130 Jahre Diabetes …

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130 Jahre Diabetes …

“Leben mit Diabetes – seit 55 Jahren”, hieß es in der Überschrift in Diabetes-Journal 3/2016. Daraufhin erreichten uns zwei sehr imponierende Zuschriften, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Zusammengenommen 130 Jahre Diabetes …

Interview: Leben mit Diabetes – seit 55 Jahren
Die folgenden beiden Zuschriften erreichten uns als Reaktion auf unser Interview mit der Heidelberger Kinderdiabetologin Dr. Hildgund Schmidt (80), die selbst auf über 55 Jahre mit Typ-1-Diabetes zurückblickt.

Albert Timpe – 68 Jahre Diabetes

“Ich bin am 29.09.1936 geboren und wurde 1948 im Alter von 12 mit einem Wert von 378 (Anm. d. Red.: mg/dl; Wert in mmol/l: 21,0) ins Friederikenstift Hannover eingeliefert. Der damalige Chefarzt Dr. med. Dercum plädierte für eine Einstellung mit Depot-CR (Rinderinsulin), da nach seiner Einschätzung das alternative Schweineinsulin zu unsauber sei, so dass morgens 16 Einheiten und abends 12 bis 14 Einheiten Insulin Depot CR von Hoechst aus Frankfurt gespritzt wurden.

Selbstkontrollen gab es zu der Zeit noch nicht. Erst in den 60er Jahren erhielt ich mein erstes Blutzuckermessgerät. Mit dem 18. Lebensjahr wurde ich nochmals im Friederikenstift neu eingestellt. Viermal aufeinander genehmigte mir meine Krankenkasse eine Kur in der Diabetesklinik Dr. Vötisch in Bad Mergentheim.

Kurz vor der Jahrhundertwende gab es in der Nacht des öfteren Unterzuckerungen, die von meiner Frau jedoch rechtzeitig bemerkt wurden. Auf Empfehlung meines Hausarztes suchte ich mir einen Diabetologen. Auf Hinweis des Diabetikerbundes wurde dann Dr. H. W. Kersting mein ärztlicher Betreuer, der mir eine Umstellung zu Aventis-Insulinen/ICT empfahl: Basal morgens, mittags und abends, Insuman Rapid ebenso. 2001 wechselte ich das Basalinsulin gegen Lantus aus. 2009 kam es abermals zu einem Wechsel von Rapid zu Apidra. Durch den Insulinwechsel sind die Unterzuckerungen früherer Jahre inzwischen Vergangenheit.”


Horst Gladiator – 62 Jahren Diabetes

„Im Diabetes-Journal (…) steht der Bericht von Frau Dr. Schmidt: ‚Leben mit Diabetes – seit 55 Jahren‘. (…) Ich habe den Diabetes Typ 1 seit schon 62 Jahren. Ich habe keinen Dr.-Titel, aber ich bin nebenbei Buchautor über zwei Bücher. Die Erfahrungen, die Frau Dr. Schmidt gemacht hat, kann ich gut nachvollziehen. Seit 1954 habe ich Diabetes und lebe seit 8 Jahren in einem Seniorenheim bei Hamburg. Online bin ich nicht zu erreichen, schreibe noch mit der Hand.“

Horst Gladiator – 62 Jahre Diabetes
„Für Ältere interessiert man sich nicht sehr. Sie haben schon lange genug gelebt und die Jüngeren haben eben noch das Leben vor sich. Auf die Erfahrungen älterer, langjähriger Diabetiker zu setzen, finde ich sehr hilfreich. Es kommt auf eine gleichmäßige Lebensweise an mit geregelten Mahlzeiten. Ich habe jahrelang ein 2. Frühstück zu mir genommen in der Firma; genau zu dem Zeitpunkt, wo das Insulin am meisten wirkte.“

Dieses Zitat und viele weitere von Horst Gladiator finden Sie auf www.mehnert-medaille.de

„Es geht mir gut, doch kleine Spätschäden habe ich auch schon bekommen, trotz guter Lebensführung. Es soll nichts beschönigt werden, ich gebe ehrliche Antworten. In Bad Mergentheim habe ich zweimal gekurt, was mir heute noch guttut. Diabeteskliniken habe ich mehrfach besucht wie die in Bad Bevensen, Bad Lauterberg/Harz, Bad Oeynhausen und Oldenburg in Holstein. Die Schulung ist das A und O in der Diabetes-Therapie und die habe ich von Anfang an bekommen. Meine Erfahrungen gebe ich gerne weiter.“

Ihr Horst Gladiator

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (7) Seite 45

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 2 Wochen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat, 2 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße