- Ernährung
Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL-Cholesterin-Senkung
3 Minuten
Bereits eine kurze, strikt durchgeführte Haferkur mit Kalorienreduzierung kann den Fettstoffwechsel über mehrere Wochen positiv beeinflussen. Darauf weist eine Studie der Universität Bonn hin, die den Effekt einer intensiven Haferzufuhr über zwei Tage auf den LDL‑Cholesterin-Spiegel bei Menschen mit metabolischem Syndrom untersuchte.
Schon vor mehr als 100 Jahren setzte der deutsche Mediziner Carl von Noorden Hafer gezielt zur Behandlung bei Diabetes ein. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes sind Haferkuren auch heute noch teilweise eine beliebte Option, um den Blutzucker zu kontrollieren. Durch moderne medikamentöse Therapien sei diese Methode aber weitläufig „in den letzten Jahrzehnten fast völlig aus dem Blick geraten“, so Dr. Marie‑Christine Simon vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn, in einer Pressemitteilung.
Daher nahm das Forschungsteam um die Juniorprofessorin den gesundheitsfördernden Effekt einer Haferkur auf den LDL-Cholesterinspiegel, das Körpergewicht und den Blutdruck unter die Lupe. Die Studie war in zwei Arme aufgeteilt und richtete sich an Erwachsene mit metabolischem Syndrom ohne Diabetes. Es gilt als wichtiger Risikofaktor für Typ‑2‑Diabetes und umfasst Übergewicht, erhöhte Blutdruck- und Blutzuckerwerte sowie eine Störungen des Fettstoffwechsels.
Wirkung der zweitägigen, intensiven Haferkur mit reduzierter Kalorienaufnahme
Ziel der ersten Untersuchung mit anfänglich 32 Männern und Frauen war, die Effekte einer kurzzeitigen, stark vereinfachten Kost zu prüfen. Die Teilnehmenden dieses Studienarms wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine sollte zwei Tage lang ausschließlich gekochte Haferflocken essen – verteilt auf drei Mahlzeiten täglich und ergänzt nur durch geringe Mengen Obst oder Gemüse. Sie nahmen jeweils rund 300 Gramm Haferflocken pro Tag zu sich und damit deutlich weniger Energie als im Alltag. Eine Kontrollgruppe erhielt ebenfalls eine kalorienreduzierte Kost, allerdings ohne Hafer.
17 Personen aus der Hafer- und 15 aus der Kontrollgruppe (zwei Probanden zogen sich aus persönlichen Gründen zurück) schlossen diese Phase ab. Beide Gruppen profitierten von der vorübergehenden Ernährungsumstellung. In der Hafergruppe fiel der Effekt jedoch klar stärker aus: Der LDL‑Cholesterinspiegel sank durchschnittlich um 10 Prozent. Dr. Simon spricht von einer „substanziellen Reduktion, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente“. Zusätzlich ging das Gewicht laut Pressemitteilung im Mittel um zwei Kilogramm zurück, was vornehmlich auf die Kalorienbeschränkung zurückzuführen ist, und auch eine leichte Blutdrucksenkung war zu erkennen.
Ein Teil dieser positiven Effekte war noch sechs Wochen nach der zweitägigen Kur nachweisbar. Dr. Simon sieht daher darin das Potenzial einer wiederkehrenden Kurzzeit‑Intervention.
Weiterführende Informationen zum Thema Hafertage und Haferkur
Weniger ausgeprägte Effekte bei längerer „leichter“ Haferkur
Dass Hafer jedoch vor allem in hoher Menge und in Verbindung mit einer Kalorien-Reduktion auf den Fettstoffwechsel, den Blutdruck und das Gewicht positiv wirkt, zeigte sich im zweiten, ergänzenden Teil der Studie. An diesem Arm nahmen ebenfalls 32 Probandinnen und Probanden mit metabolischem Syndrom teil, den alle bis zum Ende durchzogen. Sie nahmen sechs Wochen lang täglich 80 Gramm Haferflocken zu sich, ohne weitere Einschränkungen. Bei ihnen zeigten sich nur geringe Auswirkungen auf die untersuchten Parameter.
Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht. Aussagen zur Wirkung von Hafer auf den Blutzuckerspiegel sind darin nicht zu finden, diese sind aber in vielen anderen Untersuchungen und Meta-Analysen klar belegt.
Warum Hafer den Stoffwechsel laut Studie positiv beeinflusst
LDL‑Cholesterin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gefäßverengungen. Lagert sich zu viel davon in den Arterienwänden ab, können sich Plaques bilden, die die Gefäße einengen oder instabil werden. Reißt eine solche Ablagerung ein, kann ein Blutgerinnsel entstehen oder Material in andere Gefäße gelangen – mögliche Auslöser eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.
Die Untersuchungen geben Hinweise darauf, welche Mechanismen zur beobachteten Wirkung beitragen. Hafer scheint das Wachstum bestimmter Darmbakterien zu fördern. Diese produzieren beim Abbau des Getreides verschiedene Stoffwechselprodukte. „Wir konnten feststellen, dass sich durch den Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht“, erläutert Linda Klümpen, Erstautorin der Studie. Zu den nachgewiesenen Substanzen gehört Ferulasäure, die in Tierstudien positive Effekte auf den Cholesterinstoffwechsel gezeigt hat. Auch andere von den Bakterien gebildete Verbindungen kommen dafür infrage.
Gleichzeitig bauen bestimmte Mikroorganismen im Darm die Aminosäure Histidin ab. Ohne diesen Abbau kann Histidin teilweise in ein Molekül umgewandelt werden, das im Verdacht steht, die Entwicklung einer Insulinresistenz zu begünstigen – einem Kernmerkmal des Typ‑2‑Diabetes.
Ausgewählte Hafer-Rezepte
So war die Studie aufgebaut
Beide Untersuchungen waren randomisiert und kontrolliert. Eine Verblindung der Teilnehmenden war aufgrund der Ernährung nicht möglich, die Analyse von Blut‑ und Stuhlproben sowie die Messungen erfolgten jedoch verblindet. Dadurch sollten Erwartungen der Forschenden keinen Einfluss auf die Ergebnisse haben.
Vor Beginn wurden Blut- und Stuhlproben erhoben sowie verschiedene körperliche Parameter erfasst. Nach Abschluss der zweitägigen Kur folgte eine erneute Untersuchung sowie weitere Messpunkte nach zwei, vier und sechs Wochen. Im sechswöchigen Haferarm wurden vergleichbare Erhebungen durchgeführt. Die Laboranalysen umfassten unter anderem LDL‑Cholesterin und Dihydroferulasäure, eine phenolische Verbindung, die vermutlich von bestimmten Darmbakterien gebildet wird. Durch die Untersuchung der 16S‑RNA in den Stuhlproben ließ sich zudem nachvollziehen, welche Bakterienarten beteiligt waren.
Unterstützt wurde die Arbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Verband der Getreide‑, Mühlen‑ und Stärkewirtschaft sowie einem Naturprodukte‑Unternehmen.
von Gregor Hess
mit Materialien der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 3 Tagen, 5 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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laratyp1life antwortete vor 2 Tagen, 5 Stunden
Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
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lelolali antwortete vor 2 Tagen, 5 Stunden
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂
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jasminj postete ein Update vor 3 Tagen, 12 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 3 Tagen, 5 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 3 Tagen, 4 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 3 Tagen, 3 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 3 Tagen, 2 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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gregor-hess antwortete vor 2 Tagen, 8 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 18 Stunden
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jasminj antwortete vor 1 Tag, 17 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
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galu postete ein Update vor 1 Woche
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 1 Woche
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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