DGfN klare politische Schritte zur Reduktion von Zucker in Lebensmitteln und Getränken. Dazu zählen verständliche Nährwertangaben, verbindliche Ziele zur Zuckerreduktion und eine stärkere Aufklärung.
Unterstützung erhält die Diskussion um eine Zuckersteuer unter anderem von Stefan Schwartze, MdB und Patientenbeauftragter der Bundesregierung. Er sagte: „Ich begrüße den angestoßenen öffentlichen Diskurs um eine Zuckersteuer sehr. Eine solche würde vor allem Kindern und Jugendlichen zugutekommen – und damit denjenigen, die sich mangels Wissen nicht selbst schützen können und unserer besonderen Fürsorge bedürfen.“
Daten aus einer weltweiten Studie in 107 Ländern zeigen, dass Schülerinnen und Schüler in Ländern mit Zuckersteuer weniger Süßgetränke konsumieren als in Ländern ohne Abgabe (Hu et al., 2023).
Parallel müsse die Früherkennung von Nierenerkrankungen verbessert werden. Viele Betroffene erhielten zu spät eine spezialisierte Behandlung. Nicole Helmbold betont: „Jede früh erkannte Nierenkrankheit ist eine Chance, durch Verhaltensänderung und Therapie Dialyse und Transplantation zu verhindern – diese Chance dürfen wir nicht ungenutzt lassen.“
Weiterführende Materialien zum Thema
mit Materialien der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN)
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
