Zucker: ein süßer Verführer

4 Minuten

© Kirchheim/Bernhard Kölsch
Zucker: ein süßer Verführer

Überall auf der Welt lieben es die Menschen süß. Und so gibt es auch kaum ein Fertiglebensmittel, in dem nicht irgendwo in der Zutatenliste Zucker gelistet ist – oft auch unter einem Tarnnamen. Wer bewusst mit Zucker umgeht, was nicht nur bei Diabetes sinnvoll ist, sollte sich gut auskennen, um versteckte Zucker in Lebensmitteln zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Wir helfen Ihnen dabei und erklären, worauf es beim Umgang mit Zucker ankommt.

Es ist noch gar nicht so lange her, seit der Zucker seinen Siegeszug angetreten hat: Gab es früher Zucker, wenn überhaupt, nur in minimalen Mengen, ist der weltweite Konsum über die Jahrzehnte ständig gestiegen. In Deutschland verbraucht jeder von uns im Durchschnitt 33 bis 35 kg Zucker pro Jahr.

Zucker: es kommt darauf an, wie viel und in welcher Form

Früher wurde es Menschen mit Diabetes regelrecht verboten, Zucker zu essen. Das ist heute nicht mehr so – aber es kommt darauf an, wie viel und in welcher Form. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt Diabetikern, maximal 10 Prozent der täglichen Gesamtkalorienmenge in Form von Zucker zu essen.

Damit ist allerdings nicht gemeint, diese Zuckermenge zum Süßen von Kaffee oder Tee zu verwenden oder mit Zucker gesüßte Getränke zu trinken, denn dieser “freie” Zucker erhöht den Blutzuckerwert sehr schnell. Besser ist es, den Zucker zu “verpacken” – man kann z. B. Brot (am besten Vollkornbrot) mit Konfitüre essen oder ihn in Kuchen, Gebäck, Milcheis oder als Bestandteil von Fertiglebensmitteln genießen.

Süßer Geschmack wird seit jeher als angenehm empfunden und signalisiert dem Gehirn, dass es sich um eine ungiftige und kalorienhaltige, leckere Speise handeln muss. Doch ein ständiges Zuviel an Zucker hinterlässt auf Dauer seine Spuren: Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und insbesondere eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung sind typische Folgen eines zu hohen Zuckerkonsums. Mittlerweile wird sogar vermutet, dass es Menschen gibt, für die Zucker ein Suchtmittel ist.

„Ohne Zuckerzusatz“ heißt nicht automatisch zuckerfrei

Achten Sie bei fertigen bzw. verarbeiteten Lebensmitteln darauf, wie viel Zucker enthalten ist. Welche Zucker im Produkt stecken, lesen Sie in der Zutatenliste (für die man manchmal eine Lupe braucht …). Als Faustregel gilt: Je weiter vorne Zucker (oder ein anderes Wort für Zucker) in der Zutatenliste rangiert, desto höher ist der Gehalt an Zucker in diesem Lebensmittel.

Wichtig: Wie groß ist Ihre Portion?

Schauen Sie auch auf die Nährwertanalyse. Sie zeigt, wie viele Kohlenhydrate in 100 g eines Produktes stecken und wie viele davon aus Zucker bestehen.

Lassen Sie sich nicht von den Bildchen auf der Vorderseite der Verpackung irritieren. Klassisches Beispiel: fertiges Müsli oder Frühstücksflocken. Der Hersteller gibt die Nährwerte, inklusive Zucker, für eine Portionsgröße von 30 g an. Das wären gerade mal drei bis vier Esslöffel – eine Menge, von der ein Erwachsener in der Regel nicht satt wird. Besser ist es, die Menge abzuwiegen, die man essen möchte, und anhand der Nährwertanalyse auszurechnen, wie viel Zucker und Kohlenhydrate die Portion enthält. Das Ergebnis ist meist überraschend.

„Ungesüßt“ bedeutet nicht: kein Zucker

Ebenso kritisch sollten Sie sein, wenn auf der Verpackung z. B. “ohne Zuckerzusatz” oder “ungesüßt” prangt. Es mag zwar sein, dass tatsächlich kein raffinierter Zucker zugesetzt wurde, allerdings ist auch in Trockenfrüchten wie Rosinen viel Zucker!

Wer zu solchen Produkten greift, um seinen Zuckerkonsum zu reduzieren, erlebt oft sein blaues Wunder.So enthält beispielsweise ungesüßtes Fertig-Cappuccinopulver laut Zutatenliste keinen Zucker, dafür aber Süßmolkenpulver – also letztlich doch Zucker. Bei Instantgetränken, z. B. aus kakaohaltigen Getränkepulvern, wird ein Teil des süßen, geschmacksgebenden Zuckers reduziert und ersetzt durch das geschmacksneutrale Kohlenhydrat Maltodextrin, das aber auch den Blutzucker erhöht.

Verdeckspiel: So kann Zucker in Zutatenlisten heißen


Haben Sie schon einmal etwas von ­Farin, Raffinose oder Hexose gehört? Diese Begriffe stehen im Grunde genommen alle für dasselbe: Zucker. Da sich Zucker auf den Blutzucker auswirkt, ist es wichtig, sich Zutatenlisten genau anzuschauen: Welcher Zucker ist enthalten, und an wievielter Stelle steht er in der Liste? Je weiter vorne der Zucker steht, desto höher ist der Zuckergehalt am Gesamtprodukt. Damit Sie versteckte Zucker künftig schnell entlarven können, sehen Sie hier die wichtigsten Zucker bzw. Namen für Zucker auf einen Blick.

A

  • Agavendicksaft und andere Dicksäfte
  • Ahornsirup

D


F

  • Farin
  • Fruktose-Glukose-Sirup
  • Fruktosesirup
  • Fruchtkonzentrate oder -püree

G

  • Gerstenmalz
  • Gerstenmalzextrakt
  • Glukose (Fachbegriff für ­Traubenzucker)
  • Glukose-Fruktose-Sirup
  • Glukosesirup

H

  • Hexosen
  • Honig

I

  • Isoglukose
  • Invertzucker

K

  • Karamellsirup

L


M


R

  • Raffinade
  • Raffinose

S


T

  • Traubenfruchtsüße

W

  • Weizendextrin

Es gibt zwar auch einige Fertigsaucen wie Ketchup oder Grillsaucen mit 30 oder 40 Prozent weniger Zucker. Aber auch hier lohnt der Blick auf die Nährwertanalyse, um nachzusehen, wie viel Zucker trotzdem noch enthalten ist.

Zucker gibt verarbeiteten Lebensmitteln Struktur und Geschmack, wirkt konservierend und wasserbindend und ist obendrein billig. Deshalb sollten Sie z. B. auch bei fertigem Krautsalat und anderen Feinkostsalaten oder Rotkohl aus dem Glas genau hinschauen und auf den Zuckergehalt achten.

Isoglukose: neuer Billigzucker für Europa

Seit Ende September 2017 gilt nicht mehr die bisherige Europäische Zuckermarktordnung. Deshalb wird es spätestens ab 2018 Produkte mit Isoglukose (andere Bezeichnungen: Maissirup, Glukosesirup, High Fructose Corn Syrup) geben. Dieses sehr kostengünstige Süßungsmittel ist ein fruktosereicher Zuckersirup, der bisher vorwiegend in den USA in sämtlichen Lebensmitteln und Getränken verwendet wird.

Durch seinen hohen Gehalt an Fruktose (Fruchtzucker) kann Glukosesirup nicht nur Übergewicht fördern, sondern wirkt sich zudem besonders ungünstig auf den Leberstoffwechsel aus. Noch ein Grund mehr für Sie, genau auf die Zutatenliste zu schauen, denn Experten raten davon ab, Produkte mit Isoglukose zu kaufen.

Den Zuckerkonsum reduzieren – wie?

Welchen Geschmack wir bevorzugen, hängt auch davon ab, an was wir gewöhnt sind. Deshalb müssen Sie nicht ganz auf Zucker verzichten, sollten aber ihre Gewohnheiten kritisch hinterfragen. Das individuelle Empfinden für Süße lässt sich verändern! Achten Sie bei Fertigprodukten auf den Gehalt an Zucker (auch wenn ein anderes Wort für Zucker verwendet wird). Kochen und backen Sie selbst, so oft es geht – dann können Sie auch selbst den Zucker dosieren.

Um sich die Vorliebe für Süßes etwas abzutrainieren, hilft es, auch bei kalorienfreien Süßstoffen die Mengen zu reduzieren und z. B. statt drei besser ein bis zwei Süßstofftabletten in Kaffee oder Tee zu geben. Schon nach ein bis zwei Wochen ändert sich das Empfinden für Süße, und es fällt leichter, mit weniger Zucker auszukommen, ohne das Gefühl zu haben, auf etwas verzichten zu müssen.


von Kirsten Metternich
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (11) Seite 72-75

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetisches Fußsyndrom: Geeignete Schuhe zum Vorbeugen und Behandeln
Wer wegen einer Schädigung der Nerven in den Füßen nicht mehr spürt, wenn er sich verletzt oder zum Beispiel durch Reibung eine Wunde entsteht, sollte die Füße schützen. Für ein Diabetisches Fußsyndrom bieten orthopädietechnische Unternehmen daher unterschiedliche Hilfsmittel zum Vorbeugen und Behandeln an. Manchmal reichen auch bereits Schuhe mit besonderen Eigenschaften aus einem Schuhgeschäft.
Diabetisches Fußsyndrom: Geeignete Schuhe zum Vorbeugen und Behandeln | Foto: StudioLaMagica – stock.adobe.com

4 Minuten

Michael Krauser im Interview: Reisen als Leidenschaft – und dankbar auf das Leben blicken
Sein Typ-1-Diabetes hat Michael Krauser viel über Dankbarkeit gelehrt. Ob auf seiner Leidenschaft, dem Reisen, oder im Alltag – er lässt sich nicht aufhalten. Seine Botschaft im Interview: Sei stolz auf dich und das, was du jeden Tag leistest.
Michael Krauser im Interview: Dankbar auf das Leben blicken | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

14 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

Verbände