Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL-Cholesterin-Senkung

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Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL‑Cholesterin-Senkung | Foto: sonyakamoz – stock.adobe.com
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Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL-Cholesterin-Senkung

Bereits eine kurze, strikt durchgeführte Haferkur mit Kalorienreduzierung kann den Fettstoffwechsel über mehrere Wochen positiv beeinflussen. Darauf weist eine Studie der Universität Bonn hin, die den Effekt einer intensiven Haferzufuhr über zwei Tage auf den LDL‑Cholesterin-Spiegel bei Menschen mit metabolischem Syndrom untersuchte.

Schon vor mehr als 100 Jahren setzte der deutsche Mediziner Carl von Noorden Hafer gezielt zur Behandlung bei Diabetes ein. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes sind Haferkuren auch heute noch teilweise eine beliebte Option, um den Blutzucker zu kontrollieren. Durch moderne medikamentöse Therapien sei diese Methode aber weitläufig „in den letzten Jahrzehnten fast völlig aus dem Blick geraten“, so Dr. Marie‑Christine Simon vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn, in einer Pressemitteilung.

Daher nahm das Forschungsteam um die Juniorprofessorin den gesundheitsfördernden Effekt einer Haferkur auf den LDL-Cholesterinspiegel, das Körpergewicht und den Blutdruck unter die Lupe. Die Studie war in zwei Arme aufgeteilt und richtete sich an Erwachsene mit metabolischem Syndrom ohne Diabetes. Es gilt als wichtiger Risikofaktor für Typ‑2‑Diabetes und umfasst Übergewicht, erhöhte Blutdruck- und Blutzuckerwerte sowie eine Störungen des Fettstoffwechsels.

Wirkung der zweitägigen, intensiven Haferkur mit reduzierter Kalorienaufnahme

Ziel der ersten Untersuchung mit anfänglich 32 Männern und Frauen war, die Effekte einer kurzzeitigen, stark vereinfachten Kost zu prüfen. Die Teilnehmenden dieses Studienarms wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine sollte zwei Tage lang ausschließlich gekochte Haferflocken essen – verteilt auf drei Mahlzeiten täglich und ergänzt nur durch geringe Mengen Obst oder Gemüse. Sie nahmen jeweils rund 300 Gramm Haferflocken pro Tag zu sich und damit deutlich weniger Energie als im Alltag. Eine Kontrollgruppe erhielt ebenfalls eine kalorienreduzierte Kost, allerdings ohne Hafer.

17 Personen aus der Hafer- und 15 aus der Kontrollgruppe (zwei Probanden zogen sich aus persönlichen Gründen zurück) schlossen diese Phase ab. Beide Gruppen profitierten von der vorübergehenden Ernährungsumstellung. In der Hafergruppe fiel der Effekt jedoch klar stärker aus: Der LDL‑Cholesterinspiegel sank durchschnittlich um 10 Prozent. Dr. Simon spricht von einer „substanziellen Reduktion, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente“. Zusätzlich ging das Gewicht laut Pressemitteilung im Mittel um zwei Kilogramm zurück, was vornehmlich auf die Kalorienbeschränkung zurückzuführen ist, und auch eine leichte Blutdrucksenkung war zu erkennen.

Ein Teil dieser positiven Effekte war noch sechs Wochen nach der zweitägigen Kur nachweisbar. Dr. Simon sieht daher darin das Potenzial einer wiederkehrenden Kurzzeit‑Intervention.

Weniger ausgeprägte Effekte bei längerer „leichter“ Haferkur

Dass Hafer jedoch vor allem in hoher Menge und in Verbindung mit einer Kalorien-Reduktion auf den Fettstoffwechsel, den Blutdruck und das Gewicht positiv wirkt, zeigte sich im zweiten, ergänzenden Teil der Studie. An diesem Arm nahmen ebenfalls 32 Probandinnen und Probanden mit metabolischem Syndrom teil, den alle bis zum Ende durchzogen. Sie nahmen sechs Wochen lang täglich 80 Gramm Haferflocken zu sich, ohne weitere Einschränkungen. Bei ihnen zeigten sich nur geringe Auswirkungen auf die untersuchten Parameter.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht. Aussagen zur Wirkung von Hafer auf den Blutzuckerspiegel sind darin nicht zu finden, diese sind aber in vielen anderen Untersuchungen und Meta-Analysen klar belegt.

Warum Hafer den Stoffwechsel laut Studie positiv beeinflusst

LDL‑Cholesterin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gefäßverengungen. Lagert sich zu viel davon in den Arterienwänden ab, können sich Plaques bilden, die die Gefäße einengen oder instabil werden. Reißt eine solche Ablagerung ein, kann ein Blutgerinnsel entstehen oder Material in andere Gefäße gelangen – mögliche Auslöser eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

Die Untersuchungen geben Hinweise darauf, welche Mechanismen zur beobachteten Wirkung beitragen. Hafer scheint das Wachstum bestimmter Darmbakterien zu fördern. Diese produzieren beim Abbau des Getreides verschiedene Stoffwechselprodukte. „Wir konnten feststellen, dass sich durch den Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht“, erläutert Linda Klümpen, Erstautorin der Studie. Zu den nachgewiesenen Substanzen gehört Ferulasäure, die in Tierstudien positive Effekte auf den Cholesterinstoffwechsel gezeigt hat. Auch andere von den Bakterien gebildete Verbindungen kommen dafür infrage.

Gleichzeitig bauen bestimmte Mikroorganismen im Darm die Aminosäure Histidin ab. Ohne diesen Abbau kann Histidin teilweise in ein Molekül umgewandelt werden, das im Verdacht steht, die Entwicklung einer Insulinresistenz zu begünstigen – einem Kernmerkmal des Typ‑2‑Diabetes.

So war die Studie aufgebaut

Beide Untersuchungen waren randomisiert und kontrolliert. Eine Verblindung der Teilnehmenden war aufgrund der Ernährung nicht möglich, die Analyse von Blut‑ und Stuhlproben sowie die Messungen erfolgten jedoch verblindet. Dadurch sollten Erwartungen der Forschenden keinen Einfluss auf die Ergebnisse haben.

Vor Beginn wurden Blut- und Stuhlproben erhoben sowie verschiedene körperliche Parameter erfasst. Nach Abschluss der zweitägigen Kur folgte eine erneute Untersuchung sowie weitere Messpunkte nach zwei, vier und sechs Wochen. Im sechs­wöchigen Haferarm wurden vergleichbare Erhebungen durchgeführt. Die Laboranalysen umfassten unter anderem LDL‑Cholesterin und Dihydroferulasäure, eine phenolische Verbindung, die vermutlich von bestimmten Darmbakterien gebildet wird. Durch die Untersuchung der 16S‑RNA in den Stuhlproben ließ sich zudem nachvollziehen, welche Bakterienarten beteiligt waren.

Unterstützt wurde die Arbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Verband der Getreide‑, Mühlen‑ und Stärkewirtschaft sowie einem Naturprodukte‑Unternehmen.


von Gregor Hess

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mit Materialien der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • diahexe antwortete vor 2 Wochen

      @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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